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UPD 1/17 - 09.01.2017                                 Meldung als pdf

Das „Korrespondenz-Zentrum“ der Familie Mann

Zum Tod von Prof. Dr. Klaus W. Jonas (1920-2016)


Jonas_ehepaar2004Die Universität Augsburg trauert um den Germanisten und Bibliographen Prof. Dr. Klaus W. Jonas (1920-2016), der am 2.11.2016 im Alter von 96 Jahren ist am 2. November 2016 in München der Germanist und Bibliograph Prof. Dr. Klaus W. Jonas verstorben. Ihm verdankt die Universitätsbibliothek Augsburg die wohl bedeutendste Sammlung zur Forschungsliteratur über das Leben und Werk von Thomas Mann. Bereits 1989 hatte Jonas die Sammlung übergeben, um sie im Laufe der Jahre durch weitere Spenden anzureichern und durch die von ihm und seiner Frau Prof. Dr. Ilsedore B. Jonas 2001 gegründete „Zauberberg-Stiftung“ zu fördern. Diese Stiftung ermöglicht darüber hinaus die „Augsburger Zauberberg-Vorträge“, eine Reihe, zu der der Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft regelmäßig prominente Persönlichkeiten aus Literatur und Wissenschaft nach Augsburg einlädt.

Bild: Prof. Dr. Klaus W. Jonas mit seiner Frau und Kollegin Ilsedore bei einem der zahlreichen Augsburg-Besuche des Ehepaars im Jahr 2004. Foto: privat

Klaus W. Jonas, 1920 in Stettin geboren und 1948 in die USA übergesiedelt, hat als Germanist über zahlreiche deutsche Schriftsteller - darunter Rilke, Zweig und Hesse - publiziert. Im Mittelpunkt seines Forscherlebens und seines Wirkens als Bibliograph stand aber eindeutig Thomas Mann. Nach seiner Promotion arbeite Jonas einige Jahre als wissenschaftlicher Bibliothekar an der Yale University, die bereits über eine Thomas-Mann-Sammlung verfügte. 1950 nahm er Kontakt mit Thomas Mann auf und berichtete ihm von seinem Plan, die weltweite Forschung über ihn zusammenzustellen. So entstand der Band „50 Years of Thomas-Mann-Studies“, der 1955 als die erste ausführliche Bibliographie über den Autor und Nobelpreisträger erschien.

Augsburg und Pittsburgh – eine alte und fruchtbare Partnerschaft

Von 1957 bis 1988 war Jonas Professor für deutsche Literatur an der University of Pittsburgh und hier maßgeblich am Zustandekommen der Universitätspartnerschaft Augsburg-Pittsburgh im Jahr 1980 beteiligt, die sich insbesondere für die Zusammenarbeit in der Germanistik und speziell für die Thomas Mann-Forschung als fruchtbarer Boden erwiesen hat. Jonas baute ein dichtes Netz mit Hunderten von Briefpartnern auf. Seine maßgeblichen Bibliographien zu Thomas Mann erschienen unter dem Titel „Die Thomas-Mann-Literatur“ in den Jahren 1972, 1979 und 1997. Den letzten Band publizierte Jonas in Kooperation mit seinem Augsburger Kollegen Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Koopmann. Daneben erschloss er auch zahlreiche Briefwechsel und weitere Materialien zu Thomas Mann. Seine Arbeit machte ihn  zur „guten Seele der Gemeinde“ (Hans Rudolf Vaget), und die Deutsche Thomas-Mann-Gesellschaft ehrte ihn 1997 mit der Verleihung der Thomas-Mann-Medaille.

Eine Sammlung von internationaler Bedeutung

Dank der Initiative seines Forschungspartners und Freundes Helmut Koopmann gaben Jonas und seine Frau 1989 ihre über Jahrzehnte hinweg aufgebaute Sammlung von Büchern und Aufsätzen zur internationalen Forschung über Thomas Mann in die Obhut der Universitätsbibliothek Augsburg. „Die Sammlung hat internationale Bedeutung und ist nach wie vor eine wichtige Quelle für die weltweite Thomas-Mann-Forschung. Sie wurde im Lauf der Jahre immer wieder um wertvolle Stücke bereichert. Zuletzt gelangten erst vor zwei Jahren noch rund 70 von Thomas, Katja und Golo Mann an das Ehepaar Jonas geschriebene Briefe nach Augsburg“, berichtet der Direktor der Universitätsbibliothek Augsburg, Dr. Ulrich Hohoff.

Zur Jahrtausendwende legte Jonas eine autobiographische Zusammenstellung über „Fifty years as a Thomas Mann bibliographer“ vor, und bis in hohe Alter hinein publizierte er weiter – u. a. die maßgebliche Bibliographie zu Golo Mann (zusammen mit Holger W. Stunz, 2003 und 2004 und die große, 2011 erschienene Studie „Die Internationalität der Brüder Mann: 100 Jahre Rezeption auf fünf Kontinenten (1907-2008)“. Frido Mann, der heute das Erbe der Familie Mann vertritt, nannte Klaus W. Jonas einmal das „Korrespondenz-Zentrum“ der Familie.

Die Zauberberg-Stiftung

2001 gründete das Ehepaar Jonas die „Zauberberg-Stiftung zur Förderung der Thomas Mann-Forschung“, von der seither u. a. die Erschließungsarbeiten der Thomas-Mann-Sammlung in Augsburg gefördert und Ergänzungen durch weitere wertvolle Materialien über den Schriftsteller ermöglicht werden, darunter Erstausgaben seiner Werke, Künstlerbücher, eine Bronzebüste und zwei Gemälde. Die Stiftung finanziert außerdem die „Augsburger Zauberberg-Vorträge“, in der – organisiert von Prof. Dr. Mathias Mayer, Koopmanns Nachfolger auf dem Augsburger Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft – in den vergangenen Jahren prominente Gäste wie die Schriftsteller Uwe Timm und Uwe Tellkamp oder der Germanist Wolfgang Frühwald referiert haben.

Die Universität Augsburg hat die Verdienste des Ehepaars Jonas 2003 durch die Verleihung ihrer Ehrenmedaille gewürdigt. Sie wird Klaus W. Jonas ein ehrendes Andenken bewahren.

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Ansprechpartner:
Dr. Ulrich Hohoff
Universitätsbibliothek Augsburg
Telefon +49(0)821-598-5300
direktion@bibliothek.uni-augsburg.de