Internationale Beziehungen

Ohne HIV-Test kein “Made in Germany”


Der DAAD-Preisträger 1998 Sliman Abu Amara über seine Erfahrungen als ausländischer Student in Augsburg

Die Erfahrungen eines ausländischen Studenten in einem fremden Land sind in der Regel so umfangreich, daß es schwierig ist, sie kurz zusammenzufassen. Als ich vom Akademischen Auslandsamt gefragt wurde, ob ich bereit wäre, einen Beitrag für die Zeitschrift “UniPress” über die Erfahrungen von ausländischen Studierenden an der Universität Augsburg zu schreiben, fielen mir viele Aspekte ein, die ich für erwähnenswert halte. Da meine Erfahrungen aber nicht alleine maßgeblich sein können, habe ich mich entschlossen, meine eigenen Erfahrungen mit Exkursen zur Lage anderer ausländischer Studenten zu ergänzen und mich auf Fragen zu konzentrieren, die ausländischen Studenten immer wieder gestellt werden.

Warum gerade Deutschland?


Bei der Frage, warum sich ein ausländischer Student für Deutschland entscheidet, kann man nicht mit nur einer Antwort rechnen. Die Entscheidungsgründe reichen von Sympathie bis hin zu wirtschaftlichen oder privaten Motiven.

Ich persönlich wußte schon sehr früh, daß ich zum Studium ins Ausland gehen muß, wie auch alle meine Familienangehörigen, weil arabische Israelis an israelischen Universitäten zu anspruchsvollen Fächern, aus welchen Gründen auch immer, nur sehr beschränkt zugelassen werden. Daher war ich fest entschlossen, einen akademischen Abschluß im Ausland zu erlangen, um danach wieder nach Israel zurückzukehren. Auf Deutschland fiel letztlich die Entscheidung, weil meine Schwester damals in Ulm Medizin studierte und längst mit Deutschland vertraut war.

So stieg ich in Tel-Aviv in eine EL AL-Maschine, schlief ein und wurde kurz vor der Landung im schneebedeckten München geweckt, so einfach kann das verlaufen. Aber so einfach ist es irgendwie doch nicht gewesen. Persönlich hatte ich es gerade in Israel rechtfertigen müssen, warum meine Entscheidung ausgerechnet auf Deutschland fiel. Dies liegt an dem besonders komplizierten Verhältnis zwischen meinem Herkunftsland und Deutschland - ein Thema für sich.

Die Möglichkeit, im Ausland zu studieren, bedeutet für jeden Studenten ein Privileg, das aber mit einem sehr großen Druck verbunden ist. Mit der Ausreise aus der Heimat verläßt man seine ganze Familie, Freunde und Bekannte und geht in ein fremdes Land. Natürlich ist der Abschied hart gewesen, und man wird verabschiedet mit der Erwartungshaltung, daß man mit einem erfolgreich abgeschlossenen Studium und nicht als Versager zurückkehrt. Der eigene Druck und der enorme Druck der Gesellschaft begleiten in der Regel jeden ausländischen Studenten über die gesamte Ausbildung hinweg.

Wie die meisten der ausländischen Studenten war ich sehr froh, das Glück zu haben, an einer deutschen Hochschule studieren zu können. Denn eine Ausbildung in Deutschland ist nach wie vor auf der ganzen Welt sehr gut angesehen. Jeder hier erlangte Grad oder Abschluß wird in allen Ländern nicht nur ohne Wenn und Aber anerkannt, sondern sogar bevorzugt. Letztendlich gilt auch hinsichtlich der Ausbildung in Deutschland das Etikett “Made in Germany”, und der Träger dieses Etiketts bin in diesem Fall ich.

Darüber hinaus ist die universitäre Ausbildung in Deutschland (noch) gebührenfrei, was in den meisten der interessanten Industrieländer nicht der Fall ist. Möglicherweise ist in dem einen oder anderen europäischen Land die Ausbildung auch gebührenfrei, jedoch dürfte man dort kaum die Ausstattung vorfinden, über die eine deutsche Hochschule in der Regel verfügt. Dies macht die deutschen Hochschulen um so attraktiver.

Die deutsche Sprache


Viele ausländische Studenten kommen nach Deutschland ohne jegliche deutsche Sprachkenntnisse. Bei mir war dies ähnlich. An meinem ersten Tag in der Bundesrepublik konnte ich gerade noch “guten Tag” sagen und selbst das nur mit großer Mühe. Diese zwei Wörter habe ich am ersten Tag bestimmt zwanzigmal gesagt. Was mich aber sehr verwundert hat, war die mit einem etwas grantigen Ton in Ulm gegebene Antwort “Grüß Gott”. Erst später habe ich die Reaktionen verstanden. Am nächsten Tag besuchte ich im Kolping-Haus in Ulm einen Deutsch-Sprachkurs für Ausländer.

Das Erlernen der deutschen Sprache bereitete mir an sich keine großen Schwierigkeiten, im Gegenteil: Ich hatte unheimlich viel Spaß, diese Sprache zu lernen, um die deutsche Weltliteratur auf Deutsch zu lesen. Später mußte ich feststellen, daß ich als Nichtdeutscher mehr Interesse daran hatte als viele andere an der Universität. Eine Zumutung waren damals die mal mit Schnee und mal mit Eis bedeckten Straßen von meiner Wohnung bis zum Sprachkurs. Der harte Winter ‘92 wäre damals fast zu einem Grund geworden, Deutschland wieder zu verlassen. Aus einem Land am Mittelmeer kommend und im Sommer wie auch im Winter verwöhnt, mußte ich im Januar 1992 zum erstem Mal in meinem Leben feststellen, daß es -20° Grad kalt werden kann. Mit dem ersten Schneefall lernte ich, daß man Schuhe mit Ledersohle im Winter vermeiden sollte.

Als der lange Winter endlich vorbei war, hatte ich bereits den Sprachkurs abgeschlossen; ich begann, mich bei allen in Betracht kommenden Universitäten zu bewerben und vor allem mich auf die Prüfung zum Nachweis der Deutschen Sprachkenntnisse (PNdS) vorzubereiten. Ich bewarb mich an fast allen deutschen Universitäten von Kiel bis Konstanz, und dies in fast allen möglichen Fachrichtungen. Für Jura habe ich mich nur an der Universität Augsburg beworben, eigentlich nur zum Spaß, da angesichts der Kompliziertheit des Rechtssystems in Deutschland jeder mir trotz meines ursprünglichen Willens davon abriet, Jura zu studieren. Zugelassen wurde ich an mehreren Universitäten in mehreren Studiengängen - u. a. auch für Jura in Augsburg. Und als die Entscheidung im September 1992 getroffen werden mußte, fiel sie auf Jura in Augsburg, weil ich es mir eben trotz aller Warnungen zutraute. Daraufhin habe ich im Oktober die PNdS in Augsburg mit Erfolg abgelegt, mich immatrikuliert und die Einführungsverantstaltungen für Jura und für ausländische Studierende besucht.

Studienbeginn und Studium


Bevor ich zu meiner ersten Vorlesung ging, habe ich mein Hebräisch-Deutsch-Wörterbuch aufschlagen müssen, um mir ein paar juristische Fachbegriffe rauszusuchen. Dies waren Wörter wie etwa Gesetz, Regelung, Norm, Strafrecht, Öffentliches Recht, Zivilrecht etc. Meine ersten Vorlesungen in Jura waren dadurch gekennzeichnet, daß ich nur eines verstanden habe, nämlich: arabisch eins, arabisch zwei, arabisch drei; und nach diesen Vorlesungen habe ich festgestellt, daß diese Zahlen arabisch sind, und daß die Zahlen, die wir im Orient verwenden, die indischen sind.

Das erste Jurabuch habe ich damals wortwörtlich ins Arabische und ins Hebräische übersetzen müssen, damit ich es überhaupt verstehen konnte. Für die Bearbeitung einer Seite benötigte ich ca. zwei Stunden. Und das bei höchster Konzentration. Alle angebotenen Arbeitsgemeinschaften habe ich parallel besucht. Ich habe also fünfmal hintereinander dieselben Fälle gehört; immerhin änderten sich die Gesichter der Dozenten und Kommilitonen.

Unterstützung und Aufmerksamkeit erhielt ich damals von fast allen AG-Leitern und Professoren, die mir gegenüber sehr entgegenkommend waren. Viele der Dozenten fragten mich immer wieder, ob ich die Vorlesungen verstanden habe oder nicht. Zum Teil kamen die Dozenten schon in der ersten Vorlesung auf mich zu, um mir ihre Hilfe anzubieten. Hierfür war natürlich wichtig, in jeder Vorlesung vorne in der ersten Reihe Platz zu nehmen, um möglichst schnell dem Dozenten aufzufallen. Wichtig war auch, mit den deutschen Studienkollegen in Kontakt zu kommen. Auch diese waren meinen Erfahrungen nach zumeist sehr hilfsbereit und entgegenkommend und hatten allgemein großes Interesse daran, ausländische Studenten kennenzulernen.

Nach dreiwöchigen Qualen mit dem Juradeutsch gingen meine Kräfte aus, und ich überlegte mir ernsthaft, das Jurastudium angesichts der Sprachschwierigkeiten abzubrechen. Damals ermutigte mich Prof. Dr. Joachim Herrmann in einem langen effektiven Gespräch, das er mit dem Satz beendete: “Ich will es, ich kann es, ich muß es.” Daraufhin stürzte ich mich in die Arbeit: Neben der Fachliteratur las ich Tageszeitungen, Weltliteratur und verschiedene Wochenmagazine.

Sehr bereichernd empfand ich die Vielfalt an ausländischen Studenten an der Universität Augsburg. Ich lernte Leute aus den verschiedensten Teilen dieser Erde kennen: Süd- und Nordamerika, West- und Osteuropa, dem Orient, Afrika und Asien. Diese Chance, so viele verschiedene Kulturen kennenzulernen, machte den Studienaufenthalt um so interessanter.

Es fehlte auch nicht an Veranstaltungen seitens der Universität Augsburg und der Evangelischen Studenten- bzw. Katholischen Hochschulgemeinde, die Treffpunkte für die Begegnung von ausländischen mit deutschen Studenten organisierten. Wobei die Universität Augsburg durchaus noch aktiver sein könnte: Daß jetzt der Aufbau eines eigenständigen akademischen Auslandsamts in Angriff genommen wird, das u. a. die ausländischen Studierenden in allen wichtigen Angelegenheiten betreut, ist sehr begrüßenswert.

Das Jurastudium blieb eine Achterbahnfahrt. Die Hausarbeiten fielen mir leichter, weil ich dazu viel Zeit hatte. Um so schwieriger waren die Klausuren. Angesichts der Sprachschwierigkeiten hatte ich sehr oft Zeitprobleme, so daß ich oft nicht fertig wurde, was die Ergebnisse dementsprechend beeinträchtigte. Da die meisten Korrekturassistenten sehr schnell erkennen konnten, daß die Klausuren nicht von einem deutschen Studenten geschrieben worden waren, waren sie zumeist bei der Korrektur sehr rücksichtsvoll. Erfreulicherweise mußte ich keinen der Scheine wiederholen.

Als ich fast alle meine Scheine hatte, wurde mir von Prof. Dr. Wolff Heintschel von Heinegg nach der Bearbeitung einer Seminararbeit im Völkerrecht eine studentische Hilfskraftstelle angeboten. Daraufhin begann ich meine Tätigkeit an seiner Professur für Öffentliches Recht (mit Schwerpunkt im Völker- und Europarecht). Durch diese Tätigkeiten ergaben sich für mich gerade als ausländischem Studenten neue Perspektiven. Da ich schon vor Beginn des Studiums großes Interesse für das Internationale Recht hatte, war für mich die Arbeit mit Prof. von Heinegg die beste Förderung, die ich mir wünschen konnte. Durch die Zusammenarbeit mit ihm und durch seine ständige Betreuung und Ratschläge gelang mir auch in meinem Jurastudium der Durchbruch. Zudem entwickelte ich ein großes Interesse an der Wissenschaft und Forschung. Schließlich ermunterte er mich, Vorträge über die Lage im Nahen Osten zu halten, was zu zahlreichen Einladungen zu Vorträgen über Nahostfragen führte. Ich wurde Honorardozent am Bildungszentrum der Stadt Nürnberg und hielt eine Reihe von Vorträgen über den arabisch-israelischen Konflikt.

Nachdem ich mein Juraexamen im Jahre 1997 mit Erfolg abgelegt hatte, wurde ich wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. von Heinegg. Dieser betraute mich mit der Bearbeitung einer Dissertation über das Selbstbestimmungsrecht des Palästinensischen Volkes, was mir eine gute Gelegenheit gibt, für den Frieden in meinem Heimatland einen Beitrag zu leisten.

Für meine Tätigkeiten und Leistungen habe ich im Juli 1998 den DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen bekommen. Diesen Preis betrachte ich als Anerkennung und gleichzeitig als Motivation und Unterstützung für meine Dissertation.

Damit nicht der Eindruck entsteht, als sei die Ausbildung in Deutschland perfekt, muß hier auch etwas bemängelt werden. Ein kleiner Nachteil ist, daß in Deutschland andere Abschlüsse als in anderen Ländern vergeben werden und daß hier das Studium etwas länger als in anderen Ländern dauert. Dies ändert aber nichts am guten Ruf der deutschen Ausbildung, da schließlich alle Abschlüsse im Ausland doch anerkannt sind. Ob das Studium in Deutschland wirklich zu lange dauert, kann nicht pauschal gesagt werden. Vorteil der umfangreichen akademischen Ausbildung ist sicherlich, daß der Student auch eine etwas gebietsübergreifende Ausbildung bekommt und sich einen Überblick über die Zusammenhänge verschaffen kann. Für einen ausländischen Studenten dauert die Ausbildung natürlich noch länger, wenn er vorher die deutsche Sprache lernen muß, was freilich nicht am System liegt. Meines Erachtens bestünde für die Studenten häufig die Möglichkeit, das Studium etwas schneller abzuschließen. Es liegt oft am Willen der Studierenden, das Studium etwas ruhiger angehen zu wollen.

Es könnten möglicherweise parallel kürzere Abschlüsse zu den vorhandenen angeboten werden, so daß einem ausländischen Studenten die Möglichkeit gegeben würde, in zwei oder vier Semestern einen Qualifizierungsgrad (wie etwa M.A.) zu erlangen. Daß dies mittlerweile auch an der Universität Augsburg in einigen der Fachrichtungen eingeführt wurde, ist begrüßenswert.

In diesem Zusammenhang ist die seit einigen Jahren geführte Debatte, ob Vorlesungen an den deutschen Hochschulen auch auf Englisch angeboten werden sollen, nicht ganz unwichtig. Dies wäre besonders interessant für ausländische Studenten, die hier nur für ein oder zwei Jahre studieren wollen, da man ihnen dadurch die perfekte Beherrschung der deutschen Sprache ersparen könnte. Dies wird mittlerweile an mehreren deutschen Hochschulen durchgeführt. Diese Reformen sollten auch in Augsburg in Angriff genommen werden, da diese Tendenzen überall in der Welt im Rahmen der neuen Herausforderungen (Globalisierung) zu sehen sind.

Ebenso sollten die Promotionsregelungen und -voraussetzungen reformiert werden. So sollte die Möglichkeit in allen Fächern gegeben sein, die Dissertationsarbeit auch in englischer Sprache zu verfassen. Da ausländische Studierende häufig an der Promotionsnote scheitern, sollten die Promotionsvoraussetzungen für ausländische Studenten etwas erleichtert werden. Es ist unrealistisch, von einem ausländischen Studenten, der während seines ganzen Studiums an einer deutschen Hochschule mit der Doppelbelastung zu kämpfen hat (einmal mit den Sprachschwierigkeiten und dann mit den Fachschwierigkeiten), eine Prädikatsnote wie von seinem deutschen Studienkollegen zu verlangen.

Die Wohnungssuche


1992 waren Wohnungen in Augsburg extrem knapp. Entsprechend schwierig verlief für mich die Suche nach einer Wohnung.

Da die Studentenwohnheime überfüllt waren und es auf dem Wohnungsmarkt praktisch nur noch unbezahlbare Wohnungen gab, war es für einen ausländischen Studenten besonders schwer, eine Wohnung zu finden. Leider muß in diesem Zusammenhang erwähnt werden, daß die meisten Vermieter deutsche Studenten bevorzugten; oft war dies sogar ausdrücklich auf dem Aushang vermerkt. In dieser Situation wurde das Studentenwerk aktiv und stellte die Gemeinschaftsräume im Studentenheim “Univiertel” als Notunterkunft zur Verfügung. Hier bekamen ich und einige andere ausländische Studenten zunächst ein Dach über den Kopf. Später wurden für uns Lösungen gefunden.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn ein ausländischer Student sofort nach seiner Ankunft einen Wohnheimplatz bekommen würde. Dies läßt sich aufgrund der beschränkten Kapazitäten des Studentenwerks aber leider nicht immer durchsetzen.

Die Ausländerbehörde


Als meine in Ulm von der Ausländerbehörde erteilte Aufenthaltsbewilligung ablief, mußte ich mich zur Ausländerbehörde in Augsburg begeben, mich anmelden und meine Aufenthaltsbewilligung verlängern lassen.

Dort mußte ich feststellen, daß ein nicht aus einem EG-Land nach Bayern kommender ausländischer Student sich einigen Gesundheitstests - u. a. auch einem HIV-Test - unterziehen sowie Kontoauszüge und andere Unterlagen vorlegen muß, die beweisen, daß er seinen Unterhalt monatlich überwiesen bekommt. Das heißt mit anderen Worten: Ist der ausländische Student HIV-positiv, dann wird seine Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert, was den Wegfall der Rechtsgrundlage für seinen Aufenthalt in der BRD bedeutet und zur Abschiebung führen kann. Gleiches gilt im Falle der Nichtvorlage von Kontoauszügen, wobei mich persönlich der HIV-Test bei weitem mehr schockierte.

Selbst der Studienfachwechsel wird erschwert. In einigen Fällen wurde er verweigert mit der Begründung, daß der Student für das neue Fach ein neues Visum in der deutschen Botschaft in seiner Heimat beantragen muß. Was zur Folge hatte, daß die Betroffenen aus der BRD ausreisen mußten und ein Jahr lang in ihrer Heimat auf ein neues Visum zu warten hatten.

Solche Maßnahmen müssen meines Erachtens von jedem ausländischen Studenten als eine Erniedrigung empfunden werden. Sie lassen sich vielleicht juristisch sauber begründen, ob aber diese Maßnahmen der Attraktivität der deutschen Hochschulen dienlich sind, erscheint mir äußerst zweifelhaft. Und man sollte in diesem Zusammenhang vielleicht erwähnen, daß ein Ausländer, der in Deutschland studiert, später in der Regel zur Elite seiner Heimat gehört.

Insgesamt läßt sich sagen, daß die ausländischen Studenten in der Ausländerbehörde nicht nur unfreundlich behandelt werden, sondern daß ihnen geradezu Steine in den Weg gelegt werden. Man hat den Eindruck, daß dort bei jedem Besuch nach einem Grund gesucht wird, die Aufenthaltsgenehmigung nicht zu verlängern. In den Räumen der Ausländerbehörde gewinnt man somit leider der Eindruck, daß man in Deutschland ein unwillkommener Gast ist.
Es sollte daher deutlicher klargestellt werden, daß die Bundesrepublik großes Interesse daran hat, die Zahl ausländischer Studenten zu erhöhen, und daß alle deutschen Auslandsvertretungen samt DAAD und vielen deutschen Stiftungen, im Ausland ständig für ein Studium in der BRD werben. Die Art, wie ausländische Studenten in den Ausländerbehörden behandelt werden, dient damit letztlich nicht den Zielen der Bundesrepublik und auch nicht den Zielen der deutschen Wirtschaft.

Die Finanzierung des Studiums


Wenn ein ausländischer Student weder ein Stipendium noch wohlhabende Eltern hat, die ihm sein Studium finanzieren, ist seine Situation besonders schwierig. Persönlich hatte ich das Glück, aus einem Land mit relativ geregelten Verhältnissen zu kommen, so daß ich mich neben meinen Berufstätigkeiten hier zum Teil auf die familiäre Unterstützung verlassen konnte. Darüber hinaus erhielt ich von der Universität Augsburg und von der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) finanzielle Unterstützung.

In Anbetracht der Tatsache, daß die Lebenshaltungskosten in Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen Ländern sehr hoch sind, ist es für viele Eltern, selbst wenn sie in ihren Ländern der Mittelschicht angehören, fast unmöglich, das Studium ihrer Kinder in Deutschland zu finanzieren. Da es bekanntlich für denjenigen ausländischen Studenten, der nicht aus einem EU-Staat oder zumindest aus dem Europäischen Wirtschaftsraum oder aus einem der anderen privilegierten Staaten kommt, nicht einfach ist, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, hat dieser auch keine Möglichkeit, sein Studium hier selbst zu finanzieren.

Hier könnte durchaus ein gesetzlicher Rahmen geschaffen werden, der für diese Studenten begrenzte Möglichkeiten einer geringfügigen Tätigkeit schaffen und damit die Finanzierung des Studiums hier zulassen würde. Dabei könnte diese Ausnahme natürlich sehr strikt gehandhabt und so gegen jeglichen Mißbrauch abgesichert werden. Dieser Vorschlag mag möglicherweise für viele überzogen scheinen, aber angesichts der Tatsache, daß in Augsburg die meisten der ausländischen Studenten entweder in Deutschland geborene Ausländer sind oder aus der EU oder dem EWR kommen und damit sowieso hier ohne Arbeitserlaubnis arbeiten können, dürfte die Zahl derjenigen ausländischen Studenten, die eine Arbeitserlaubnis benötigen, sehr gering sein. Mit negativen Auswirkungen auf die Arbeitsmarktlage wäre demnach nicht zu rechnen.

Und insgesamt?


Insgesamt fühle ich mich in Deutschland sehr wohl. Die Erfahrungen, die ich in Deutschland gesammelt habe, werden mich auch weiter begleiten. Gerade durch das Jurastudium habe ich eine große Chance bekommen, die deutsche Gesellschaft kennenzulernen. Allein aus der sehr interessanten Rechtsentwicklung, die die BRD durchgemacht hat, habe ich sehr viel über dieses Land
und seine Bevölkerung gelernt. Dabei möchte ich besonders erwähnen, daß
ich aus einem Land komme, in dem Deutschland in der Berichterstattung fast nur negativ erwähnt wird, so daß
ich mit vielen Vorurteilen hierher kam. Diese sind aber während meines Aufenthaltes nicht nur gänzlich verschwunden, sie haben sich vielmehr in eine Sympathie für dieses Land umgewandelt. Dies liegt auch an den vielen Gesprächen und Diskussionen, die ich mit verschiedenen Leuten geführt habe.

Daher fühle ich mich, wie gesagt, nach etwa sieben Jahren in Deutschland diesem Land sehr verbunden und ich bin mir sicher, daß dies auch weiter so bleiben wird. Wenn ich freilich gefragt werde, ob ich mir vorstellen könnte, auch nach dem Studium in Deutschland zu bleiben, antworte ich immer: “Ja, aber nur wenn es hier ein Mittelmeer und ein Jerusalem gäbe”. Da dies nicht der Fall ist, werde ich dorthin zurückgehen, wo meine Wurzeln sind.


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