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UPD 102/17 - 19.06.2017                                 Meldung als pdf

Schafe weiden auf der Uni-Heide

Universität setzt Zeichen für Naturschutz und die ökologisch hochwertige Gestaltung von auf dem Campus / Schaf-Infopoint am 20. und 21. Juni



Schafe grasen die Uni-Heide vor dem WZU auf dem Campus der Universität ab. Foto: Pressestelle Universität AugsburgAugsburg/IR/MH - Ab dem 19. Juni weiden für einige Tage Schafe auf der rund 500m² großen Lechschotter-Heide, die an der Universität Augsburg auf dem Außengelände des Wissenschaftszentrums Umwelt (WZU) vor vier Jahren angelegt wurde. Die Beweidung ist eine natürliche Form der Landschaftspflege, die nachhaltiger ist als maschinelles Mähen und die biologische Vielfalt besser erhält. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Didaktik der Biologie und des Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg, der CityFarm Augsburg sowie des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg.

Bild: Auf der 2013 angelegten Lechheide vor dem Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg weiden für einige Tage Schafe, um diese zu "mähen". Dies ist ein Form für die natürliche Form der Landschaftspflege, die vielleicht auch auf weitere Flächen des Campus ausgedeht werden könnte. Foto: Universität Augsburg

Im Jahr 2013 wurden die Grünanlagen des WZU renaturiert und eine Lechschotter-Heide angelegt. Mittlerweile ist die sogenannte „Uni-Heide“ ein lokal bedeutsamer Ersatzlebensraum für viele typische Tier- und Pflanzenarten der Lechheiden, wie Gekielter Lauch oder Zittergras. Um den ökologisch wertvollen Lebensraum weiterzuentwickeln, soll dieser in Zukunft unter naturschutzfachlichen und kulturhistorischen Aspekten von Schafen gepflegt werden. Die „lebenden Rasenmäher“ gehören zu einer ca. 20-köpfigen Schaf- und Ziegenherde der CityFarm Augsburg und arbeiten im Auftrag des Landschaftspflegeverbands auch schon im Norden Augsburgs bei der Pflege eines Biotops am Gablinger Weg mit.

Es handelt sich bei den vier in diesem Jahr beim WZU eingesetzten Tiere um „Ostpreußische Skudden“, eine der ältesten und Deutschlands kleinste Hausschaf-Rasse. „Es gibt von ihr nur noch 1000 bis 2000 reinrassige Tiere und sie stehen auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen“, erläutert Ildikó Reményi-Vogt, Mitbegründerin der CityFarm und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Didaktik der Biologie. „Zu Besuch auf der Uni-Heide sind in diesem Jahr ein Bock, zwei Mutterschafe und ein Lämmchen vom Januar.“

„Um Biotopflächen offen zu halten, bevorzugen wir – wo immer es geht – die Beweidung“, sagt Norbert Pantel, zuständig beim Landschaftspflegeverband für das Projekt „Weidestadt Augsburg“, „Nahezu alle offenen Lebensräume, die heute Bestandteil der Landschaftspflege in der Region Augsburg sind, entstanden durch jahrhundertelange Beweidung.“

„Wenn die in diesem Jahr erstmals stattfindende Beweidung erfolgreich verläuft, sollen die Flächen in Zukunft jährlich beweidet werden,“ erläutert Dr. Jens Soentgen, wissenschaftlicher Leiter des WZU, „außerdem möchten wir mit der Schafbeweidung an unserem Gebäude ein Zeichen für den Naturschutz und die ökologisch hochwertige Gestaltung von Freiflächen an der Universität setzen. Wir hoffen, dass in Zukunft vielleicht auch weitere Flächen an der Universität in die Beweidung mit einbezogen werden können, denn auf staatlichen Flächen sollte – so wie auch in der Biodiversitätsstrategie der Bayerischen Staatsregierung gefordert – der Erhalt der biologischen Vielfalt in vorbildlicher Weise umgesetzt werden“.

Biologiestudierende beantworten Fragen am Schaf-Infopoint

Lehramtsstudierende mit dem Fach Biologie sind in die Haltung der Schafe aktiv eingebunden und stehen mit ihrem bereits erworbenen Expertenwissen am Schaf-Infopoint für Fragen zur Verfügung. Dieser befindet sich  am Dienstag, den 20. Juni, von 10:00 bis 11:30 sowie von 14:00 bis 15:30 Uhr sowie am Mittwoch, den  21. Juni, von 11:45 bis 13:15 sowie von 17:30 bis 19:00 Uhr vor dem Wissenschaftszentrum Umwelt (innocube, Universitätsstraße 1a).

An der Universität kommen die Schafe im Fachbereich Didaktik der Biologie auch in der Lehre zum Einsatz. Hier wurde unter dem Nützlichkeitsaspekt „Schafe als Weidetiere“ bereits eine Zulassungsarbeit vergeben. „Im Rahmen dieser Arbeit gestaltet die Biologiestudentin eine Unterrichtseinheit für eine Grundschulklasse, in der eine Begegnung mit den lebenden Tieren auf der Uni-Heide zu einer besonderen Lernerfahrung werden kann“, sagt Dr. Maria Erhart, Leiterin der Didaktik der Biologie an der Universität.

Die Beweidung ist – wie auch die Ziegenbeweidung am benachbarten Bayerischen Landesamt für Umwelt – ein Teil des vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderten Projekts „Weidestadt Augsburg“ des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg.

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Schaf-Infopoint am Wissenschaftszentrum Umwelt
(innocube, Universitätsstraße 1a)

Dienstag, 20. Juni: 10:00-11:30, 14:00-15:30 Uhr
Mittwoch, 21. Juni: 11:45-13:15, 17:30-19:00 Uhr                                                                   

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Hintergrundinformationen

Uni-Heide

Die sogenannte „Uni-Heide“ ist eine „Heide aus zweiter Hand“. Im Jahr 2013 wurde im Rahmen des Projekts „Grüne Lern- und Arbeitsinseln“ der Didaktik Biologie unter Leitung von Dr. Maria Erhart an der Universität Augsburg in Kooperation mit Dr. Jens Soentgen, Leiter des universitären Wissenschaftszentrum Umwelt (WZU) und dem Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. eine Lechheide rund um das WZU auf einer Fläche von rund 500m² angelegt.

Ziel der naturschutzfachlichen Flächenaufwertung ist die Förderung und Schulung fachlicher und didaktisch-methodischer Kompetenzen zur Wahrnehmung und zum Erhalt der Biodiversität der angehenden Lehrkräfte. Weiterhin geht es den Kooperationspartnern auch darum, ihnen die Chance zu bieten, sich an einem, sich entwickelnden Naturschutzprojekt beteiligen zu können und zu zeigen, dass Naturschutz auch eine kreative Tätigkeit ist, bei der es auf gute Allianzen, KnowHow und Innovationsbereitschaft ankommt.

CityFarm Augsburg

Die CityFarm Augsburg ist eine Projektgruppe des Transition Town Augsburg e.V. Das Gemeinschaftsprojekt betreibt eine Farm im Norden Augsburgs als ökologische und sozialpädagogische Begegnungsstätte. Neben der Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt gehört zum Konzept der City-Farm außerdem die artgerechte Haltung diverser Nutztiere wie z.B. der Ostpreußischen Skudde, Burenziege oder Russenkaninchen.

Mit den Schafen und Ziegen sind sie Partner des Projektes „Weidestadt Augsburg“ und beweiden u.a. städtische Krötenbiotope am Gablinger Weg.

Projekt „Weidestadt Augsburg“

Der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. verfolgt im Rahmen seines vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderten Projekts „Weidestadt Augsburg“ das Ziel, die Beweidung naturschutzfachlich bedeutsamer Flächen in Augsburg langfristig und nachhaltig zu sichern und auszubauen. Das von 2016-2020 laufende Projekt beinhaltet u.a.:

  • Initiierung neuer Beweidungsprojekte und Anpassung bestehender Beweidungskonzepte
  • Vermarktung von Lechtal-Lamm
  • Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung
  • Aufarbeitung von historischen Zeugnissen zum Thema Beweidung aus der Region Augsburg.

Der LPVA will Beweidung in Augsburg über einen ganzheitlichen Ansatz weiter voranbringen und zu einem Markenzeichen des Augsburger Naturschutzes machen. Mit dem Projekt werden wesentliche Ziele des Bayerischen Biodiversitätsprogramms 2030 und des Arten- und Biotopschutzprogramms für die Stadt Augsburg umgesetzt. Darüber hinaus dient es der Realisierung der Augsburger Biodiversitätsstrategie.

Schafe und Ziegen in der Landschaftspflege

Um Biotopflächen offen zu halten, kommt – mit wenigen Ausnahmen – nur maschinelle Pflege oder Beweidung in Frage. Wenn möglich, wird aus folgenden Gründen die Beweidung bevorzugt:

  1. Beweidungstradition: Nahezu alle offenen und halboffenen Grünlandlebensräume, die heute Bestandteil der Landschaftspflege in der Region Augsburg sind, entstanden durch eine jahrhundertelange Beweidung. Vor allem das Lechfeld war bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige Sommerweide für Wanderschäfer aus ganz Süddeutschland.
  2. Erhalt biologischer Vielfalt: Aufgrund der Wechselwirkung der Weidetiere mit der Vegetation (selektiver Fraß, Tritt, Transport von Pflanzensamen) entwickelt sich ein Strukturreichtum, der sich förderlich auf den Bestand seltener Tier- und Pflanzenarten auswirkt. Dieser Strukturreichtum lässt sich mit maschineller Pflege kaum erreichen.
  3. Nachhaltigkeit: Der Einsatz von Weidetieren ist i.d.R. kostengünstiger als maschinelle Pflege. 

Schafe und Ziegen werden in der Landschaftspflege als „Werkzeug“ eingesetzt, um Gehölze zurückzudrängen und die Artenvielfalt der Lebensräume zu fördern. Neben der Dezimierung von Gehölzaufwuchs eignen sich Schafe und Ziegen auch zur Bekämpfung von invasiven Arten wie Goldrute (Solidago canadensis), Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera) oder Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum). Die besten Effekte werden mit einer kurzen, aber intensiven Beweidung erzielt.

Schafe grasen selektiv, sie bevorzugen Gräser und begünstigen damit die Ausbreitung der typischen Heidevegetation.
Ziegen fressen hauptsächlich verholzte Pflanzenteile, Blätter und junge Äste.

Ostpreußische Skudde

Die Ostpreußische Skudde stammt ursprünglich aus Ostpreußen und dem Baltikum und ist eine der ältesten Schafrassen Deutschlands. Die robusten, kleinen Landschafe sind optimal an nährstoffarme Standorte angepasst und eignen sich optimal für die Beweidung kleinerer Flächen wie der Uni-Heide.

Das mischwollige Vlies ist weiß, schwarz oder braun. Schwere, schneckenförmige Hörner sind typischer Kopfschmuck der Böcke. Weibliche Tiere können von hornlos bis kleine, gebogene Hörner tragen. Skudden sind die kleinste deutsche Schafrasse mit nur 50 bis 60 cm Widerristhöhe. Ausgewachsene Mutterschafe wiegen 30 bis 40 kg, Böcke bis zu 50 kg. Die Tiere sind lebhaft, haben ein ausgeprägtes Herdenverhalten sowie sehr gute Muttereigenschaften. 
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Ansprechpartner/innen:

Ildikó Reményi-Vogt, CityFarm Augsburg / Didaktik der Biologie der Universität Augsburg, Tel.: 0157-84866734, E-Mail: ildiko.remenyi-vogt@geo.uni-augsburg.de

Dr. Jens Soentgen, Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg, Tel.: 0821/598-3560, E-Mail:  soentgen@wzu.uni-augsburg.de

Dr. Maria Erhart, Didaktik der Biologie der Universität Augsburg,
Tel.: 0821/598-2915, E-Mail: maria.erhart@physik.uni-augsburg.de

Norbert Pantel, Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg, Tel.: 0821-3246094

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Pressefotos zum Download:

Schafe grasen die Uni-Heide vor dem WZU auf dem Campus der Universität ab. Foto: Pressestelle Universität Augsburg

Bild: Auf der 2013 angelegten Lechheide vor dem Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg weiden nun Schafe, um diese zu "mähen".Das ist eine natürliche Form der Landschaftspflege, die vielleicht auch auf weiteren Flächen des Campus ausgedeht werden könnte. Foto: Universität Augsburg


Schafe grasen die Uni-Heide vor dem WZU auf dem Campus der Universität ab. Foto: Pressestelle Universität Augsburg

Bild: Vier Ostpreußische Skudden sorgen auf natürlichem Weg für die Pflege der Lechtschotter-Heide, die 2013 vor dem Wissenschaftszentrum Unwelt der Universität Augsburg angelegt wurde. Foto: Universität Augsburg