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UPD 215/13 - 02.12.2013                                 Meldung als pdf

Komplett und systematisch erschlossen:

Die lateinischen Osterfeiern des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Knapp 2400-seitige kommentierte Edition der Musikwissenschaftlerin Ute Evers und des Mittelaltergermanisten Johannes Janota soeben bei de Gruyter erschienen


Augsburg/JJ/KPP - "Für mich jedenfalls sind die 'Osterfeiern' nach harten, jahrelangen Projektarbeiten ein wahres Weihnachtsgeschenk", kommentiert der emeritierte Augsburger Mittelaltergermanist Prof. Dr. Johannes Janota das aktuelle Erscheinen des von ihm und der Musikwissenschaftlerin Dr. Ute Evers mit viereinhalbjähriger Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erarbeiteten Werkes "Die Melodien der lateinischen Osterfeiern. Editionen und Kommentare". Die mit dieser Publikation primär adressierten Fachleute aus Literatur-, Musik- und Liturgiewissenschaft finden auf den 2384 Seiten der insgesamt vier Bände alle lateinischen Osterfeiern des Mittelalters komplett und systematisch erschlossen.

Die Augsburger Musikwissenschaftlerin Dr. Ute Evers und Prof. Dr. Johannes Janota, ehemals Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters, konnten jetzt bei De Gruyter, Berlin/Boston, ihre kommentierte Edition der "Melodien zu den lateinischen Osterfeiern" im Druck vorlegen. Das vierbändige Werk ist das Ergebnis eines Projekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über viereinhalb Jahre hinweg finanziert wurde. Es umfasst epochen- und länderübergreifend 378 Osterfeiern vom 10. bis ins 18 Jahrhundert, die aus Italien und Sizilien, Katalonien, Aquitanien, Nordfrankreich, Irland, England, Schweden, Böhmen, Ungarn, Österreich und insbesondere aus Deutschland überliefert sind.

Zahlreiche und teils weitreichende Korrekturen zur bisherigen Forschung

 Das Werk erschließt damit alle in der Forschung bislang bekannten, mit Melodien überlieferten lateinischen Osterfeiern des Mittelalters und der Frühen Neuzeit nach einheitlichen Gesichtspunkten durch Editionen und Kommentare. Auf beiden Ebenen werden Melodie- und Textüberlieferung erstmals als Einheit angesehen. Jede der 378 Feiern ist separat ediert und systematisch kommentiert. Dabei ergeben sich zahllose, z. T. weitreichende Korrekturen zur bisherigen Forschung. Die Ergebnisse der in edierten Osterfeiern zusammengefassten Einzelkommentare bestätigen zwar die herkömmliche, auf Lange, Youg, und de Boor zurückgehende Typeneinteilung dieser Feiern, die Vielfalt der Befunde zeigt aber, dass innerhalb dieser Typisierung erheblich differenziert werden muss. Damit wird das Buch zu einem Grundlagenwerk zur Erforschung der lateinischen Osterfeiern, aber auch zur Erforschung der Melodien zu den volkssprachigen Oster- und Passionsspielen.

Einen alten Wunsch erfüllt

"Mit unserer Edition, so dürfen wir wohl sagen, erfüllt sich ein alter, bis ins 19. Jahrhundert zurückreichender Wunsch der Musik-, Literatur- und Liturgiewissenschaftler", so Janota. Die Bedeutung der vier Bände gehe aber weit über die genannten Disziplinen hinaus. "Denn theaterwissenschaftlich gesehen dokumentieren die lateinischen Osterfeiern die ältesten, über bloße Nachrichten hinausgehenden Aufzeichnungen für das Musiktheater in Europa. Diese Aufzeichnungen geben über die Melodie- und Textüberlieferung hinaus in zahlreichen Fällen teilweise detaillierte Angaben zum 'Bühnenort', zur Raum- und Bewegungsregie oder zur Kostümierung – alles Gesichtspunkte, die wir in den Kommentaren ebenfalls berücksichtigt haben, um zum Weiterforschen einzuladen."

Anschlussprojekt zu Passions- und Osterspielen

Die Perspektiven für aussichtsreiche Forschungsarbeiten, die auf den "Osterfeiern" aufbauen, sind ausgezeichnet. Denn die Ergebnisse dieses Projekts haben die Gutachter der DFG überzeugt, und in einem Anschlussprojekt kann nun in Augsburg eine kommentierte Edition der Melodien zu den lateinischen und volkssprachigen Passions- und Osterspielen, die die Marienklagen in Europa einbezieht, in Angriff genommen werden.

"Wir freuen uns", bekennt Janota, "der Universität Augsburg auf diesem Gebiet in der internationalen Forschung eine Spitzenstellung und darüber hinaus die Voraussetzungen für deren weiteren Ausbau erarbeitet zu haben."

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Ute Evers und Johannes Janota (Hrsg): Die Melodien der lateinischen Osterfeiern, Berlin/Boston:

De Gruyter 2013, 4 Bände, 2384 S., 183 Abb., gebunden oder als eBook 399,– Euro (ISBN 978-3-11-020242-7bzw. 978-3-11-028804-9), Print + eBook 589,– Euro(ISBN 978-3-11-028805-6).

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Kontakt:

Prof. Dr. Johannes Janota
johannes.janota@phil.uni-augsburg.de