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UPD 180/17 - 30.11.2017                                 Meldung als pdf

Wissenschaft und Kreativität

Über vierzig Standpunkte zu einem spannungsreichen Verhältnis – und zu Ehren der Präsidentin der Universität Augsburg


DM offizielles PorträtAugsburg/MK/KPP – Die Einladung, das Editorial für die Ausgabe 5/2017 von „Forschung & Lehre“, des Magazins des Deutschen Hochschullehrerverbandes zu schreiben, nutzte Prof. Dr. Sabine Doering Manteuffel – seit 2011 Präsidentin der Universität Augsburg und seit 2013 auch Vorsitzende der Universität Bayern e. V. –, um unter dem Motto „Bringt mir einen kleinen Amadé!“ mehr Freiraum für Kreativität im überbürokratisierten und ökonomisierten Wissenschafts- und Hochschulsystem einzufordern. Über vierzig Persönlichkeiten aus der Universität Augsburg selbst, aus deren engerem Umfeld und aus der bayerischen Wissenschaftslandschaft griffen diesen Appell auf. Sie machten sich – durch keine Vorgaben in ihrer Kreativität eingeschränkt – ihre eigenen Gedanken zum Verhältnis zwischen Wissenschaft und Kreativität. Diese sind nun im zum 60. Geburtstag Doering-Manteuffels erschienenen Band 72 der Reihe Augsburger Universitätsreden auf rund 300 Seiten nachzulesen.

BU: Freut sich über den ihr zum 60. Geburtag gewidmeten Band und hofft, dass er zur Belebung der Diskussion über kreative Freiräume, wie die Wissenschaft sie braucht, beitragen wird: Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel. Foto: Klaus Satzinger-Viel

Neben dem bayerischen Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle steuerten die elf Präsidentinnen und Präsidenten der bayerischen Universitäten ihre Überlegungen zum Thema bei. Sichtbar werden hier der Facettenreichtum dieses zentralen Themas, seine vielen Aspekte und die unterschiedlichen Zugänge. Die Dekanin und die Dekane der acht Augsburger Fakultäten verfassten einen gemeinsamen Beitrag und machten damit erneut deutlich, wie gut die interfakultäre Zusammenarbeit funktioniert. Es schrieben die Vizepräsidenten sowie alle Mitglieder des Universitätsrates. Damit sind alle Statusgruppen vertreten, auch das wissenschaftsstützende Personal und die Studierenden.

Diagnosen, Positionen, Ideen und Visonen

Der Historikerin Prof. Dr. Marita Krauss, die als Universitätsfrauenbeauftragte den Band initiiert und gemeinsam mit den drei Vizepräsidenten der Universität Augsburg herausgegeben hat, ist es gelungen, die Vielfalt an Diagnosen, Positionen, Ideen und Visionen, mit der sie seitens der von ihr angefragten Autorinnen und Autoren überschüttet wurde, in acht Kapiteln zu fassen:

  • Universität – ein Ort für Inspiration und intellektuelles Abenteuer
  • Die schöpferische Idee an der Bruchstelle zwischen verborgener Wahrheit und begrifflicher Klarheit
  • Die gegenseitige Befruchtung der Disziplinen – Kreativität und Interdisziplinarität
  • Was wir brauchen ist ein gutes Management von Kreativität
  • Ein Hauch von Leichtigkeit und Heiterkeit in das System
  • Plätze, an denen Menschen Unmögliches denken können
  • Die eigentlichen vier Bildungsziele – Verantwortung, Selbstbestimmung, Individualisierung, Wertschätzung
  • Im Elfenbeinturm – Pro und Contra

Den Spieß einmal umdrehen

„Hinter dem Projekt“, so Marita Krauss, „stand eine einfache Idee: Wir jammern alle über die Dinge, die uns stören, von der Arbeit abhalten, unsere Spielräume einschränken. Es ist an der Zeit, einmal den Spieß umzudrehen und darüber nachzudenken, wie das, weswegen wir Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen geworden sind, eigentlich funktioniert, wie unsere Universität, unsere Wissenschaft aussehen könnten, wie wir gerne arbeiten und wovon wir träumen würden, wenn wir uns nicht längst an alle Zumutungen gewöhnt hätten.“

Schreibtische und andere Denkorte

Wie die angefragten Beiträgerinnen und Beiträger darauf reagiert hätten, sei „einfach großartig“ gewesen – „so, als ob sie bereits seit langem darauf gewartet hätten, dass endlich jemand diese Frage stellt“, berichtet Krauss. Und nicht minder groß wie das Engagement, mit dem geschrieben wurde, sei die Bereitschaft aller gewesen, auch zu einer kreativen Illustration des Bandes und seines Themas beizutragen: Rund 70 Farbfotos, kommentiert mit Texten des Bildhauers und Malers Helmut Ammann und des Schriftstellers Sten Nadolny, zeigen Schreibtische und alternative „Denkorte“ derer, die bei „Wissenschaft und Kreativität“ denkend und schreibend mitgemacht haben. Sie geben dem Buch jene Leichtigkeit und Heiterkeit, an der es „dem System“ auf Kosten der Kreativität oft mangelt.

Vehikel für „den kleinen Amadé“

„Ich bin sehr stolz auf dieses kreative Geschenk, das mir mit diesem außergewöhnlichen Buch zum runden Geburtstag gemacht wurde. Dies freilich“, so Doering-Manteuffel, „nicht zuletzt, weil es mir zeigt, dass ich mit meinen Sorgen um die Zukunft wissenschaftlicher Kreativität nicht alleine bin. Mein Anliegen, bürokratisch-ökonomischen Systemzwängen entgegenzutreten, unter denen die schöpferische Substanz unserer Arbeit in Forschung und Lehre mehr und mehr zu verkümmern droht, wird offensichtlich von zahlreichen Mitstreiterinnen und Mitstreitern engagiert geteilt – nicht nur in unserer eigenen Universität, sondern weit über sie hinaus. Der mir gewidmete Sammelband dokumentiert dies eindrucksvoll, und als das eigentliche Geschenk empfinde ich, dass dieser Band das Zeug dazu hat, die von mir mit ‚dem kleinen Amadé’ in ‚Forschung & Lehre’ hoffentlich aktivierte oder reaktivierte Diskussion auszuweiten und breit zu verankern.“

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Publikation:

Wissenschaft und Kreativität. Eine Selbstvergewisserung, hg. v. Marita Krauss zusammen mit Wolfgang Reif, Werner Schneider und Peter Welzel – gewidmet Sabine Doering-Manteuffel zum 60. Geburtstag (= Augsburger Universitätsreden, Band 72, ISSN 0939-7604), Augsburg 2017.

Gedruckte Exemplare des Buches können bei der Pressestelle der Universität Augsburg (86135 Augsburg, info@presse.uni-augsburg.de) kostenlos bestellt werden. Als pdf steht das Buch auf http://www.presse.uni-augsburg.de/publikationen/unireden/unireden_pdfs/UR_72_Wissenschaft-und-Kreativitaet.pdf ebenfalls kostenlos zum Download zur Verfügung.

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Pressefoto zum Download:

DM offizielles PorträtBU: Freut sich über den ihr zum 60. Geburtag gewidmeten Band und hofft, dass er zur Belebung der Diskussion über kreative Freiräume, wie die Wissenschaft sie braucht, beitragen wird: Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel. Foto: Klaus Satzinger-Viel