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UPD 95/15 - 03.06.2015                                 Meldung als pdf

Religion als Ressource für politische Integration von Migranten aus Afrika

Der Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien 2015 geht an Dr. Miriam Schader für ihre Dissertation über die religiöse und politische Beteiligung von afrikanischen Migranten / Den Förderpreis erhält Felix Maas für seine Masterarbeit über Integrationsdiskurse und -politik / Preisverleihung am 30. Juni 2015 im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses


Augsburg/EN/MH– Der Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2015 geht – mit 5000 Euro dotiert – an die Sozialwissenschaftlerin Dr. Miriam Schader. Sie erhält die Auszeichnung für ihre Dissertationsschrift über „Religion als politische Ressource? Die religiöse und politische Beteiligung afrikanischer Migranten in zwei europäischen Großstädten“. Den mit 1500 Euro dotierten Förderpreis erhält in diesem Jahr Felix Maas für seine an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg eingereichte Masterarbeit über „Integrationsdiskurs und Integrationspolitik im Kontext der Stadt“ . Preisverleihung ist in diesem Jahr am 30. Juni – wie immer um 19.00 Uhr im Goldenen Saal des Rathauses der Stadt Augsburg, die den 1998 vom Stifter-Ehepaar Helmut und Marianne Hartmann initiierten Preis alljährlich gemeinsam mit der Universität Augsburg und dem Augsburger Forum Interkulturelles Leben und Lernen (FILL) e. V. vergibt.

Die diesjährige Hauptpreisträgerin des Augsburger Wissenschaftspreises für interkulturelle Studien, Dr. Miriam Schader, arbeitet derzeit in einer Nachwuchsforschungsgruppe zum Thema „Religiöse Pluralität als Herausforderung für Religionen und Gesellschaften“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und engagiert sich bei dem internationalen Friedensdienst Eirene e.V.. Die Sozialwissenschaftlerin hat ihre binationale Dissertation in einem kooperativen Verfahren der Georg-August-Universität Göttingen und des Institut d’Etudes Politiques in Paris verfasst. In ihrer interdisziplinär angelegten Arbeit, die Migrations- und Stadtforschung mit Politik- und Religionswissenschaft zusammenbringt, untersucht Miriam Schader vergleichend die Rolle von Religion als Ressource für die politische Beteiligung christlicher und muslimischer Migrantinnen und Migranten aus Sub-Sahara-Afrika in Berlin und Paris. Während Religion in der öffentlichen Meinung oft als Hindernis für eine demokratische Partizipation von Migrantinnen und Migranten gesehen wird, fragt sie nach den unterstützenden Elementen von Religion für politische Mobilisierung.

Neben einem Vergleich der französischen und deutschen Rahmenbedingungen von Einwanderung, Integration und Religionspolitik erfasst und kategorisiert die Arbeit die unterschiedlichen säkularen und religiösen afrikanischen Organisationen und bietet eine Analyse ihrer jeweiligen Netzwerke. Sie kommt zu dem Schluss, dass Migranten und Migrantinnen ihre Religion tatsächlich als Ressource für politische Partizipation nutzen können – wobei dies für Christen eher möglich ist als für Muslime und dies eher in Berlin als in Paris. Maßgeblich für die Nutzung der Ressourcen sind die jeweiligen Organisationsstrukturen.

„Über die politische Integration von Muslimen ist in letzter Zeit viel geschrieben worden. Was bislang fehlte, war ein Vergleich mit anderen Religionsgemeinschaften und inwieweit Religion als demokratische Ressource wirken kann“ erläutert der Vorsitzende der Jury, Prof. Dr. Nagel.

Erzählmuster der Integrationsdiskussion in Dortmund und Frankfurt am Main

Den mit 1500 Euro dotierten Förderpreis erhält der Politikwissenschaftler Felix Maas für seine Masterarbeit mit dem Titel „Integrationsdiskurs und Integrationspolitik im Kontext der Stadt“, die er an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg eingereicht hat.

Seine – ebenfalls vergleichend angelegte – Studie befasst sich mit den Integrationskonzepten der beiden Städte Dortmund und Frankfurt am Main. Trotz  einheitlicher Empfehlungen der Spitzenverbände im Rahmen des nationalen Integrationsplans sind in den beiden Städten sehr unterschiedliche gesamtstädtische Integrationskonzepte entstanden. Felix Maas untersuchte Plenarprotokolle und Medienberichte.  In beiden Städten sind identitätsstiftende Erzählmuster zu finden: das ökonomische, das Leitkultur- und das Menschenrechtsnarrativ. Während in Dortmund alle drei Narrative gleichermaßen vorzufinden sind, dominiert in Frankfurt das ökonomische Erzählmuster. Integrationspolitische Ziele lassen sich in Frankfurt dann gut formulieren, wenn eine Rückbindung an dieses ökonomische Narrativ gewahrt bleibt. In Dortmund hingegen ist die Integrationspolitik geprägt von der Mobilisierung einer Gemeinschaftsvorstellung auch in Bezug auf das durch Strukturwandel geteilte Schicksal mit anderen Städten des Ruhrgebiets. 

Felix Maas ist seit April 2015 als Stipendiat am Graduiertenkolleg "Innovationsgesellschaft heute: die reflexive Herstellung des Neuen" am Institut für Soziologie der TU Berlin tätig.

Feierliche Preisverleihung am 30. Juni 2015 im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses

Dr. Miriam Schader und Felix Maas werden ihre Auszeichnungen am 30. Juni 2015 im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses entgegennehmen. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Stefan Kiefer und einem Grußwort der Journalistin Angela Bachmair als Repräsentantin von FILL e. V. wird Professor Nagel als Jury-Vorsitzender die Preisträgerin und den Preisträger würdigen. Im Anschluss an ihre Dankesworte werden sich die beiden dann in einem Podiumsgespräch mit der Ethnologin und Präsidentin der Universität Augsburg, Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, äußern.

Der Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien

Der 1998 von Helmut und Marianne Hartmann gestiftete Augsburger Wissenschaftspreis für interkulturelle Studien wird seither jährlich von der Universität Augsburg gemeinsam mit der Stadt Augsburg und dem Augsburger "Forum Interkulturelles Leben und Lernen (FILL) e. V." verliehen – mit dem Anliegen, junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Auseinandersetzung mit dem Thema "Interkulturelle Wirklichkeit in Deutschland” zu motivieren.

Über die Preisträger 2015 hat unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. Eckhard Nagel, Mitglied des Deutschen Ethikrats sowie Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums, eine elfköpfige Jury entschieden. Ihr gehörten an: die Journalistin Angela Bachmair, der Bayreuther Philosoph Prof. Dr. Alexander Brink, Reiner Erben, Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Migration der Stadt Augsburg, Regionalbischof Michael Grabow als Vertreter der evangelischen Kirche, die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden (Universität Augsburg), Prälat Dr. Bertram Meier als Vertreter der katholischen Kirche, die Juristin Prof. Dr. Christine Langenfeld (Universität Göttingen), der Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi (LMU München), die Historikerin Prof. Dr. Susanne Popp (Universität Augsburg) und der Friedens- und Konfliktforscher Prof. Dr. Christoph Weller (Universität Augsburg).

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Kontakt für weitere Informationen:

Dr. Anna Magdalena Ruile
Referentin im Präsidialbüro der Universität Augsburg
Telefon 0821/598-5104
anna.ruile@praesidium.uni-augsburg.de

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 Anlage 1: Ausschreibung für den Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2016

Eingereicht werden können wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten, die nicht länger als zwei Jahre vor dem jeweils aktuellen Bewerbungsschluss an einer deutschen Universität vorgelegt wurden. Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis wird für Dissertationen oder Habilitationsschriften vergeben, der Förderpreis in Höhe von 1.500 Euro für Master-, Diplom-, Magister- oder Staatsexamens-Arbeiten. 

Bewerbungen sind durch eine/n der betreuenden HochschullehrerInnen mit zwei Exemplaren der Arbeit (in Druckform), einer von der Bewerberin/dem Bewerber erstellten max. vierseitigen Zusammenfassung der Studie (hinsichtlich der Kriterien 1. Motivation, 2. gesellschaftliche Relevanz, 3. Methode, 4. Ergebnisse), den beiden Gutachten der BetreuerInnen (in Kopie) und einem Lebenslauf sowie einem Foto (digital und ein Ausdruck) der Bewerberin/des Bewerbers einzusenden an das Präsidium der Universität Augsburg, Universitätsstr. 2, 86159 Augsburg.

Über die Vergabe des Augsburger Wissenschaftspreises für Interkulturelle Studien entscheidet eine Jury, die sich aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Augsburg und anderer Universitäten sowie aus Vertretern des FILL e.V. und der Stadt Augsburg zusammensetzt. Beide Preise werden bei einer akademischen Festveranstaltung jeweils im Sommersemester im Goldenen Saal des Rathauses der Friedensstadt Augsburg verliehen.

Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2015