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UPD 259/10 - 17.12.2010

Colloquium Augustanum an 20. Dezember:

Von Mäusen und Ministern

Dr. Bern Klesmann (DHI Paris) über den letzten Herzog von Nivernais (1716 - 1798) als Diplomat und Dichter


Augsburg/StP/KPP - Ein facettenreiches Bild des europäischen Lebens zwischen Rokoko und Aufklärung verspricht der anstehende Vortrag "Von Mäusen und Ministern" im Colloquium Augustanum des Instituts für Europäische Kulturgeschichte: Der Historiker Dr. Bernd Klesmann vom Deutschen Historischen Institut Paris wird den letzten Herzog von Nivernais (1716-1798) als Diplomaten und Dichter vorstellen. Die Veranstaltung beginnt am Montag, dem 20. Dezember 2010, um 18.15 Uhr im HS III des Großen Hörsaalzentrums (Gebäude C), Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg.

Der Herzog von Nivernais, Nachfahre einer Schwester des Kardinals Mazarin, wirkte nach dem frühen Ende einer Militärkarriere als französischer Gesandter und zeitweiliges Mitglied des königlichen Conseil. Als Autor eines literarischen Werks, dessen größter Teil erst kurz vor seinem Tod in acht Bänden publiziert wurde, prägte er außerdem über Jahrzehnte hinweg die Aktivitäten der Académie française.

Gesprächspartner Benedikts XIV. und Friedrichs des Großen

Klesmann lädt seine Zuhörer ein, den illustren Reisenden auf den verschiedenen Stationen seiner politischen Tätigkeit in Rom, Berlin und London zu begleiten und dabei immer wieder Seitenblicke auf seine Dichtungen, Abhandlungen und Übersetzungen zu werfen. Besonders in seinen für die Pariser Salons geschriebenen Fabeln finden die Erfahrungen des Höflings und Diplomaten, der u. a. mit Papst Benedikt XIV. und Friedrich dem Großen konferierte, ihren literarischen Niederschlag und lassen ein facettenreiches, häufig auch kritisches Bild des europäischen Lebens zwischen Rokoko und Aufklärung entstehen.

Einblicke in die großen Krisen des Ancien Régime

Die Wirren der Revolutionszeit bescherten dem reich begüterten Herzog schließlich eine mehrmonatige Haft in den Kerkern der Terreur, die ihn jedoch nicht daran hinderte, weiterhin seinen literarischen Neigungen nachzugehen und seiner Feder interessante Beobachtungen anzuvertrauen. So gestattet der dilettierende Diplomat dem heutigen Beobachter verschiedene Einblicke in die große Krise des Ancien Régime.

Zum Referenten

Dr. Bernd Klesmann ist Fachreferent für Frühe Neuzeit II (1650 - 1815) am Deutschen Historischen Institut (DHI) Paris. Er studierte Geschichte, Romanistik und Germanistik in Bonn und Brest. Von 2001 bis 2004 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Zürich, anschließend Stipendiat am Institut für Europäische Geschichte in Mainz. 2004 promovierte er an der Universität Zürich bei Prof. Dr. Bernd Roeck mit einer Arbeit über "Formen und Funktionen europäischer Kriegserklärungen des 17. Jahrhunderts". Danach war er bis 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichtswissenschaften der HU Berlin. Schwerpunkte seiner Forschungen sind die Geschichte des Völkerrechts und der internationalen Beziehungen, die Französische Revolution, die Presse- und Mediengeschichte sowie die Kirchengeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts.
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Die weiteren Vorträge im Colloquium Augustanum

o 24. Januar 2010
Das schreibende Ich - Selbstzeugnisse und ihr kulturhistorischer Stellenwert in der Geschichte der Frühen Neuzeit
Prof. Dr. Kaspar von Greyerz (Basel)

o Januar 2011
Ganz unten. Zur Geschichte des Nachtasyls in Glasgow im 19. Jahrhundert
Prof. Dr. Andreas Gestrich (London)
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Kontakt:

Dr. Stefan Paulus
Institut für Europäische Kulturgeschichte
Telefon 0821/598 - 5843
stefan.paulus@iek.uni-augsburg.de