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UPD 250/10 - 05.12.2010

Die Erfindung des Wertes "Innovation" in der Frühen Neuzeit

Der Passauer Literaturwissenschaftler Michael Titzmann ist am 6. Dezember 2010 Referent in der ersten Veranstaltung des diessemestrigen Colloquium Augustanum.


Augsburg/KPP - "Die Erfindung eines neuen Wertes: 'Innovation' in der Denk- und Mentalitätsgeschichte der Frühen Neuzeit" lautet der Titel des Vortrags des Passauer Literaturwissenschaftlers Prof. Dr. Michael Titzmann, mit dem das Colloquium Augustanum des Instituts für Europäische Kulturgeschichte am 6. Dezember ins Wintersemester 2010/11 startet. Zu diesem Vortrag und zu den drei weiteren, die am 20. Dezember sowie am 24. und 31. Januar folgen, ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Alle Vorträge beginnen um 18.15 Uhr im Bert-Brecht-Hörsaal (HS III des Großen Hörsaalzentrums, Universitätsstraße 10). Der Eintritt ist frei.

Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert finden nicht nur folgenreiche Veränderungen der Wissensbestände der west- und mitteleuropäischen Kultur statt: Vor allem kommt es zu vielfältigen und tiefgreifenden Veränderungen der Art des Denkens selbst, die bis heute relevant sind. Dazu gehört u. a., dass "Neuheit" bzw. Innovation" in unterschiedlichsten Realitätsbereichen - der Kunst, der Technik, der Philosophie und Wissenschaft - zu einem Wert wird.

Von der Aufklärung durchgesetzt

Titzmann geht in seinem Vortrag der Frage nach, wie dieser neue Wert wiederum den historischen Wandel in denjenigen Bereichen legitimiert und befördert, in denen er akzeptiert wird. Anfangs nur von sehr kleinen Eliten getragen, wird der neue Wert im Wesentlichen durch die "Aufklärung" im 18. Jahrhundert durchgesetzt. Der Vortrag konzentriert sich auf den Aspekt der "Innovation" in den Theoriebildungen der Epoche, also vornehmlich der Philosophie und dem, was sich später aus ihr als "Naturwissenschaft" ausgrenzt und emanzipiert.

"Innovation" versus "Autorität" und "Tradition"

Es geht dabei in erster Linie um die denkgeschichtlichen Voraussetzungen, die die Entstehung dieses neuen Wertes ermöglichen. Der Prozess umfasst zwei unterscheidbare, sukzessive Komponenten: erstens das gehäufte Auftreten von "Innovation" überhaupt und zweitens deren Legitimation als positiver Wert. Beide Teilprozesse vollziehen sich notwendig in der Auseinandersetzung mit bisherigen Garanten von Wahrheitsansprüchen wie "Autorität" und "Tradition" und den Institutionen, die sich auf solche Garanten berufen. Durch die Entwicklung neuer Wahrheitskriterien wird danach die intellektuelle Welt eine definitiv andere sein.

Zu Prof. Dr. Michael Titzmann

Geboren 1944; Studium der Germanistik und Romanistik an der LMU München; ab November 1971 wissenschaftlicher Mitarbeiter in Neuerer deutscher Literatur; 1972 Promotion; 1982 Habilitation für das Fach "Neuere deutsche Literatur" an der LMU München; 1983 Erweiterung der Habilitation für das Fach "Allgemeine Literaturwissenschaft" an der LMU München; von 1985 bis zur Entpflichtung im Sommersemester 2009 Professor für Neuere deutsche Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Literaturtheorie an der Universität Passau; 1984 bis 2002: Wissenschaftlicher Beirat für "Literatursemiotik" in der Deutschen Gesellschaft für Semiotik (DGS); 1988 bis 1993 Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Semiotik (DGS).

Die weiteren Vorträge im Colloquium Augustanum

o 20. Dezember 2010
Von Mäusen und Ministern. Der letzte Herzog von Nivernais (1716 - 1798) als Diplomat und Dichter
Dr. Bernd Klesmann (Paris)

o 24. Januar 2010
Das schreibende Ich - Selbstzeugnisse und ihr kulturhistorischer Stellenwert in der Geschichte der Frühen Neuzeit
Prof. Dr. Kaspar von Greyerz (Basel)

o Januar 2011
Ganz unten. Zur Geschichte des Nachtasyls in Glasgow im 19. Jahrhundert
Prof. Dr. Andreas Gestrich (London)