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UPD 143/17 - 31.07.2017                                 Meldung als pdf

Nachhaltigkeit zeithistorisch betrachtet

Augsburger Historische Wissenschaften und Umweltforschung sind Teil eines neuen durch die Leibniz-Gemeinschaft geförderten interdisziplinären Verbundprojekts


Augsburg/KC/MH – Das von der Leibniz-Gemeinschaft geförderte interdisziplinäre Verbundprojekt „Geschichte der Nachhaltigkeit(en)“ analysiert den Begriff „Nachhaltigkeit“ zeithistorisch im Hinblick auf innere Spannungsfelder, Bedeutungsdimensionen und Instrumentalisierungen und leistet so einen Beitrag zum Verständnis lokaler und globaler Umwelt-, Ressourcen-, und Entwicklungsdiskussionen. Der Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte und Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte sowie das Wissenschaftszentrum Umwelt (WZU) der Universität Augsburg sind mit jeweils einem Projekt Teil des Forschungsverbunds. Die Leitung des Verbundprojekts liegt beim Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (IfZ), dessen Zweite Stellvertretende Direktorin, Prof. Dr. Elke Seefried, auch die Professur für Neueste Geschichte an der Universität Augsburg inne hat.

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist dieser Tage allgegenwärtig und Kernbestandteil der aktuellen Diskussionen um Entwicklung, Ressourcen und Umwelt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen der Frage nach, wie und warum „Nachhaltigkeit“ diesen Stellenwert einnimmt. Untersucht werden Diskurse und Praktiken von Nachhaltigkeit seit den 1970er Jahren. Bis 2020 fördert die Leibniz-Gemeinschaft das Forschungsprojekt mit einer Summe von über 900.000 Euro. „Die Gutachter haben besonders gewürdigt, dass unser Netzwerk internationale Umweltfachleute sowie universitäre und zivilgesellschaftliche Akteure miteinschließt“, meint Seefried.

Im Zentrum der insgesamt fünf Teilprojekte steht „Nachhaltigkeit“ im Hinblick auf Bedeutungsdimensionen, innere Spannungsfelder und Instrumentalisierungen und damit die Frage, welche heterogenen Zielsetzungen und Interessen sich mit den Bezugnahmen auf diesen Begriff nicht nur im politischen Raum, sondern auch auf lokaler Ebene und in multinationalen Unternehmen verbanden.

So befasst sich das IfZ mit der Entstehung des politischen Leitbilds „nachhaltige Entwicklung“ in der Bundesrepublik und Großbritannien sowie – in Zusammenarbeit mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung – der Entstehung der internationalen Klimapolitik. Das WZU der Universität Augsburg widmet sich Nachhaltigkeit in Unternehmen mit Fokus auf Konzepten, Praktiken und Spannungsfeldern und der Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte der Universität Augsburg legt sein Augenmerk unter dem Motto „Global denken – lokal handeln“ auf Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene. Ebenfalls am Projekt beteiligt ist das Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, das die Zeitgeschichte der Nachhaltigkeit in Ostmitteleuropa untersucht. Das Rachel Carson Center for Environment and Society der LMU München ist ebenfalls im Verbundprojekt involviert. 

Augsburger Teilprojekt: „Global denken, lokal handeln.“ – Nachhaltigkeit(en) auf lokaler Ebene

Die Agenda 21, 1992 auf der UN-Konferenz in Rio de Janeiro verabschiedet, rief Städte und Gemeinden weltweit dazu auf, nachhaltige Entwicklung durchzusetzen. Das in vielfältigen Kontexten bemühte Motto „Global denken, lokal handeln“ sollte nun auch auf der Ebene der Kommunalpolitik wirksam werden. In Deutschland war der Agendaprozess dabei in höherem Maße basisorientiert als in anderen Ländern. Ein am Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte angesiedeltes Dissertationsprojekt untersucht anhand ausgewählter Städte und Gemeinden in Bayern, welche Rolle das Leitbild der Nachhaltigkeit für kommunale Gebietskörperschaften vom Ende der 1960er Jahre bis in die 2000er Jahre hatte.

Augsburger Teilprojekt: „Nachhaltigkeit in Unternehmen: Konzepte, Praktiken, Spannungsfelder

Unternehmen und Verbände haben beträchtlichen Einfluss auf die politisch relevanten Definitionen von Nachhaltigkeit genommen. Das Teilprojekt Nachhaltigkeit in Unternehmen am Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg konzentriert sich auf multinationale Unternehmen der Branchen Chemie, Konsumgüter und Versicherungsunternehmen. Mithilfe von leitfadengestützten Interviews mit Akteuren aus Unternehmen und Verbänden sowie Archivstudien soll herausgearbeitet werden, wie insbesondere in den 1990er und 2000er Jahren Nachhaltigkeitskriterien entwickelt, kommuniziert oder inszeniert wurden, an welche Diskurse dabei angeschlossen wurde und welche inneren Spannungsfelder erkennbar sind.

 

Ansprechpartner/innen:

Prof. Dr. Elke Seefried, Professur für Neueste Geschichte an der Universität Augsburg und Zweite Stellvertretende Direktorin des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin
elke.seefried@philhist.uni-augsburg.de
+49 821 598 – 5809

Prof. Dr. Marita Krauss, Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg
marita.krauss@philhist.uni-augsburg.de
+49 821 598 – 5643

PD Dr. Jens Soentgen, Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg
soentgen@wzu.uni-augsburg.de
+49 821 598 - 3560