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UPD 232/09 - 15.12.2009

Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnispreis für Heuss-Briefe-Edition von Dr. Elke Seefried

In dem in der "Stuttgarter Ausgabe" erschienenen Band "In der Defensive" ediert die Augsburger Historikerin knapp 200 Schreiben, die Theodor Heuss zwischen 1933 und 1945 verfasste.


Augsburg/Bonn/Stuttgart - Für ihre 2009 unter dem Titel "In der Defensive" erschienene Edition von Briefen Theodor Heuss' aus der Zeit des NS-Regimes ist die Augsburger Historikerin Dr. Elke Seefried mit dem Preis der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung ausgezeichnet worden. Der Wolf-Erich-Kellner-Preis wird seit 1966 an Arbeiten verliehen, die sich in ausgezeichneter Weise mit der Geschichte und den Grundlagen des Liberalismus beschäftigen.

Der von Elke Seefried bearbeitete Band gehört zur sogenannten "Stuttgarter Ausgabe", einer Gesamtedition von Briefen, Reden, Schriften und Gesprächen Theodor Heuss', die von der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus (Stuttgart) verantwortet wird. Seefried wählte aus etwa 2000 überlieferten Schreiben und Postkarten, die Heuss zwischen 1933 und 1945 verfasste, knapp 200 Dokumente aus, die im Band abgedruckt und kommentiert werden.

Aufschlussreiches zum Verhalten der Liberalen im Dritten Reich

Bei der Preisverleihung, die im Rahmen eines Symposiums der Friedrich Naumann Stiftung in Bonn stattfand, betonte der Vorsitzende des Kuratoriums der Wolf-Erich Kellner-Gedächtnisstiftung, Prof. Dr. Joachim Scholtyseck (Bonn), dass diese Edition wichtiges Material zum Verständnis der Biographie von Heuss, aber auch zum Verhalten von Liberalen im Dritten Reich zur Verfügung stelle. Seefrieds reflektierte Einleitung - von Rudolf Morsey in der FAZ vom 21. August 2009 als "ein eigenständiger Forschungsbeitrag über das Leben und Überleben des schwäbischen Bildungsbürgers 'in der Defensive' 1933 bis 1945, nicht in 'der inneren Emigration'" charakterisiert - wäge das Verhalten von Heuss ab und ordne sein Wirken in die Forschung zum deutschen Liberalismus ein.

Im politischen Abseits bemüht, sich neue Wirkungsfelder zu erschließen

Elke Seefried konturierte in ihrer Dankesrede die spannungsreiche Aufgabe, vor die sich Heuss und auch andere Liberale im NS-Regime gestellt sahen: Man war ins politische und auch soziale Abseits geraten, stand einer zunehmend feindlichen politischen Umwelt gegenüber und war bemüht, sich neue Wirkungsfelder zu erschließen, während sich die Handlungsspielräume kontinuierlich verengten. Sie betonte allerdings auch, dass sich der deutsche Liberalismus schon vor Beginn des "Dritten Reiches" teilweise von seinen parlamentarischen und auch demokratischen Zielen entfernt hatte. Theodor Heuss habe aus der Defensive heraus zu wirken versucht: Der Bildungsbürger habe sich auf die Gefilde der Publizistik zurückgezogen, um eine vergangene bürgerlich-liberale Gegenwelt zum Nationalsozialismus zu zeichnen, aber auch um die politische Entwicklung zumindest verschlüsselt kritisieren zu können; und er bemühte sich, bürgerlich-liberale und demokratische Netzwerke zu erhalten. So konnte er Handlungsspielräume und Grenzen ausloten - Grenzen freilich, die das NS-Regime steckte und die sich immer weiter verengten.

Seefried dankte der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und den Mitgliedern des Editionsbeirats Prof. Dr. Wolfgang Hardtwig, Dr. Hans Peter Mensing, Prof. Dr. Angelika Schaser und Prof. Dr. Andreas Wirsching - letzterem auch dafür, dass er sie als Mitarbeiterin an seinem Augsburger Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte bei der Auswahl der Briefe und bei der Einleitung beraten hatte. Seefrieds Dank galt nicht zuletzt auch den Archiven und Privatpersonen, die die Briefe zur Verfügung gestellt hatten, insbesondere der jüngst verstorbenen Ursula Heuss-Wolff, die die Familienkorrespondenz zugänglich gemacht hatte.
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Theodor Heuss: In der Defensive. Briefe 1933-1945, hg. v. der Stiftung Bundespräsident Theodor-Heuss-Haus, bearbeitet von Elke Seefried, K.G. Saur Verlag, München 2009, 646 S., 39,95 Euro, ISBN 978-3-598-25124-5
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Foto zu dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/de/image106409
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Kontakt:

Dr. Elke Seefried
Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon +49(0)821-598-5927 oder - 5552
elke.seefried@phil.uni-augsburg.de