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UPD 256/10 - 13.12.2010

Romanistische Genderstudien

Die weibliche Identität im Werk von Elsa Triolet


Augsburg/CW - Die russisch-französische Schriftstellerin Elsa Triolet (1896 - 1970) erhielt 1945 als erste Frau den Prix Goncourt, die höchste literarische Auszeichnung Frankreichs. Ihrem Werk und ihrer Person widmet sich nun aktuell eine Aufsatzsammlung. Herausgeber der Sammlung ist der Augsburger Romanist Prof. Dr. Thomas Stauder. Unter dem Titel "L'identité féminine dans l'oeuvre d'Elsa Triolet" hat er nicht weniger als 21 französischsprachige Beiträge aus sechs Ländern vereint, die sich aus einer konsequenten Gender-Perspektive dem Werk Triolets nähern. Erschienen ist "L'identité féminine dans l'oeuvre d'Elsa Triolet" im Tübinger Narr Verlag als Band 21 der Reihe 'edition lendemains' zum Preis von 68 Euro.

Elsa Triolet - Russin, Französin, Literatin

Elsa Triolet ist in einer wohlhabenden jüdischen Familie in Moskau aufgewachsen. Schon als Kind beherrschte sie fließend deutsch und französisch. Nach abgeschlossenem Architekturstudium und Heirat mit dem Kavallerieoffizier André Triolet ließ sie sich auf Tahiti nieder. 1921 kehrte sie nach Europa, zunächst nach London, dann Berlin, später Paris zurück. Maxim Gorki ermutigt sie zu ihren ersten schriftstellerischen Schritten. Seit Ende der 20er Jahre mit dem Surrealisten und späteren Kommunisten Louis Aragon liiert, heiratet sie diesen 1939. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebt Triolet in Frankreich, wo sie sich in der Résistance engagiert. Nach beinahe einem halben Jahrhundert kontinuierlicher literarischer Aktivität stirbt sie 1970. Der jetzt vorgelegte Band 'L'identité féminine dans l'oeuvre d'Elsa Triolet', der 21 Beiträge aus sechs Ländern enthält, analysiert das Werk von Elsa Triolet erstmals konsequent aus der Gender-Perspektive. Obwohl Triolet 1945 als erste Frau den prestigereichen Prix Goncourt erhielt, stand sie in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit im Schatten ihres Lebensgefährten Louis Aragon, der sie in zahlreichen berühmt gewordenen Liebesgedichten feierte und sie dadurch in eine eher traditionelle Frauenrolle drängte. Leben und Werk von Elsa Triolet sind jedoch in vielerlei Hinsicht einzigartig: Sowohl während ihrer Jugend in Moskau als auch im Paris der 20er Jahre bewegte sie sich im Kreis der jeweils bedeutendsten Intellektuellen und Künstler der damaligen Zeit (mit einem sehr engen Verhältnis insbesondere zu dem Futuristen Majakovkij). Ihre ersten Romane schrieb sie noch auf Russisch. Erst in den 30er Jahren wechselte sie ins Französische.

Zum Herausgeber: Prof. (i.V.) Dr. Thomas Stauder

Thomas Stauder studierte Germanistik, Anglistik und Romanistik in Erlangen, Canterbury und Siena und promovierte 1992 mit einer komparatistischen Untersuchung über die literarische Travestie in der deutschen, englischen, französischen und italienischen Literatur. Nach der Assistentenzeit in Kiel und Erlangen habilitierte er sich 2002 mit der Studie "Wege zum sozialen Engagement in der romanischen Lyrik des 20. Jahrhunderts (Aragon, Éluard - Hernández, Celaya - Pavese, Scotellaro)". Anschließend lehrte er als Privatdozent in Erlangen sowie als Gastprofessor und Lehrstuhlvertreter an den Universitäten Wien, Innsbruck und Mainz. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Gender Studies und veröffentlichte Aufsätze aus dieser Perspektive u.a. über Marivaux, Rousseau und die Autoren der Romantik (darunter Madame de Staël), Alfred de Musset, George Sand und Simone de Beauvoir (um hier nur französische Beispiele zu nennen). Zuletzt erschienene Bücher: Intellettuali italiani del secondo Novecento (2007, mit Angela Barwig; ausgezeichnet mit dem "Premio Flaiano per l'Italianistica"); Negociando identidades, traspasando fronteras. Tendencias en la literatura y el cine mexicanos en torno al nuevo milenio (2008, mit Susanne Igler); Simone de Beauvoir cent ans après sa naissance. Contributions interdisciplinaires de cinq continents (ebenfalls 2008). Seit Herbst 2009 vertritt Stauder eine Professur für Romanische Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg (Nachfolge Prof. Dr. Thomas M. Scheerer).

Titel, Verlag, ISBN

Thomas Stauder (Hrsg.)
L'identité féminine dans l'oeuvre d'Elsa Triolet, Reihe: 'edition lendemains', Band: 21, 439 Seiten,
Tübingen: Gunter Narr 2010; ISBN: 9783823365631

Kontakt und weitere Informationen:

Prof. (i.V.) Dr. Thomas Stauder
Romanische Literaturwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung Spaniens und Lateinamerikas
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Tel +49 (0)821/598-5654
thomas.stauder@phil.uni-augsburg.de