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UPD 158/16 - 16.11.2016                                 Meldung als pdf

Die Geschichte der Kunstgeschichte und das Bild jenseits der künstlerischen Gestaltung

Ein Nachruf auf die Augsburger Kunsthistorikerin und Bildwissenschaftlerin Gabriele Bickendorf (10. August 1953 – 12. November 2016)


Bickendorf-offiziell-idwAugsburg/RB/KPP - Seit 2003 war sie Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Philologisch-Historischen Fakultät, am 12. November 2016 ist die profilierte Kunsthistorikerin und Bildwissenschaftlerin im Alter von 63 Jahren verstorben: Die Universität Augsburg trauert um Prof. Dr. Gabriele Bickendorf. "Mit ihr verlieren die Universität Augsburg und die Kunstgeschichte in Deutschland eine national und international hochgeschätzte Wissenschaftlerin. Mich persönlich", so Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, "schmerzt gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen an unserer Philologisch-Historischen Fakultät darüber hinaus der Verlust einer kritisch-kompetenten und ebenso engagierten wie kreativen Mitstreiterin im gemeinsamen Bemühen, unseren Geisteswissenschaften durch zeitgemäße, sinnvolle Vernetzung im Inneren und nach Außen eine erfolgreiche Zukunft zu sichern."

Bild: Prof. Dr. Gabriele Bickendorf war seit 2003 Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte/Bildwissenschaft an der Universität Augsburg. Am 12. November 2016 ist sie im Alter von 63 Jahren verstorben. Archivfoto (2005): privat

Gabriele Bickendorf studierte in Heidelberg, wo sie 1983 mit einer fachgeschichtlichen Dissertation über Gustav Friedrich Waagen promoviert wurde. 1997 erfolgte die Habilitation über "Die Historisierung der italienischen Kunstbetrachtung im 17. und 18. Jahrhundert" an der Freien Universität Berlin. Nach einer Vertretungsprofessur in Freiburg und einer Oberassistenz an der Technischen Universität Berlin nahm sie 2002 den Ruf an die Universität Augsburg an.

Als Forscherin prägte Gabriele Bickendorf den Blick auf die Geschichte der Kunstgeschichte Deutschlands und Italiens maßgeblich. In der Lehre nutzte sie die Beschäftigung mit der historischen Erforschung insbesondere der italienischen Kunst der Frühen Neuzeit zu Seminaren, die auf tiefgründige Weise das methodische Spektrum der Kunstgeschichte als akademischer Disziplin reflektierten.

Neben dem „Standbein“ der Fachgeschichte bezeichnete sie die Beschäftigung mit der Moderne und insbesondere mit der amerikanischen Nachkriegsmoderne als ihr „Spielbein“. So hat Gabriele Bickendorf neben ihren Schriften zur Berliner Schule und zur italienischen Kunstgeschichtsschreibung nach Vasari, die heute Standardwerke sind, auch Aufsätze zum Abstrakten Expressionismus und zu den europäischen Avantgarden nach 1945 publiziert. Auch diese Gegenstandsbereiche prägten ihre Lehre und waren das Thema von Vorlesungen und Seminaren.

Aus der Perspektive der Forschung sowohl zur Frühen Neuzeit als auch zur Moderne begrüßte Gabriele Bickendorf nachdrücklich eine methodische Öffnung ihres Fachs gegenüber Bildern jenseits der künstlerischen Gestaltung und regte konsequenterweise die Umbenennung ihres Lehrstuhls in Lehrstuhl für Kunstgeschichte/Bildwissenschaft an. Selbst trug sie dieser Erweiterung des Themenspektrums u. a. mit Lehrveranstaltungen zur Geschichte der Fotografie Rechnung.

Als Lehrstuhlinhaberin vermochte Gebriele Bickendorf den Standort Augsburg für die Kunstgeschichte wesentlich zu stärken. Insbesondere ihr Einsatz für die Einbindung der Universität Augsburg in den durch das Elitenetzwerk Bayern geförderten Masterstudiengang "Historische Kunst- und Bilddiskurse"  – später "Aisthesis. Historische Kunst- und Literaturdiskurse" – trug zur Vernetzung der Augsburger Lehre mit nationalen und internationalen Instituten bei. Entscheidend wirkte sie überdies im inneruniversitären Zusammenschluss des Fächerverbunds von Kunstgeschichte, Archäologie, Ethnologie und Musikwissenschaft unter einer kulturhistorischen Orientierung mit, ebenso an der Gründung der Augsburger Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenschaften, deren erste Sprecherin sie war.

Mit den zahlreichen Dissertationen, die Gabriele Bickendorf in Augsburg betreute, bleibt die Erinnerung an eine Wissenschaftlerin verbunden, die in Seminaren und Kolloquien den Weg für den wissenschaftlichen Nachwuchs geöffnet und dessen Forschungen mit ebensoviel Scharfsinn wie Esprit begleitet hat.

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Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 23. November 2016, um 12.45 Uhr
auf dem Münchner Nordfriedhof statt (Ungererstraße 130, 80805 München).

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Pressebild zum Download:

Bickendorf-offiziell-idwProf. Dr. Gabriele Bickendorf war seit 2003 Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte/ Bildwissenschaft an der Universität Augsburg. Am 12. November 2016 ist sie im Alter von 63 Jahren verstorben. Archivfoto (2005): privat