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UPD 223/13 - 16.12.2013                                 Meldung als pdf

Am 19. und 20. Dezember:

Aufklärung für Jedermann

Ein internationales Augsburger Kolloquium widmet sich dem bislang vernachlässigten Werk der französischen Aufklärerin und Erzieherin Marie Leprince de Beaumont.


Beaumont-Titelblatt_updAugsburg/SB/KPP - Zu ihren Lebzeiten zählte Marie Leprince de Beaumont (1711 - 1780) zu den wichtigsten Autorinnen und Autoren der Erziehungsliteratur in Frankreich. Davon zeugt eindrucksvoll die Rezeptionsgeschichte ihrer "Magasins". Deren Übersetzungen fanden in weiten Teilen Europas enorme Verbreitung. Trotz des großen zeitgenössischen Einflusses, den die Publizistin dadurch hatte, weist die Forschung zum Leben und zum Werk der vielseitigen Autorin erstaunliche Lücken auf. Um deren Schließung in Angriff zu nehmen, treffen sich gut zwanzig Expertinnen und Experten vorwiegend aus Frankreich und Deutschland, aber auch aus England, den Niederlanden, Spanien und den USA am 19. und 20. Dezember 2013 an der Universität Augsburg zu der Tagung "Marie Leprince de Beaumont –une éducatrice des lumières".

Bild: In ganz Europa weit verbreitet waren die Übersetzungen von Marie Leprince de Beaumonts "Magasin des Enfants". Hier das Titelblatt einer 1767 publizierten deutschen Ausgabe aus der Sondersammlung Cassianeum der Universitätsbibliothek Augsburg.


Die katholische Erzieherin Marie Leprince de Beaumont vertritt Positionen, die sich nur schwerlich in die tradierten ideologischen Raster der französischen Aufklärungsbewegung einordnen lassen. Einerseits zeugt ihr Gesamtwerk von ihrem Glauben an den Fortschritt und an die Möglichkeit, den Menschen zu vervollkommnen. Es fügt sich in jenes aufklärerische Projekt der Divulgierung der verfügbaren Wissensbestände, in das "Wissen für alle"-Postulat, wie es Anliegen der Enzyklopädisten war. Konsequenterweise kämpft sie u. a. für das Recht der Frauen auf Wissen und auf intellektuelle Gleichstellung, sie schreibt also im Brennpunkt der intellektuellen Debatten ihrer Zeit. Andererseits wird Marie Leprince de Beaumont trotz alledem aufgrund ihres Katholizismus bis heute eher der Gegenaufklärung zugerechnet.

"Uns scheinen deshalb Marie Leprince de Beaumont und ihre Schriften erfolgversprechender Anlass zu sein, den tradierten Gegensatz zwischen Aufklärung und Gegenaufklärung, wie er vor allem in der französischen Literaturgeschichtsschreibung nach wie vor aufrechterhalten wird, nachhaltig in Frage zu stellen", erläutert Prof.  Dr. Rotraud von Kulessa den Hintergrund und die Zielrichtung der Augsburger Tagung. Mit rund zwanzig Vorträgen in acht Sektionen zum erzieherischen, romanesken und philosophischen Werk Marie Leprince de Beaumonts und zur Rezeption dieses Werks hoffe man, der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dieser bedeutenden Autorin der europäischen Aufklärung - und mit der europäischen Aufklärung an sich - fruchtbare Impulse geben zu können.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Prof. Dr. Catriona Seth von der Université de Lorraine - mit ihr zusammen verantwortet sie auch den von der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH) geförderten binationalen Masterstudiengang "Les cultures européennes de la communication / Europäische Kommunikationskulturen" - hat Rotraud von Kulessa die anstehende Augsburger Tagung konzipiert und organisiert. Unterstützt werden die Veranstalterinnen von der DFH, vom LIS der Université de Lorraine, von der Maison des Sciences de l'Homme Lorraine (msh) und vom Jakob-Fugger-Zentrum der Universität Augsburg.

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Tagungsort:

Die allen Interessierten zugängliche französisch- und englischsprachigen Tagung findet am 19. Dezember von 9.00 bis 17.30 Uhr und am 20. Dezember von 8.50 bis 13.20 Uhr im Raum 4056 der Philologisch-Historischen Fakultät statt (Gebäude D, Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg).

 

Öffentlicher Abendvortrag: 

Die Keynote zur Tagung steuert am 19. Dezember Prof.  Dr. Nadine Bérenguier von der University of Hamshire im Rahmen eines öffentlichen Abendvortrags bei. Sie spricht zum Thema "Governess and surrogate grandmother: Marie Leprince de Beaumont’s reception in the 18th and 19th centuries." Beginn ist um 18.00 Uhr im Hörsaal 2106 der Philologisch-Historischen Fakultät.

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Tagungshomepage:

http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/romanistik/literaturwissenschaft/colloque_international_dec_2013

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Kontakt:

Prof.  Dr. Rotraud von Kulessa

Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft (Französisch/Italienisch)

Telefon 0821/598-2724
rotraud.kulessa@phil.uni-augsburg.de

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Pressebild zum Download:

Beaumont-Titelblatt   In ganz Europa weit verbreitet
waren die Übersetzungen von Marie Leprince de Beaumonts "Magasin des Enfants". Hier das Titelblatt einer 1767 publizierten deutschen Ausgabe aus der Sondersammlung Cassianeum der Universitätsbibliothek Augsburg

"Der Frau Maria le Prince de Beaumont lehrreiches Magazin für junge Leute, besonders junges Frauenzommer zur Fortsetzung des Magazins für Kinder, nach deutscher Art eingerichtet." Vierter Teil, 1767