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UPD 80/2013 - 08.05.2013                                 Meldung als pdf

Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien 2013 an Aladin El-Mafaalani

„BildungsaufsteigerInnen aus benachteiligten Milieus“ stehen im Zentrum der Biografiestudie für die der Sozialwissenschaftler Aladin El-Mafalaani mit dem renommierten Preis zur „Interkulturellen Wirklichkeit in Deutschland“ ausgezeichnet wird. Preisverleihung am 4. Juli 2013 im Goldenen Saal der Stadt Augsburg.


El-Mafaalani__Aladin_updAugsburg/AM – Für seine Dissertation zum Thema „BildungsaufsteigerInnen aus benachteiligten Milieus“ wird der Sozial- und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani als Hauptpreisträger mit dem Augsburger Wissenschaftspreis 2013 für interkulturelle Studien ausgezeichnet. Der Förderpreis geht an die junge Soziologin Jessica Pahl für ihre Masterarbeit „Die Bedeutung des Körpers in interkulturellen Verstehensprozessen“.

 

 

Bild: Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani ist Preisträger des Augsburger Wissenschaftspreises für interkulturelle Studien 2013 (Foto: privat)

 

„Hervorragende Leistungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern, deren Forschung sich mit der interkulturellen Wirklichkeit in Deutschland und den damit zusammenhängenden Fragen und Herausforderungen auseinandersetzt“, zeichnet der Augsburger Wissenschaftspreis alljährlich aus. 1997 wurde der Preis auf Initiative des Gründers des FILL e.V. und späteren Friedenspreisträgers Helmut Hartmann ins Leben gerufen und im folgenden Jahr von ihm und seiner Frau Marianne gestiftet. Seither wird er jährlich vom "Forum Interkulturelles Leben und Lernen (FILL) e. V." gemeinsam mit der Universität und der Stadt Augsburg verliehen, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verstärkt für das Thema "Interkulturelle Wirklichkeit in Deutschland" zu interessieren.

 

„Unwahrscheinliche“ Bildungsaufstiege

In diesem Jahr geht der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis an den Sozial- und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani für seine Dissertationsschrift „BildungsaufsteigerInnen aus benachteiligten Milieus. Habitustransformation und soziale Mobilität bei Einheimischen und Türkeistämmigen“, die er an der Ruhr-Universität Bochum vorlegte.

Nach der Einschätzung der Jury des Augsburger Wissenschaftspreises überzeugt die qualitative Biographiestudie aufgrund ihres innovativen Ansatzes.

In seiner Arbeit untersuchte Dr. El-Mafaalani eher „unwahrscheinliche“ Bildungsaufstiege von aus der Türkei stammenden sowie deutschstämmigen Erwachsenen aus bildungsfernen Milieus in oberste akademische Bildungsränge. Dabei handelt es sich um außergewöhnliche Karrieren in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur. El Mafaalani zeigt sowohl „unterschichts“-spezifische Brüche als auch migrationsspezifische Grenzen, welche die Aufsteiger auf ihrem Weg nach oben überwinden müssen. Er identifiziert unterschiedliche Anpassungs- und Bewältigungsmuster. Talent und Fleiß alleine reichen hier nicht aus, der Bildungsaufstieg erweist sich eher als eine langfristige Herausforderung, die meist durch fördernde „Dritte“ zur richtigen Zeit am richtigen Ort begünstigt wird.

El Mafaalanis Studien zeigen nicht zuletzt, dass allen Bildungsaufsteigern eine grundlegende Wandlung ihres biografischen Musters gemein ist. „Die Beteiligten wechseln die sozialen Räume“ betont der Juryvorsitzende Prof. Nagel.

 

Land der Freiheit, Land der Schuld

Autor der Studie und Preisträger El-Mafaalani selbst ist Vater einer 10-jährigen Tochter. Er wurde 1978 im Kreis Recklinghausen geboren. Seine Eltern kamen in den 1970er Jahren aus Syrien nach Deutschland. In ihren Erzählungen war Deutschland das Land der Philosophie und der Freiheit des Denkens. Im Schulunterricht wurde hingegen die grausame Vergangenheit des Völkermords und der Schuld vermittelt. Diese Diskrepanz bewog El-Mafaalani, sich mit politischen, historischen und soziologischen Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen. In seiner 6-jährigen Tätigkeit als Lehrer im Schuldienst konnte er darüber hinaus eine Sensibilität für die praktischen Problemstellungen im Kontext von Benachteiligung und Migration entwickeln. Vor kurzem hat El-Mafaalani einen Ruf an die Fachhochschule Münster angenommen und ist dort seit 2013 Professor für Politikwissenschaft.

 

Körper und interkulturelles Verstehen – Förderpreis an Jessica Pahl

Den Förderpreis erhält Jessica Pahl für ihre Masterarbeit „Die Bedeutung des Körpers in interkulturellen Verstehensprozessen“, die sie bei Ilse Lenz, Professorin für Geschlechter- und Sozialstrukturforschung an der Ruhr-Universität Bochum vorlegte. Pahl untersuchte die Rolle des Körpers als Medium interkulturellen Verstehens in Schulen des Ruhrgebiets. Sie arbeitete mit Improvisationstheater und  der hermeneutischen Videoanalyse als Methoden der qualitativen Sozialforschung.

Wie entstehen in interkulturellen Kontaktzonen soziale Ordnungen und wie gestalten sich interkulturelle Lebensformen und Begegnungen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen? Dies waren die leitenden Fragen des DFG-Projektes „Interkulturelles Verstehen in Schulen des Ruhrgebietes“, aus welchem Pahls Arbeit hervorging. Gerade an Schulen des Ruhrgebietes mit ihrem hohen Anteil an jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft lassen sich Strategien der Konfliktlösung gut untersuchen. Die Beobachtung dieser Jugendlichen und ihrer Kommunikationsstrategien im interkulturellen Austausch macht den sozialen Wandel in unserer Gesellschaft nachvollziehbar. Pahl beschreibt die Rolle des Körpers bei der aktiven Aneignung von erfahrungsbasiertem Interkulturwissen, bspw. wenn die Schüler während des Ramadan „mitfasten“. Pahls Modell fördert Empathie nicht durch kognitives Wissen, sondern durch Handeln und Körperwissen. Dieser in der  Körpersoziologie bisher unberücksichtigte Aspekt kann als wertvoller Wegweiser zukünftiger Studien dienen.

Jessica Pahl ist 1983 in Essen geboren und aufgewachsen, war nach einer Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum ab September 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt "Interkulturelles Verstehen in Schulen des Ruhrgebiets" am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Seit Oktober 2011 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie an der Technischen Universität Dortmund. Dort bearbeitet sie das DFG-Projekt „Wachkoma“. Als Gitarristin und Organistin in einer Blues-Rockband findet sie einen Ausgleich zu ihren wissenschaftlichen Arbeiten.

 

Verleihung im Goldenen Saal

Die Auswahl der Preisträger übernahm eine hochkarätig besetzte Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Eckhard Nagel, Ärztlicher Direktor Universitätsklinikums Essen und Mitglied des Deutschen Ethikrats. (Anm.: korrigiert am 8.5.13, 17.45 Uhr)

Die festliche Verleihung des Augsburger Wissenschaftspreises für interkulturelle Studien 2013 findet am 4. Juli 2013 durch den Oberbürgermeister der Stadt Augsburg, Dr. Kurt Gribl und die Präsidentin der Universität Augsburg, Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel im Goldenen Saal im Rathaus der Stadt Augsburg statt. Die Würdigung des Preisträgers und der Preisträgerin nimmt der Vorsitzende der Wissenschaftspreis-Jury Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Eckhard Nagel vor.  In einem Podiumsgespräch unter Leitung von Prof. Doering-Manteuffel werden die beiden PreisträgerInnen tieferen Einblick in ihre Denkansätze und Forschungsergebnisse zum interkulturellen Zusammenleben gewähren.

 

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Informationen im Web

Ausschreibungstext Augsburger Wissenschaftspreis 2013: http://www.fill.de/Events%20FiLL/Wissenschaftspreis2013.pdf

FILL e.V. – Forum interkulturelles Leben und Lernen: http://www.fill.de

Die Ausschreibung für den Augsburger Wissenschaftspreis 2014 erfolgt mit gesonderter Pressemitteilung

 

 

Vorsitz: Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Eckhard Nagel
Jury: Peter Grab, Bürgermeister und Kulturreferent der Stadt Augsburg,

Regionalbischof Michael Grabow

Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden, Erziehungswissenschaftlerin, Universität Augsburg

Prälat Dr. Bertram Meier

Prof. Dr. Susanne Popp, Historikerin und Geschichtsdidaktikerin, Universität Augsburg

Prof. Dr. Christoph Weller, Politikwissenschaftler, Universität Augsburg)

Prof. Dr. Armin Nassehi, Soziologe, LMU München

Prof. Dr. Dr. Alexander Brink, Philosoph, Universität Bayreuth

 

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Kontakt für weitere Informationen:

Dr. Anna Magdalena Ruile
Referentin im Präsidialbüro der Universität Augsburg
Universitätsstr. 2
86159 Augsburg

Telefon 0821/598-5104
anna.ruile@praesidium.uni-augsburg.de

 

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Bisherige Trägerinnen und Träger des "Augsburger Wissenschaftspreises für Interkulturelle Studien"

1998: Alfredo Märker, "Zuwanderung in der Bundesrepublik: Universalistische und partikularistische Gerechtigkeitsaspekte", Diplomarbeit, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

1999: Dr. Encarnacíon Gutiérrez Rodríguez, "Jongleurinnen und Seiltänzerinnen - Dekonstruktive Analyse von Biographien im Spannungsfeld von Ethnisierung und Vergeschlechtlichung: Selbstverständnisse, Handlungsstrategien und Verortungsperspektiven weiblicher intellektueller im Kontext der Arbeitsmigration", Dissertation, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M.

2000: Dr. Yasemin Karakasoglu-Aydin, "Religiöse Orientierungen und Erziehungsvorstellungen. Eine empirische Untersuchung an türkischen Lehramts- und Pädagogik-Studentinnen im Ruhrgebiet", Dissertation, Universität-GH Essen

2001: Prof. Dr. Christine Langenfeld, "Integration und kulturelle Identität zugewanderter Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland - eine Untersuchung am Beispiel des allgemeinbildenden Schulwesens", Habilitation, Georg-August-Universität Göttingen

2002: Dr. Gaby Straßburger, "Heiratsverhalten und Partnerwahl im Einwanderungskontext: Eheschließungen der zweiten Migrantengeneration türkischer Herkunft", Dissertation, Universität Osnabrück

2003: Dr. Azra Pourgholam-Ernst, "Das Gesundheitserleben von Frauen aus verschiedenen Kulturen. Frauen und Gesundheit: Eine empirische Untersuchung zum Gesundheitserleben ausländischer Frauen in Deutschland aus salutogenetischer Sicht", Dissertation, Universität Dortmund

2004: P. Dr. Jörg Alt SJ, "Leben in der Schattenwelt. Problemkomplex illegale Migration. Neue Erkenntnisse zur Lebenssituation Illegaler' aus München und anderen Orten Deutschlands", Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin

2005: Dr. Ute Koch, "Die Herstellung und Reproduktion sozialer Grenzen: Roma in einer westdeutschen Großstadt", Dissertation, Universität Osnabrück

2006: PD Dr. Ulrike Bechmann, "Abraham - Beschwörungsformel oder Präzisierungsquelle? Bibeltheologische und religionswissenschaftliche Untersuchungen zum Abraham-Paradigma im interreligiösen Dialog", Habilitation, Universität Bayreuth

2007: Dr. Louis Henri Seukwa, "Kompetenz als Habitus der Überlebenskunst - Zum Verhältnis von Kompetenz und Migration im Spiegel von Flüchtlingsbiographien", Dissertation, Universität Hamburg / Förderpreis: Anne Weibert, "Mediale Integration ethnischer Minderheiten - Vergleich von Lokalberichterstattung über Türken in Deutschland und Hispanics in den USA",Diplomarbeit, Universität Dortmund

2008: Dr. Liliana Ruth Feierstein, "Von Schwelle zu Schwelle: Randgänge(r). Eine Lektüre der Gestualität gegenüber den 'Anderen' aus dem Blickwinkel des jüdischen Denkens", Dissertation, Heinrich Heine Universität Düsseldorf / Förderpreis: Stefan Wellgraf, "Migration und Medien. Wie Fernsehen, Radio und Print auf die Anderen blicken", Diplomarbeit, Europa-Universität
Viadrina Frankfurt/Oder.

2009: Dr. Marc Olivier Thielen, "Wo anders leben? Migration, Männlichkeit und Sexualität in biographischen Erzählungen iranischer Männer in Deutschland", Dissertation, Johann-Wolfgang-Goethe Universität zu Frankfurt am Main / Förderpreis: Olga Krahn, Lokale Identitäten und Gemeinschaft. Beteiligung von Spätaussiedelern an "Soziale Stadt Programmen - dargestellt am Piusviertel in Ingolstadt", Diplomarbeit, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt.

2010: Dr. Riem Spielhaus, Wer ist hier Muslim?, Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin / Förderpreis: Christian Issmer, Der Einfluss von Metaperceptions auf Kontakterfahrungen und Einstellungen im Intergruppenkontext, Diplomarbeit, Philipps-Universität Marburg.

2011: Dr. Kien Nghi Ha, In the Mix. Postkoloniale Streifzüge durch die Kulturgeschichte der Hybridität, Dissertation, Universität Bremen / Darja Klingenberg, Humor in der Migration. Phänomene der Grenzüberschreitung. Funktion und Bedeutung humoristischer Narrative in Alltagskommunikation von Migrantinnen und Migranten, Magisterarbeit, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt.

2012: Dr. Maren Möhring, Ausländische Gastronomie. Migrantische Unternehmensgründungen, neue Konsumorte und die Internationalisierung der Ernährung in der Bundesrepublik Deutschland, Habilitationsschrift, Universität zu Köln / Förderpreis: Michaela Brosig, Neukölln unlimited? Lebenswelten und Handlungsstrategien junger Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund, Magisterarbeit, Freie Universität Berlin.

 

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Pressebilder

El-Mafaalani__Aladin   Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani,
Preisträger des Augsburger Wissenschaftspreises für interkulturelle Studien 2013 (Foto: privat)

 

Pahl__Jessica   Jessica Pahl,
Trägerin des Förderpreis im Rahmen des Augsburger Wissenschaftspreises für interkulturelle Studien 2013 (Foto: privat)