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UPD 62/14 - 11.05.2014                                 Meldung als pdf

Noch bis zum 13. Juli 2014 in der Schatzkammer der UB:

«… faire sentir par la lecture des Auteurs le génie & le caractère de la langue Françoise»

Französische Grammatiken und Lehrbücher des 17. und 18. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Augsburg


grammaire_400Augsburg/Sch/KPP - Noch bis zum 13. Juli 2014 zeigen der Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft und die Universitätsbibliothek Augsburg in der Schatzkammer der Zentralbibliothek (Geb. C, Universitätsstraße 22, 86159 Augsburg) die Ausstellung "Französische Grammatiken und Lehrbücher des 17. und 18. Jahrhunderts". Die Exponate entstammen zum überwiegenden Teil der Sondersammlung Oettingen-Wallerstein der Universitätsbibliothek Augsburg. Zahlreiche Texttafeln, die von Studierenden in einem forschungsbezogenen Projektseminar erarbeitet wurden, erläutern die Rolle der einzelnen Autoren und Texte für die französischen Normierungsgeschichte und das französische Sprachbewusstsein bis in die Gegenwart. Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag von 8.30 bis 24.00 Uhr, samstags von 9.30 bis 24.00 Uhr und sonntags von 12.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei

Die Exponate stammen aus den historischen Beständen der Universitätsbibliothek Augsburg, insbesondere aus der Oettingen-Wallersteinschen Sondersammlung. Foto: UB Augsburg

Für die französische Sprache in Frankreich gilt in ganz besonderer Weise, dass sie seit mehreren Jahrhunderten kulturelle Symbolfunktion besitzt, also zu einem zentralen Ort im kulturellen Gedächtnis der Franzosen geworden ist. Diese Symbolfunktion ist an eine Sprachnorm gebunden, die auf der Vorbildrolle klassischer Literaten wie Molière und Racine fußt. Im französischen Sprachbewusstsein ist die klassische französische Literatur bis in die Gegenwart repräsentativ für den "bon usage" - den guten Sprachgebrauch.

Wertvollen Fundus für die sprachhistorische Forschung

Begründet, definiert und beschrieben wird diese Sprachnorm bzw. Modellsprache im 17. und 18. Jahrhundert in zahlreichen Grammatiken, Wörterbüchern und Lehrwerken, die bei der Verbreitung der französischen Sprache in Frankreich und über die Landesgrenzen hinaus eine wichtige Rolle spielen. Der historische Bestand der Universitätsbibliothek Augsburg, insbesondere die Oettingen-Wallersteinsche Sammlung, beherbergt eine Reihe der wichtigsten Dokumente französischer Sprachnormierung dieser Zeit und damit einen wertvollen Fundus für die sprachhistorische Forschung.

Im Wintersemester 2013/14 haben sich Studierende in einem forschungsbezogenen Projektseminar unter Leitung von Prof. Dr. Sabine Schwarze (Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft) und ihrer Mitarbeiterin Estelle Adeline Meyer eingehend mit diesen Texten und deren Rolle für die französische Sprach- und Kulturgeschichte beschäftigt. In Zusammenarbeit mit Dr. Peter Stoll, der in der UB Augsburg für den Bereich Handschriften und Alte Drucke zuständig ist und das Ausstellungsreferat leitet, entstand die Konzeption der vorliegenden Ausstellung, deren Realisierung von der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg e. V. unterstützt wurde.

Die Ausstellung gibt einen Einblick in das Lehrmaterial, das für den Französischunterricht in der Zeit der Normierung des "bon usage" entwickelt wurde. Sie vermittelt anhand zahlreicher Texttafeln Erklärungen zur Rolle der einzelnen Autoren und Texte für die französischen Normierungsgeschichte und das französische Sprachbewusstsein bis in die Gegenwart. Von besonderem Interesse sind mehrere Ausstellungsstücke, an denen sich historische Methoden der Vermittlung des Französischen als Fremdsprache vorführen lassen. Noch im Monat Mai 2014 wird ein Katalog zur Ausstellung in deutscher und französischer Sprache erscheinen.

"… faire sentir par la lecture des Auteurs le génie & le caractère de la langue Françoise"

Der Titel der Ausstellung ist ein Zitat aus dem Kapitel "L‘Étude de la Langue Françoise" der Abhandlung "De la manière d'enseigner et d'étudier les belles lettres par rapport à l'esprit et au cœur". Der über die französischen Landesgrenzen hinaus berühmte Historiker und Rhetoriker Charles Rollin empfiehlt dort im Jahr 1726 jungen Leuten die französische Sprache über die Lektüre der guten Autoren zu vermitteln. Der Französischunterricht solle jedoch, so der Autor gemäß den didaktischen Gepflogenheiten seiner Zeit, erst nach dem Erwerb von Grundkenntnissen in Griechisch und Latein und dann zunächst über ein vergleichendes Textstudium erfolgen: "Quand ils auront quelque teinture des langues Grecque & Latine, ce sera le tems pour-lors de leur faire sentir par la lecture des Auteurs le génie & le caractère de la langue Françoise, en la leur faisant comparer avec ces premières." (Rollin 1726, 92)

CIRCULA-Partnerin aus Cambridge hielt den Eröffnungsvortrag

Zur Eröffnung der Ausstellung war am 7. Mai Prof. Wendy Ayres-Bennet aus Cambridge nach Augsburg gekommen, um mit dem Vortrag "From Remarks to Rules: The Codification of Classical French" ins Thema einzuführen. Ayres-Bennet lehrt an der University of Cambridge Französische Philologie und Linguistik, Französische Sprachgeschichte und Historische Soziolinguistik. Sie ist Gründungsmitglied des in Augsburg 2013 ins Leben gerufenen und von Schwarze koordinierten Forschungsnetzwerks CIRCULA (Circulation et transmission d’idéologies linguistiques dans les médias de langue romane), das vom Jakob-Fugger-Zentrum der Universität Augsburg gefördert wird.

Ansprechpartnerin:

Estelle Meyer

Telefon +49(0)821-598-5741

estelle.meyer@phil.uni-augsburg.de

http://www.philhist.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/romanistik/sprachwissenschaft/