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UPD 170A/08 - 14.12.2008

Am 15. Dezember 2008:

Idee und Wirklichkeit der Bayreuther Festspiele

Der Politikwissenschaftler und Wagner-Experte Udo Bermbach im Colloquium Augustanum


Im zweiten Colloquium Augustanum des Wintersemesters 2008/09 präsentiert das Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg am 15. Dezember den Hamburger Politikwissenschaftler und Richard Wagner-Experten Prof. Dr. Dr. h. c. Udo Bermbach. "Bayreuther Festspiele! Idee und Wirklichkeit" lautet der Titel seines Vortrags, in dem Bermbach die Geschichte der Festspiele bis in die Gegenwart hinein reflektiert und fragt, was vom "Mysterium" Bayreuth bleibt. Der Vortrag beginnt um 18.15 Uhr im Hörsaal III des Großen Hörsaaalzentrums (Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg).

Wagners Idee eigener Festspiele für seine Musikdramen entstand um 1850 während der ersten Arbeiten am "Ring des Nibelungen". Mit der sich zunehmend ausweitenden Tetralogie wollte er ursprünglich zeigen, weshalb die überkommene Politik gescheitert war und an ihre Stelle eine "ästhetische Weltordnung" zu setzen sei. Das damit verbundene Konzept des "Gesamtkunstwerks", in dem die einzelnen Künste im Theater miteinander verschmelzen und eine gesteigerte emotionale wie kognitive Aufnahmebereitschaft beim Publikum hervorrufen sollten, ließ sich nach Wagners Überzeugung im klassischen Opernbetrieb nicht realisieren. Er war überzeugt, für die Aufführungen der eigenen Werke auch eines eigenen Theaters zu bedürfen.

Unerwartetes Publikum: die Eliten des Kaiserreichs

Dieser Plan wurde situationsabhängig über Jahre verfolgt und schließlich mit dem Bau und der Eröffnung des Bayreuther Festspielhauses 1876 auch verwirklicht. Dabei musste Wagner an seiner ursprünglichen Idee, Festspiele für ein Publikum zu veranstalten, das revolutionären politischen, gesellschaftlichen und ästhetischen Umbrüchen gegenüber aufgeschlossen war, erhebliche Abstriche machen. Schon die Finanzierung des Festspielhauses zwang ihn zu weitreichenden Kompromissen, und nach der Eröffnung der ersten Festspiele kam ein Publikum nach Bayreuth, an das Wagner ursprünglich nicht gedacht hatte: die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Eliten des Kaiserreiches.

"Hitlers Hoftheater"

Während der Weimarer Republik zog Bayreuth vornehmlich ein nationalistisch und völkisch eingestelltes Publikum an und betrieb damit die geistige Vorbereitung der Machtergreifung Hitlers. Von 1933 bis 1945 war Bayreuth gleichsam "Hitlers Hoftheater" (Thomas Mann). Auch die Wiedereröffnung der Festspiele 1951 stand im Zeichen großer sozialer und ideologischer Kontinuität, die erst in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts allmählich gebrochen wurde.

Einpassung in die bundesrepublikanische Gesellschaft

Nach dem von Patrice Chéreau inszenierten 'Jahrhundert-Ring' von 1976 kam die Wende: mehr und mehr glichen die Festspielbesucher in ihrem sozialen Querschnitt dem der Bevölkerung und mit den neunziger Jahren haben die Festspiele ihre Einpassung in die bundesrepublikanische Gesellschaft vollzogen. Was also bleibt vom "Mysterium" Bayreuth?

Grundlegendes zu Leben und Werk Wagners

Prof. Dr. Dr. h. c. Udo Bermbach, 1938 in Berlin geboren, war von 1971 bis zu seiner Emeritierung 2001 Professor für Politische Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und politische Ideengeschichte an der Universität Hamburg. Von 1975 bis 1977 hatte er den Vorsitz der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) inne, 1975 bis 1979 war er Mitglied im Council der International Political Science Association (IPSA), seit 2006 ist er Ehrendoktor der Universität Budapest ELTE.

Bermbach ist Mitherausgeber der Wagner-Zeitschrift "wagnerspectrum", die er 2005 gründete. Neben zahlreichen politikwissenschaftlichen Publikationen weist Bermbachs Publikationsliste auch eine Reihe grundlegender musikwissenschaftlicher bzw. musikgeschichtlicher Studien zu Leben und Werk Richard Wagners aus, darunter: Der Wahn des Gesamtkunstwerks. Richard Wagners politisch-ästhetische Utopie, Frankfurt/M. 1994; Auf Richard Wagners Spuren, Hamburg 1995; Wo Macht ganz aus Verbrechen ruht. Politik und Gesellschaft in der Oper, Hamburg 1997; "Blühendes Leid". Politik und Gesellschaft in Richard Wagners Musikdramen, Stuttgart/ Weimar 2003; Der Wahn des Gesamtkunstwerks. Richard Wagners politisch-ästhetische Utopie, Stuttgart/Weimar 2004; Opernsplitter. Aufsätze, Essays, Würzburg 2005; Richard Wagner. Stationen eines unruhigen Lebens, Hamburg 2006.

Am 2. Februar 2009: "Mausdreck mit Pfeffer"

Das dritte Colloquium Augustanum des Instituts für Europäische Kulturgeschichte im laufenden Wintersemester wird am 2. Februar 2009 stattfinden. Gastreferent ist PD Dr. Michael Sikora (Münster), der unter dem Titel "Mausdreck mit Pfeffer" zum Problem der ungleichen Heiraten im deutschen Hochadel der Frühen Neuzeit vortragen wird.
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Ansprechpartner:

Dr. Stefan Paulus
Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5843
stefan.paulus@iek.uni-augsburg.de