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UPD 210/12 - 06.12.2012

Dr. Kim Lange erhält ein "Fellowship für Innovationen in der Hochschullehre"

Mit 50.000 Euro fördert der Stifterverband das Projekt "Videogestützte Lehr-Lern-Umgebungen" der Augsburger Grundschulpädagogin Dr. Kim Lange, die sich beim Wettbewerb "Innovationen in der Hochschullehre" gegen mehr als 200 konkurrierende Hochschullehrerinnen und -lehrer durchsetzen konnte.


Augsburg/KL/AH/KPP - Zum zweiten Mal haben in diesem Jahr die Baden-Württemberg Stiftung, die Joachim Herz Stiftung und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft insgesamt 15 "Fellowships für Innovationen in der Hochschullehre" vergeben. Eines der fünf vom Stifterverband beigesteuerten und mit jeweils 50.000 Euro dotierten Stipendien geht an die Augsburger Erziehungswissenschaftlerin Dr. Kim Lange. Sie ist Wissenschaftliche Assistentin von Prof. Dr. Andreas Hartinger am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik der Universität Augsburg. Die mit der Auszeichnung verbundenen Mittel dienen der Förderung des Projekts "Aufbau förderdiagnostischer Kompetenzen bei Lehramtsstudierenden der Grundschulpädagogik durch videogestützte Lehr-Lern-Umgebungen", mit dem Kim Lange sich in Konkurrenz zu weiteren 209 Hochschullehrerinnen und -lehrern diesem Innovationswettbewerb gestellt hatte.
 
Kernziel der von Dr. Kim Lange projektierten Innovationsmaßnahme ist die Stärkung der unterrichtsbezogenen Analysekompetenz von Studierenden des Grundschullehramts durch videogestützte Lehr-Lern-Umgebungen. Diese Analysekompetenz - konkret die Fähigkeit, Unterrichtssituationen theoriegeleitet wahrnehmen, analysieren und reflektieren zu können - hat sich bei angehenden Lehrkräften als zentrales Bindeglied für die Übersetzung von theoretischem Wissen in professionelles Handeln und als Prädiktor für den Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern erwiesen.
 
Situative, authentische Lernsituationen

Aktuelle Studien zeigen, dass diese komplexen Kompetenzen in besonderem Maße durch situierte, authentische Lernsituationen gefördert werden. Die hier zugrunde liegende Idee ist, dass die Lernenden nicht zunächst Theoriewissen "auf Vorrat" geliefert wird, das sie dann anschließend umsetzen sollen. Vielmehr erhalten sie zunächst die Aufgabe, die sie bewältigen sollen, und müssen sich dann überlegen, welches Wissen sie dazu benötigen. Wenn sie sich dann das Theoriewissen erarbeiten, dann tun sie dies bereits mit der Anwendungssituation im Blick.
 
Unterrichtsvideos bieten dabei – auch im Vergleich zu Praktika – besondere didaktische Möglichkeiten. Da für die Grundschule in den Inhaltsbereichen Schriftspracherwerb und Sachunterricht kaum zugängliche Unterrichtsmitschnitte existieren, sollen in einem ersten Schritt des Projekts "Videogestützte Lehr-Lern-Umgebungen" passende Unterrichtssituationen gefilmt und auf deren Grundlage Seminare entwickelt werden. Der Fokus liegt dabei auf Situationen, in denen die Diagnose von Schülerleistungen und das Entwickeln adäquater Fördermaßnahmen im Mittelpunkt stehen.
 
Entwicklung förderdiagnostischer Kompetenzen

Besonderer Wert wird dabei auf die Vermittlung und Entwicklung förderdiagnostischer Kompetenzen gelegt, auf die Fähigkeit also, Leistungen, die Kinder– z. B. beim Verschriften eigener Texte oder bei der Erklärung naturwissenschaftlicher Phänomene – im Unterricht erbringen, zu analysieren und daraus angemessene Fördermaßnahmen abzuleiten. Denn hier hat sich gerade im Bereich der Grundschule auch in der Schulpraxis einiges geändert: Neben den klassischen "Proben“ werden immer mehr Lernstandsanalysen durchgeführt. Bei diesen geht es nicht in erster Linie um Bewertungsaspekte, sondern darum festzustellen, was das entsprechende Kind schon kann, was noch fehlt und welche Maßnahmen für das Kind jetzt geeignet wären. Ausgearbeitete Lernstandsanalysen sind eigentlich immer auch schon mit passenden Fördermaßnahmen verbunden. "Allerdings", so Prof. Hartinger, "muss die hinter Lernstandsanalysen stehende Idee auch für die normalen Leistungen im Unterricht gültig sein, und nachdem es hierfür naturgemäß keine vorgefertigten Verfahren gibt, sind die Lehrerinnen und Lehrer also auf ihre eigene Expertise angewiesen, die es zu fördern gilt."
 
Neben der Generierung geeigneter Unterrichtsvideos in den Bereichen Schriftspracherwerb und Sachunterricht, die in Kooperation mit dem Videolabor der Universität Augsburg erfolgen wird, umfasst der erste Schritt des Projekts die Entwicklung von Seminareinheiten zu diesen Unterrichtsvideos und die Evaluation der Maßnahmen durch eine empirische Begleitstudie. Dabei sollen die Videos in den im Augsburger Grundschul-Lehramtsstudiengang verpflichtenden Seminaren "Diagnose und Förderung im Schriftspracherwerb" und "adaptiver Sachunterricht" eingesetzt werden. Im zweiten Schritt wird es dann um die Einbeziehung der Unterrichtsvideos in die Gestaltung von Praktika gehen sowie um die Ausweitung auf andere inhaltliche Bereiche der Unterrichtsbezogenen Analysekompetenz.
 
Gratulation der Universitätsleitung

In einem Gratulationsschreiben bringt Vizepräsident Prof. Dr. Werner Schneider die Freude der Universitätsleitung über den Erfolg von Dr. Kim Lange beim Wettbewerb "Innovationen in der Hochschullehre" zum Ausdruck. Nicht zuletzt werde durch diesen Erfolg auch belegt, "wie wichtig die Verbesserung der Lehre an der Universität Augsburg genommen wird und welches kreative Forschungspotential hierzu bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorhanden ist." Kim Lange betont in diesem Zusammenhang: "Wenngleich das Fellowship offiziell an eine Person gebunden ist - der Antrag ist an unserem Augsburger Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik natürlich in Teamarbeit entstanden. Und mein Dank für die Mitwirkung am Antrag, aber auch an der hinter ihm stehenden Idee gilt hier insbesondere Professor Hartinger, nicht minder aber auch meinen Kolleginnen Susanne Geyer und Eva Sedelke und meinem Kollegen Tobias Tretter."
 
Zur Person: Dr. Kim Lange

Dr. Kim Lange ist seit April 2012 wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik der Universität Augsburg. Zuvor arbeitete sie am Seminar für Didaktik des Sachunterrichts an der Universität Münster, an der sie als Kollegiatin des DFG-Graduiertenkollegs "Naturwissenschaftlicher Unterricht" der Universität Duisburg-Essen 2010 mit einer Arbeit zur Lehrerprofessionalität promoviert hatte. Ihre Dissertation über "Zusammenhänge zwischen naturwissenschaftsbezogenem fachspezifisch-pädagogischem Wissen von Grundschullehrkräften und Fortschritten im Verständnis naturwissenschaftlicher Konzepte bei Grundschülerinnen und -schülern" wurde 2011 mit dem Faraday-Preis der Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (GDSU) prämiert.
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Ausführliche Projektskizze zum Download:

http://www.stifterverband.info/wissenschaft_und_hochschule/lehre/fellowships/fellows_2012/pdf/lange.pdf
 
Kontakt:

Dr. Kim Lange
Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5582
kim.lange@phil.uni-augsburg.de