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UPD 228/09 - 11.12.2009

"... entbehrt nunmehr die Symbolik der Hörsaalbesetzung ihrer Grundlage"

Die Augsburger Universitätsleitung nimmt Stellung zu den am 27. November vorgelegten "Vorläufigen Forderungen der BesetzerInnen der Universität Augsburg" und fordert diese auf, die Besetzung des Großen Hörsaals zu beenden.


Augsburg - Im Auftrag der Universitätsleitung hat heute der für das Ressort Lehre und Studierende zuständige Vizepräsident der Universität Augsburg den seit dem 17. November den Großen Hörsaal (HS I) besetzenden Studentinnen und Studenten eine schriftliche Stellungnahme zu deren am 27. November vorgelegten "vorläufigen Forderungen" übergeben (siehe Anhang). In seinem Begleitschreiben stellt Vizepräsident Wiater fest: "Aus Sicht der Universitätsleitung entbehrt nunmehr die Symbolik der Hörsaalbesetzung ihrer Grundlage. Wir fordern Sie deshalb auf, die Besetzung zu beenden. Sollten Sie den Hörsaal I zeitweilig für Großveranstaltungen (wie z. B. Vollversammlungen) noch weiter nutzen wollen, bedienen Sie sich dafür bitte des üblichen Antragsverfahrens."

Weiterhin wird im genannten Schreiben darauf hingewiesen, dass bereits in der letzten Woche mit Vertreterinnen und Vertretern der Fachschaft Lehramt über den Verbesserungsbedarf bei Modulen und Studienrichtungen sowie über den erhöhten Beratungsbedarf im Lehramtsstudium gesprochen worden sei und dies zu konkreten, lösungsorientierten Initiativen seitens der Universitätsleitung geführt habe. Am kommenden Mittwoch werde in der Sitzung der Kommission für Lehre und Studierende unter Leitung des zuständigen Vizepräsidenten mit den Studiendekanen, den Studentenvertretern der sieben Fakultätsräte, den AStA-Vertretern und zwei Vertretern der streikenden Studierenden sowie mit Mitarbeitern des Prüfungsamts der genaue Optimierungsbedarf in den Bachelor- und Masterstudiengängen ermittelt werden, und darauf aufbauend würden dann studiengangsbezogene Arbeitsgruppen gebildet, die schnellstmöglich Reformvorschläge machen sollen. "Damit", so Wiater, "entspricht die Universitätsleitung den Erwartungen ihrer über 15.000 Studierenden und ebenso Ihren Forderungen als Hörsaalbesetzer, soweit es Forderungen und Erwartungen sind, für die die Universität Augsburg eine Regelungskompetenz hat."
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Anhang: Stellungnahme der Universitätsleitung zu den "Vorläufigen Forderungen der BesetzerInnen der Universität Augsburg"

Zu dem am 27.11.2009 der Universitätsleitung zugestellten Text "Vorläufige Forderungen der BesetzerInnen der Universität Augsburg" nimmt die Universitätsleitung wie folgt Stellung:

Zu "1. Bolognaprozess"

Die Erfahrungen, die mit der Umsetzung des Bologna-Prozesses an der Universität Augsburg seit dem letzten Studienjahr gemacht wurden, bestätigen viele Kritikpunkte der Studierenden. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die Kritik nicht für alle Bachelor- und Masterstudiengänge an der Universität gleichermaßen zutrifft. Hier ist eine differenzierte Sicht erforderlich!

Die Universitätsleitung befürwortet die vom Vorsitzenden der Kommission für Lehre und Studierende begonnenen Gespräche mit Vertretern der modularisierten Lehramtsstudiengänge und der einzelnen Bachelor- und Masterstudiengänge. Im Zusammenwirken mit Studierendenvertretern, Studiengangsverantwortlichen und dem Prüfungsamt sollen schnellstmöglich Optimierungen erreicht werden, die nach Beschluss durch die universitären Gremien dem zuständigen Bayerischen Staatsministerium zur Bewilligung vorgelegt werden sollen.

Ergänzend dazu wird mitgeteilt:

o Dass und ob es bei dieser Diskussion über eine Reform der Bachelor- und Masterstudiengänge zu einer generellen Abschaffung von Pflichtveranstaltungen (außer bei Einführungsveranstaltungen - s. Text) kommen kann, wird von Universitätsseite kritisch gesehen; den Studierenden ist mit einem Bachelor, der nichts über die grundlegenden Inhalte einer studierten Wissenschaftsdisziplin aussagt, nicht gedient.

o Anwesenheitszwang (wie z. B. bei Vorlesungen) gilt seit Einführung der Bachelor-/Masterstudiengänge nicht generell, sondern muss durch die in einer Lehrveranstaltung zu erwerbenden Kompetenzen von Lehrveranstaltung zu Lehrveranstaltung gesondert begründet sein.

o Eine generelle Verlängerung des Bachelor-Studiums auf acht Semester nutzt den Studierenden nicht; sie schadet eher den deutschen Studierenden im europäischen/internationalen Vergleich und bei Bewerbungen. Den Studierenden eine längere Maximalstudienzeit bei Bachelor und Master einzuräumen, ist unterstützenswert.

o Mit den Studierenden, den Studiengangsverantwortlichen und den Vertretern des Prüfungsamts müssen Konzepte erarbeitet werden, die die Vielzahl von Klausuren und Einzelprüfungen reduzieren, andere Prüfungsmöglichkeiten als Klausuren eruieren und Modulprüfungen im eigentlichen Sinne etablieren.

Die Universitätsleitung geht über die Forderungen der Studierenden hinaus, insofern sie sich dafür eingesetzt hat und einsetzt, dass ein Universitätsstudiengang in jedem Fall acht Semester dauern, dabei einen Studienausstieg nach sechs Semestern mit dem Bachelor ermöglichen und allen Studierenden ein Masterabschluss (Master I) nach acht Semestern zustehen soll; ein weiteres Masterjahr (Master II) könnte dann für Weiterstudierwillige und - studierfähige vorgesehen werden.

Zu "2. BaföG"

Zu den Forderungen nimmt die Universitätsleitung nicht Stellung.

Zu "3. Studiengebühren"

Bei der Frage der Studiengebühren legt die Leitung der Universität Augsburg Wert darauf, dass sie zu keinem Zeitpunkt deren Erhebung befürwortet hat und nach deren Einführung die studierendenfreundlichste Regelung zur Vergabe getroffen hat.

Zu "4. Drittmittelabhängigkeit"

Die Universitätsleitung teilt nicht die Meinung, die Drittmittelakquise sei generell abzulehnen.

Zu "5. Verfasste Studierendenschaft & Mitbestimmung"

Die Leitung der Universität Augsburg macht darauf aufmerksam, dass sie auf allen Ebenen den Studierenden Mitsprache- und Anhörungsrechte eingeräumt hat und diese auch stets zur Geltung gebracht hat.

Zu "6. Autonomie der Hochschulen"

Alle Forderungen, die die Sachausstattung, Personalausstattung und die finanzielle Ausstattung der Universität Augsburg verbessern, werden begrüßt. Hinsichtlich der Akkreditierung, deren Kosten und der zusätzlichen Überprüfung der Studiengänge durch das zuständige Staatsministerium nimmt die Universitätsleitung eine kritische Haltung ein.

Zu "7. Organisation des Studiums"

An der Universität Augsburg gibt es bereits berufsbegleitende Studiengänge. Die Einführung eines Teilzeitstudiums wurde an der Universität Augsburg bereits im vorigen Jahr angeregt (siehe LuSt-Kommission), konnte aber bisher noch nicht einvernehmlich beschlossen werden. Das Thema steht aber seitdem auf der Tagesordnung.

Was die Auslandsaufenthalte während des Studiums anbetrifft, so ergibt sich deren Notwendigkeit aus den Anforderungen der jeweiligen Studiengänge.

Die Universität Augsburg ist seit langem bemüht, so wenige NC-Regelungen wie möglich einzuführen; die Aufrechterhaltung akzeptabler Studienbedingungen zwingt in einzelnen Fällen allerdings zu deren Einführung. Über die Alternative "Eingangstests" müssten - auf der Basis der bestehenden rechtlichen Bestimmungen - die Studiengangsverantwortlichen befinden.

9. Dezember 2009

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Zum Download:

http://www.uni-augsburg.de/download/VP_Wiater_an_HS_I-11-12-09.pdf
(Schreiben der Universitätsleitung an BesetzerInnen von HS I vom 11. November 2009)

http://www.uni-augsburg.de/download/Stellungnahme-UL-9-12-09.pdf
(Stellungnahme der der Universitätsleitung zu den Vorläufigen Forderungen der BesetzerInnen der Universität Augsburg vom 9. Dezember 2009)

http://www.uni-augsburg.de/download/Forderungen_der_Besetzer.pdf
(Vorläufige Forderungen der BesetzerInnen der Universität Augsburg vom 27. November 2009)