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UPD 201/12 - 27.11.2012                                 Meldung als pdf

Zwei Neuerscheinungen aus dem Augsburger IEK:

Macht und Kommunikation

Neben einem neuen Sammelband mit neun Augsburger Studien zur europäischen Kulturgeschichte ist in der Reihe Colloquia Augustana auch eine Monographie zum gelehrten Briefverkehr des Kardinals Stefano Borgia erschienen.


Augsburg/KPP - Als Band 30 und Band 31 sind in der Reihe "Colloquia Augustana" des Instituts für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg beim Akademie Verlag ein mit "Macht und Kommunikation" betitelter Sammelband mit Studien zur europäischen Kulturgeschichte von neun Augsburger Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern erschienen sowie eine Monographie, in der sich Maria Stuiber, ehemalige Stipendiatin des IEK-Graduiertenkollegs "Wissensfelder der Neuzeit", unter dem Titel "Zwischen Rom und dem Erdkreis" der gelehrten Korrespondenz des Kardinals Stefano Borgia (1731 - 1804) widmet.

Macht und Kommunikation in neuer kulturhistorischer Perspektive

Macht ist nicht nur stets auf Kommunikation angewiesen, um sich durchzusetzen und erhalten zu können, vielmehr ist sie selbst bereits Ergebnis eines kommunikativen Prozesses. Um diesen Zusammenhängen genauer auf die Spur zu kommen, bedarf es einer neuen kulturhistorischen Perspektive. Das Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg ist seit Langem damit befasst, diese Perspektive zu entwickeln und zu erproben.

In dem von Silvia Serena Tschopp und Wolfgang E. J. Weber jüngst beim Akademie Verlag herausgegebenen Sammelband "Macht und Kommunikation" zeigen nun neun Angehörige des Instituts, die aus der Geschichts-, der Literatur- und der Erziehungswissenschaft sowie aus der Theologie kommen, anhand einer Vielfalt von Fallstudien zur europäischen Geschichte von der Antike bis in die neueste Zeit, welche faszinierenden Aspekte auf diese Weise hervortreten können: Es geht um Legitimationsstrategien, um Ansprüche auf höchste Throne, um den Zugang zum Ohr des Königs, um Theorien des kommunikativen Umgangs mit Untertanen, um wissenschaftsdisziplinäre Exklusionen, um Machtzuschreibungen in der Erziehung, um Macht und Ohnmacht in der religiösen Kommunikation und schließlich um literarische Verarbeitungen im Hinblick auf das Todesurteil und den Krieg.

Die neun Beiträge im Einzelnen:

  • Gregor Weber (Alte Geschichte): Mächtige Könige und mächtige Priester? Kommunikation und Legitimation im ptolemäischen Ägypten
  • Wolfgang Kuhoff (Alte Geschichte): Die Versuchung der Macht. Spätrömische Heermeister und ihr potentieller Griff nach dem Kaisertum
  • Lothar Schilling (Geschichte der Frühen Neuzeit): Das Ohr des Königs. Zur Frage der Zugänglichkeit des Monarchen im Frankreich des 16. und frühen 17. Jahrhunderts
  • Wolfgang E. J. Weber (Europäische Kulturgeschichte): "Imprimis Politico necessarium, ut cum hominibus aliquid honoris gradu conversari". Informationelle und kommunikative Dimensionen der deutschen Politikwissenschaft des 17. Jahrhunderts
  • Silvia Serena Tschopp (Europäische Kulturgeschichte): Dilettantismus versus Wissenschaft? Kulturgeschichte und die Formierung der Geschichtswissenschaft als "akademischer Zunft" im späten 19. Jahrhundert in Deutschland
  • Eva Matthes (Pädagogik): Zur Rettung des Landes – Kommunikative Machtzuschreibungen an die Erziehung
  • Bernd Oberdorfer (Evangelische Theologie/Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen): "Sine vi humana, sed verbo". Macht und Aporien der religiösen Kommunikation von Ohnmacht
  • Mathias Mayer (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft): Zur Signatur des Geschichtsdramas: Das Todesurteil bei Schiller, Kleist und Hebbel
  • Marion Schmaus (Neuere deutsche Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt Ethik): Ein "Greulsystem von Worten". Zur sprachlichen Ausweitung des Krieges in Heinrich von Kleists "Hermannsschlacht"

Kommunikationsmöglichkeiten und -grenzen des Mediums Brief am Ende des 18. Jahrhunderts

Zeitgleich mit "Macht und Kommunikation" ist als Band 31 der Reihe "Colloquia Augustana" der Titel "Zwischen Rom und dem Erdkreis" erschienen, in dem die Bamberger Historikerin Maria Stuiber - ehemalige Stipendiatin des Augsburger DFG-Graduiertenkollegs "Wissensfelder der Neuzeit. Entstehung und Aufbau der europäischen Informationskultur" - erstmals umfassend den unveröffentlichten gelehrten Briefverkehr des Kardinals Stefano Borgia (1713 - 1804) erschließt und analysiert.

Rom war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht mehr "caput mundi", aber immer noch Anziehungspunkt für Reisende aus Europa und darüber hinaus. Zum internationalen Flair trugen Institutionen des Heiligen Stuhls wie die weltweit agierende Missionskongregation ihren Teil bei. Einer ihrer Sekretäre - der spätere Kardinal Stefano Borgia - unterhielt in der "urbs" nicht nur einen internationalen und interkonfessionellen Gesprächszirkel, an dem z. B. Johann Gottfried Herder teilnahm, sondern auch ein weltumspannendes gelehrtes Briefnetzwerk: Unter Borgias wichtigsten gelehrten Briefpartnern waren zahlreiche deutschsprachige, protestantische Gelehrte wie etwa Friedrich Münter oder Arnold H. L. Heeren, doch reichten seine Briefverbindungen bis Luanda, Uppsala, Peking und Manila.

Durch die erstmalige Erschließung und Analyse des Briefwechsels Borgias öffnet Maria Stuiber in ihrem Buch "Zwischen Rom und dem Erdkreis" den Blick auf die Kommunikationsmöglichkeiten und die Kommunikationsgrenzen des Distanzmediums Brief in der "Respublica litteraria" am Ende des 18. Jahrhunderts.

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Silvia Serena Tschopp, Wolfgang E. J. Weber (Hg.): Macht und Kommunikation. Augsburger Studien zur europäischen Kulturgeschichte, Colloquia Augustana, Bd. 30, Berlin 2012. 235 S., gebunden, 79,80 Euro, ISBN 978-3-05-006063-7

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Maria Stuiber: Zwischen Rom und dem Erdkreis. Die gelehrte Korrespondenz des Kardinals Stefano Borgia (1731–1804), Colloquia Augustana, Bd. 31, Berlin 2012. 460 S., 22 Abbildungen, gebunden, 99,80 Euro, ISBN 978-3-05-005901-3

 

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