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UPD 159/08 - 15.11.2008

Promotionsfeier der Universität Augsburg:

145 Promotionsurkunden, vier Preise, ein neuer Ehrensenator und die erste "amica universitatis"

Prof. Dr. Anita Pfaff wurde als "amica universitatis" und Freunde-Gesellschaft-Vorsitzender Lauterbach mit der Ehrensenatorenwürde ausgezeichnet / Preise der Universitätsstiftung für drei Dissertationen und eine Habilitationsschrift aus der Physik sowie aus den Rechts-, Geschichts- und Literaturwissenschaften


In feierlichem Rahmen haben heute 145 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die im Studienjahr 2007/2008 an der Universität Augsburg ihre Dissertation erfolgreich abgeschlossen haben, ihre Promotionsurkunden erhalten. Darüber hinaus wurden vier Absolventen für ihre herausragenden Leistungen mit den Universitätspreisen bzw. mit dem Forschungspreis der Augsburger Universitätsstiftung ausgezeichnet. Geehrt wurden zudem der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg e. V., Werner Lauterbach, dem Präsident Prof. Dr. Wilfried Bottke die Ehrensenatorenwürde verlieh, sowie Prof. Dr. Anita Pfaff. Die Wirtschaftswissenschaftlerin, die von 1974 bis 2008 am Institut für Volkswirtschaftslehre geforscht und gelehrt hat, erhielt für die Verdienste, die sie sich als langjährige Frauenbeauftragte der Universität Augsburg erworben hat, die Auszeichnung "amica universitatis".

 Prof. Dr. Anita Pfaff: Frauenbeauftragte der ersten Stunde

Dass Prof. Dr. Anita Pfaff, von 1974 bis 2008 Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg, als erste die neue Auszeichnung "amica universitatis" erhalte, sei kein Zufall, betonte Präsident Bottke in der Laudatio: Sie übernahm als erste das 1989/90 eingerichtete Amt der gesamtuniversitären Frauenbeauftragten. Sie habe die mit diesem Amt verbundene Verantwortung in vorbildlicher Weise wahrgenommen und dabei Maßstäbe gesetzt. Sie habe dieser damals noch neuen Funktion durch langfristig angelegte konzeptionelle Arbeit und durch die Auslotung der möglichen Gestaltungsspielräume ein prägnantes Profil gegeben. Dass die Universität Augsburg heute zu den frauen- und familienfreundlichsten Hochschulen in Bayern zähle, gehe wesentlich auf die grundlegende Arbeit zurück, die Anita Pfaff geleistet habe.

Ihr Engagement auf dem Feld der Frauenförderung und der Gleichberechtigung weit zurückreiche in eine Zeit, in der diese Themen noch nicht zu den anerkannten und vordringlichen hochschulpolitischen Zielen zählten, hob Bottke hervor. Die lange Liste ihres außeruniversitären gesellschaftspolitischen Engagements zeuge von einer beeindruckenden Kontinuität und lasse erkennen, dass die Tätigkeit als Frauenbeauftragte der Universität Augsburg in der beruflichen Biographie von Anita Pfaff nicht isoliert dastehe. U. a. war die Augsburger Wirtschaftswissenschaftlerin von 1977 bis 1979 Mitglied der Sachverständigenkommission für die soziale Sicherung der Frau und der Hinterbliebenen bei der Bundesregierung und von 1989 bis 1993 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Frauenpolitik beim Bundesministerium für Jugend, Familien, Frauen und Gesundheit beim Bundesministerium für Frauen und Jugend.

Werner Lauterbach: Brückenbauer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft

Mit Werner Lauterbach, so begründete Präsident Bottke die Verleihung der Ehrensenatorenwürde an den Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg e. V., ehre die Universität Augsburg eine Persönlichkeit, die ihr lange Jahre in führenden Positionen zur Seite stand, die ihr stets freundschaftlich verbunden war und ist. Lauterbach amtiert seit 2003 als Vorsitzender der Freunde-Gesellschaft. Deren Vorstand gehörte er bereits seit 1995 als Schatzmeister an. Kraft seines Geschicks und seiner Verlässlichkeit sei es ihm gelungen, das Vermögen der Gesellschaft in Zeiten des nicht leichter werdenden Werbens um neue Mitglieder stabil zu halten und die Fähigkeit der Gesellschaft der Freunde, universitäre Projekte engagiert zu fördern, in beachtlichem Umfang aufrechtzuerhalten. Unter seinem Vorsitz sei die Förderung von Vortragsveranstaltungen, Tagungen, Exkursionen und vieler anderer universitärer Projekte unvermindert fortgeführt worden. Kraft seiner Verbundenheit mit Wissenschaft und Kunst sei Lauterbach prädestiniert, die Mitglieder für die Sache der Universität zu begeistern.

Die zweite herausragende Position, in der Lauterbach sich zum Wohl der Universität einsetzt habe, sei der Vorsitz des Vorstands der Stadtsparkasse Augsburg gewesen. Die Stiftung der Stadtsparkasse Augsburg fördere kontinuierlich ebenso zahlreiche wie vielfältige Aktivitäten und Projekte an der Universität Augsburg. Exemplarisch nannte Bottke die von Universität und Stadtsparkasse Augsburg seit nunmehr fast zwanzig Jahren gemeinsam getragene Veranstaltungsreihe "Forum Wissenschaft", in der man dem Augsburger Publikum regelmäßig Vorträge von hervorragenden und prominenten auswärtigen Wissenschaftlern biete, sowie die fördernde Partnerschaft der Stadtsparkasse mit der Kinderuniversität Augsburg.

"Herr Lauterbach", so Bottke, "verkörpert in seiner Person überzeugend und glaubwürdig, was gegenwärtig in besonderem Maße nottut: den gelungenen Brückenschlag zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Mit Augenmaß und Beharrlichkeit hat er bewiesen, dass die Finanzierung der Wissenschaft durch die Mittel Dritter in effektiver Weise möglich ist. Er vertritt exemplarisch die Verantwortung der Bürgergesellschaft für die Förderung der Forschung und die Ausbildung des akademischen Nachwuchses. Dafür dankt die Universität Augsburg Herrn Werner Lauterbach mit der Verleihung der Würde eines Ehrensenators."

Hervorragende Arbeiten von Augsburger Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern

Die Zentrale Promotionsfeier der Universität Augsburg bildet traditionell auch den Rahmen für die Verleihung der Preise der Augsburger Universitätsstiftung an herausragende Studien von Augsburger Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. Der Forschungspreis der Universitätsstiftung ging in diesem Jahr an die geschichtswissenschaftliche Dissertation "Zwischen Empire und Kontinent. Zur Transformation britischer Außenpolitik im Vorfeld des Ersten Weltkrieges" von Dr. Andreas Rose. Mit den drei Universitätspreisen ausgezeichnet wurden die Habilitationsschrift "Scientia Poetica. Literarische Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie" der Literaturwissenschaftlerin PD Dr. Bernadette Malinowski, die derzeit den Augsburger Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft vertritt; weiterhin die rechtswissenschaftliche Dissertation "Romidee und Rechtsbild in der Spätantike. Untersuchungen zur Ideen- und Mentalitätsgeschichte" von Dr. Peter Johannes Kreutz; und schließlich die Doktorarbeit des Physikers Dr. Nils André Reinke über "Photophysikalische Prozesse und Lichtextraktion in organischen Leuchtdioden".

Auszüge aus den Laudationes auf die vier preisgekrönten Studien sind als Anhang beigefügt.
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Zwischen Empire und Kontinent. Zur Transformation britischer Außenpolitik im Vorfeld des Ersten Weltkrieges

Dissertation von Dr. phil. Andreas Rose / Gutachter: Prof. Dr. Günther Kronenbitter / Philologisch-Historische Fakultät

In seiner Dissertationsschrift setzt sich Andreas Rose mit einem zentralen Thema der internationalen Politik im Vorfeld des Ersten Weltkrieges auseinander. Dabei stellt er nicht, wie so oft in der Forschungsliteratur, die letzten Vorkriegsjahre in den Mittelpunkt, sondern fragt nach den längerfristigen Veränderungen, denen die britische Außen- und Sicherheitspolitik zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterworfen war. In einer brillanten Analyse arbeitet er Faktoren heraus, die dazu führten, dass Außenpolitik auf ein Streben nach absoluter Sicherheit verkürzt wurde. Untersuchungszeitraum ist das Jahrzehnt zwischen dem Ausbruch des Zweiten Burenkrieges und dem Ende der Bosnischen Annexionskrise. Die Wandlung der Leitlinien britischer Außenbeziehungen von einer Politik wechselnder Kooperations- und Konfliktmuster zur engen Bindung an die Zusammenarbeit mit Frankreich und Russland bildet den Untersuchungsgegenstand.

Gestützt auf ein klug gewähltes methodisches Instrumentarium und eine exzellente Kenntnis der Quellen - gerade auch der unpublizierten -, gelingt es Andreas Rose zu zeigen, dass die Ursachen für den Wandel der britischen Außenpolitik großteils in innerbritischen Problemlagen zu suchen sind. Dabei geht er weit über die traditionellen Methoden der Rekonstruktion diplomatischer Entscheidungen hinaus. Innenpolitisches Kalkül, der Druck einer militärpolitischen Lobby und das Zusammenspiel politischer und publizistischer Netzwerke beim Erzeugen und Verfestigen von Feindbildern werden eindrucksvoll dargelegt. Andreas Roses Untersuchung demonstriert die Möglichkeiten einer modernen Politikgeschichte, ohne die eine kritische Auseinandersetzung mit den Ursachen von Krieg und Gewaltherrschaft unmöglich ist.
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Scientia Poetica. Literarische Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie

Habilitationsschrift von PD Dr. phil. habil. Bernadette Malinowski / Gutachter: Prof. Dr. Hans Vilmar Geppert / Philologisch-Historische Fakultät

Die Habilitationsschrift von PD Dr. Bernadette Malinowski kann als bahnbrechendes, zukünftiges Standardwerk bezeichnet werden. Sie verbindet sorgfältig erschlossen und klar durchdacht Wissenschaftstheorie, Wissenschaftsgeschichte, Philosophie, Sprach-, Geschichts- und Literaturtheorie mit weit ausholenden und immer sicheren historischen Überblicken sowie einer vorbildlich genauen, eindringlichen Analyse und Interpretation exemplarischer Texte aus mehreren Literaturen.

Ausgehend v. a. von der Krise und Neubegründung der theoretischen Physik im 20. Jahrhundert werden einerseits etwa hermeneutische und ästhetische Denkformen in den Naturwissenschaften erkundet, andererseits experimentelle, abstrahierende und radikal narrative Verfahren der Literatur dazu in Beziehung gesetzt. Die Scientia Poetica erzählt Naturwissenschaft auf ästhetisch innovative Weise neu. Das wäre - vereinfacht, aber nicht falsch gesagt - die These dieser Arbeit. So werden v. a. auch Wissenschaftsgeschichte und Literaturgeschichte neu und intensiv zusammengeführt. Im Ganzen wird hier in vorbildlich inter- oder besser: "transdisziplinärer" Arbeit ein selbstbewusster, avantgardistischer Dialog der Literatur mit neuerer Naturwissenschaft erforscht und nachgezeichnet.

Die Gutachter Prof. Dr. Hans Vilmar Geppert (Neuere Deutsche / Vergleichende Literaturwissenschaft, Augsburg), Prof. Dr. Gert-Ludwig Ingold (Theoretische Physik, Augsburg), Prof. Dr. Mathias Mayer (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Augsburg), Prof. Dr. Frank-Rutger Hausmann (Romanistik Freiburg) und Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß (Philosophie und Wissenschaftstheorie, Konstanz) haben diese Arbeit einhellig als vorzüglich beurteilt und zur Habilitation in den Fächern "Neuere Deutsche Literaturwissenschaft" und "Vergleichende Literaturwissenschaft" empfohlen.
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Romidee und Rechtsbild in der Spätantike. Untersuchungen zur Ideen- und Mentalitätsgeschichte

Dissertation von Dr. jur. Peter Johannes Kreutz / Gutachter: Prof. Dr. Christoph Becker / Juristische Fakultät

Peter Johannes Kreutz beschäftigt sich mit dem in der integrierenden Funktion des Rechts wurzelnden Selbstverständnis der römischen Gesellschaft. Er macht in seiner Arbeit die Bedeutung sichtbar, welche das System des römischen Rechts für den Bestand des Gemeinwesens hatte, welche Achtung ihm entgegengetragen wurde und welche Kontinuität ihm deshalb nahezu zwangsläufig beschieden sein musste.

Thematik und Gehalte sind von elementarer Bedeutung für die Würdigung der gesamten europäischen Geschichte im Allgemeinen und der europäischen Rechtsgeschichte sowie des aktuellen Bestandes der europäischen Rechtsordnungen im Besonderen. Kreutz gelingt mit einem weitgefassten Blick auf das gesamte antike Quellenspektrum eine im Höchstmaß souveräne und elegante Darlegung von seltener Stringenz. Nach Klärung begrifflicher und historischer Grundlegungen, fußend in der Frühzeit Roms wendet er sich der imperialen Zeit des Übergangs von Spätantike zu Mittelalter zu. Die Arbeit schließt mit dem Ausblick auf die Wirkungen der römischen Rechtsidee seit der Antike.

"Obgleich einem Thema gewidmet, zu dem schon alles gesagt zu sein man glauben könnte, ist die Schrift hoch originell", so der Erstgutachter Prof. Dr. Christoph Becker.
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Photophysikalische Prozesse und Lichtextraktion in organischen Leuchtdioden

Dissertation von Dr. rer. nat. Nils André Reinke / Gutachter: Prof. Dr. Wolfgang Brütting / Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

"Mehr Licht!" - diese Goethe zugeschriebenen Worte wären ein wahrlich treffendes Motto für die Dissertation von Nils Reinke. Denn in seiner Doktorarbeit zum Thema geht es um die Frage, wie man bei gleichem elektrischem Strom mehr Licht aus den Bauelementen herausbekommt.

Gerade in Anbetracht des sich abzeichnenden Klimawandels ist die Energieeffizienz im Beleuchtungssektor eine hochaktuelle Thematik. Ein Ziel ist es daher, die seit über 100 Jahren bekannten Glühlampen, die man unter energetischen Aspekten eher als Wärmequellen bezeichnen müsste, durch effizientere Technologien zu ersetzen. Dabei gewinnt unter dem Schlagwort "Solid State Lighting" eine neue Technologie zunehmend an Bedeutung. Im Wesentlichen wird dabei in einem Festkörper - daher der Name - elektrischer Strom direkt in Licht umgewandelt, wobei Elektronen aus einem angeregten (energetisch höher liegenden) Zustand in ein tiefer liegendes Niveau übergehen. Dieser Prozess funktioniert nicht nur in anorganischen Halbleitern sondern auch mit organischen Molekülen. Im Gegensatz zu ihren anorganischen Pendants sind diese organischen Leuchtdioden großflächig und auf flexiblen Substraten herstellbar. Doch bevor es soweit ist und man leuchtende Tapeten und aufrollbare Fernsehgeräte produzieren kann, von denen Frau Bundesministerin Schavan beim Start der sogenannten OLED-Initiative vor drei Jahren schon träumte, müssen noch eine Reihe von Problemen gelöst werden. Dazu bedarf es solider Grundlagenforschung, wie sie Reinke betrieben hat.

Auch andere Arbeiten Reinkes zeichnen sich durch besondere Originalität aus. Aus ihnen sind neben fünf wissenschaftlichen Publikationen, an denen er als Erst- oder Koautor beteiligt ist, auch ein Patent sowie drei weitere Erfindungsmeldungen entstanden. Auf Grund seiner hervorragenden wissenschaftlichen Qualitäten konnte Reinke noch vor Abgabe seiner Doktorarbeit eine Stelle als Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften antreten, wo er sich neben der Lehre auch weiter mit der Forschung an organischer Elektronik beschäftigt.