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UPD 134/10 - 29.06.2010

Zwischen Washington D. C. und Paris nach Lindau

Von seiner Teilnahme an der 60. Nobelpreisträgertagung in Lindau erhofft sich der Augsburger Physik-Student Alexander Wolf Impulse für seinen weiteren Werdegang, die weit über das Fachliche hinausgehen.


Augsburg/Lindau/KPP - 59 Physik-, Chemie- und Medizin-Nobelpreisträger sind seit dem 27. Juni bei der - mittlerweile 60. - Nobelpreisträgertagung in Lindau versammelt, um unter dem Motto "Educate. Inspire. Connect." sechs intensive Tage mit diesmal über 650 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus der ganzen Welt zu verbringen. Zu letzteren zählt in diesem Jahr erneut ein Augsburger Physik-Student: "Bis vor einem Jahr wusste ich noch kaum etwas über diese Tagung. Als ich dann erfuhr, dass ich vom Institut für Physik der Universität Augsburg als Teilnehmer vorgeschlagen und vom Auswahlkomitee akzeptiert worden war, war die Überraschung genauso groß wie die Ehre, als die ich das empfand", sagte Alexander Wolf kurz vor seiner Abreise nach Lindau.

Die hinter "Lindau" stehende Idee sei großartig, meint der 24-Jährige und ist sich sicher: Als junger Wissenschaftler, der noch am Beginn seines Werdegangs stehe, werde man durch die Persönlichkeiten der Nobelpreisträger Impulse erhalten, die weit über die nüchterne tägliche Arbeit am Rechner oder im Labor hinausstrahlen werden. Wolf ist überzeugt, "dass Nobelpreisträger beeindruckende und spannende Lebensgeschichten zu erzählen haben, dass sie Menschen sind, von denen man bei Weitem nicht nur Fachliches lernen kann". Er sei besonders gespannt darauf, wie dort konkret z. B. mit Schlagworten wie "Nachhaltigkeit" oder "Ethik in der Forschung" umgegangen werde. Als Nachwuchswissenschaftler sei es einem nicht so einfach, den eigenen Werdegang in einer unüberblickbar komplexen Forschungswelt selbstbestimmt auch an solchen Kriterien auszurichten. "Ganz abgesehen von diesen Aspekten: Wann hat man schon Gelegenheit, mit so vielen jungen Forscherinnen und Forschern aus der ganzen Welt zusammenzutreffen?", fragt Wolf. Er denke jedenfalls, dass diese einzigartige Konstellation und Atmosphäre der Lindauer Tagung seine Einstellung zur Wissenschaft über viele Jahre hinweg, wenn nicht für immer, mit prägen werde. In der Wissenschaft wolle er nämlich bleiben, "denn diese 'nüchterne tägliche Arbeit am Rechner oder im Labor' macht einen Riesenspaß".

Alexander Wolfs bisheriger Werdegang lässt den Vorsatz, "in der Wissenschaft zu bleiben", als sehr realistisch erscheinen: Nach einem Einser-Abitur und dem Zivildienst in einer Behinderten-Einrichtung, nahm der gebürtige Priener, der neben vier Instrumenten gerne Fußball spielt, 2006 an der Universität Augsburg sein Physik-Studium mit Nebenfach Informatik und kontinuierlichen Ausflügen in die Mathematik und Philosophie auf. Nach dem 1,0-Bachelor-Abschluss am Lehrstuhl für Theoretische Physik III/EKM (Prof. Dr. Dieter Vollhardt) stieg er 2009 in das Physik-Masterprogramm ein. Seither arbeitet er am Lehrstuhl Vollhardt an einem Projekt zu Vielteilchensystemen im Nichtgleichgewicht mit, bei dem es um Fragen der Relaxierung angeregter abgeschlossener Quantensysteme geht. Auf diesem Gebiet hat er zwischendurch vier Monate lang in der ersten Hälfte dieses Jahres auch Erfahrungen an der Georgetown University, Washington D. C., gesammelt. Und für das kommende Wintersemester ist ein Auslandsstudienaufenthalt an der Ecole Normale Superiéure in Paris bereits unter Dach und Fach.
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The Nobel Laureat Meetings at Lindau

Die seit 1951 jährlich stattfindende Nobelpreisträgertagung in Lindau ist in erster Linie dem Austausch der Nobelpreisträger mit Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus der ganzen Welt gewidmet. Letztere werden von einem internationalen Netzwerk "Akademischer Partner" (Universitäten, Akademien, Ministerien, Stiftungen) nominiert und von einem Review Panel der Nobelpreisträgertagung ausgewählt. Mehr zur Tagung unter http://www.lindau-nobel.org.
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Kontakt (ab dem 3. Juli 2010):

Alexander Wolf, B. Sc..
c/o Lehrstuhl für Theoretische Physik III/EKM
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-3711
alexander.wolf@physik.uni-augsburg.de