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UPD 172/16 - 01.12.2016                                 Meldung als pdf

Die bayerischen Kommerzienräte

Neuerscheinung gibt erstmals umfassenden Einblick in die Wirtschaftselite Bayerns während der letzten Jahrzehnte des Königreichs und während der Weimarer Republik


KommerzienhimmelAugsburg//KPP – Die Kommerzienräte bildeten einst die Elite der bayerischen Wirtschaft. Obwohl sie Politik, Gesellschaft und Kultur nachhaltig mitbestimmten und mitprägten, waren sie als maßgebliche Wirtschaftsbürger Bayerns bislang kaum Gegenstand der historischen Forschung. Diese Lücke schließt jetzt der 848-seitige Band "Die bayerischen Kommerzienräte. Eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928", der – herausgegeben von der Augsburger Landeshistorikerin Prof. Dr. Marita Krauss – soeben im Volk Verlag erschienen ist.


„Zur Vollendung der 3000sten Locomotive in der Locomotivenfabrik Krauß & Comp. Actien-Gesellschaft München und Linz a. d. D.“ - Schmuckblatt mit Porträt des Firmeninhabers Kommerzienrat Georg von Krauß, 1894. © Kraussmaffei Technologies München

Der Ehrentitel "Kommerzienrat", später dann auch "Geheimer Kommerzienrat", wurde 1880 unter Ludwig II. neu eingeführt. Mit der Weimarer Verfassung wurden solche Titelverleihungen zunächst abgeschafft, in Bayern jedoch 1923 zunächst und bis zu einem Reichsgerichtsurteil von 1928 wieder aufgenommen. Zwischen 1880 und 1928 erhielten insgesamt 1.850 bedeutende Wirtschaftsbürger diesen Titel, darunter als einzige Frau Lina Pfaff, Nähmaschinenfabrikantin aus Kaiserslautern. Der prestigeträchtige Titel wurde auf Vorschlag und nach Bewertung durch verschiedene staatliche Instanzen vergeben. Zu den Ausgezeichneten gehörten die großen Münchner Bierbrauerdynastien, jüdische Hopfenhändler aus Fürth, Bankiers aus Augsburg, Spielwarenhändler aus Nürnberg und Porzellanhersteller wie Hutschenreuther oder Rosenthal aus Selb.

"Die zu den Kommerzienräten erhaltenen Akten ermöglichen uns heute einen spannenden Blick auf die Wirtschaftselite von einst, auf ihre Verbindungen zur Politik, ihren Umgang mit Arbeitern, ihre sozialen und kulturellen Aktivitäten, ihr Repräsentationsbedürfnis und die Summen ihrer philanthropischen Stiftungen", so die Herausgeberin Marita Krauss, an deren Augsburger Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte das Buch im Laufe eines mehrjährigen Projekts unter Mitwirkung auch von Studentinnen und Studenten entstanden ist.

Fundgrube für die weitere wirtschaftsgeschichtliche Forschung

In über 35 mit zahlreichen bislang unveröffentlichten Fotografien und aufschlussreichem Kartenmaterial angereicherten Aufsätzen wirft der Band ein neues Licht auf die bayerische Wirtschaftsgeschichte und gewinnt seinen Wert nicht zuletzt aus einem umfangreichen Lexikonteil mit 1.850 Kurzbiografen. "Diese Unternehmerprofile", so Krauss, "zeigen ein bemerkenswertes Spektrum bisher unterschätzter bayerischer Wirtschaftsentwicklung, sie sind eine wahre Fundgrube für die weitere Forschung."

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Publikation:

Marita Krauss (Hrsg.), Die bayerischen Kommerzienräte. Eine deutsche Wirtschaftselite von 1880 bis 1928, Volk Verlag, München 2016, 848 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 69,- Euro, ISBN 978-3-86222-216-2

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Kontakt:

Prof. Dr. Marita Krauss
Telefon 0821/598-5643
marita.krauss@philhist.uni-augsburg.de

http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/geschichte/bayerische/mitarbeiter/krauss/