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Der Anteil der ausländischen Studentinnen und Studenten ist an der Universität Augsburg seit Beginn der 80er Jahre (2,5%) kontinuierlich gestiegen; in den letzten zehn Jahren hat er sich auf jetzt 11,2% verdoppelt. Im Wintersemester waren 1.382 der insgesamt 12.386 Studierenden der Universität Augsburg Ausländerinnen und Ausländer. Im Bayern- wie im bundesweiten Vergleich ist diese Zahl bemerkenswert, zumal wenn man bedenkt, dass Augsburg als mittelgroße Stadt nicht von jener Magnetwirkung einer Metropole profitiert, die Studienstandorten wie München, Berlin oder Hamburg bei ausländischen Studierenden fraglos einen immensen Attraktivitätsbonus verschafft.
Andererseits liegt darin, dass in Augsburg zwar alles eine Nummer kleiner, aber dadurch alles vielleicht auch etwas einfacher ist, gerade das, was ausländische Gäste, wenn sie erst einmal hier sind, zu schätzen wissen. Peter Gyurin aus Budapest, der im Wintersemester 2000/01 mit einem DAAD-Stipendium an der Universität Augsburg mittelalterliche Geschichte und Linguistik studierte, hat dies in der letzten Ausgabe von "Alumni Augsburg international" rückblickend sehr ausführlich und glaubwürdig beschrieben - glaubwürdig nicht zuletzt deshalb, weil er mit Kritik nicht sparte, wo sie ihm nötig schien: dass manche deutsche Studentinnen und Studenten "mit fremden Gesichtern ein bisschen verschlossen und zurückhaltend umgehen" ist ihm z. B. durchaus unangenehm aufgefallen. Aber das hinderte ihn, wie er schreibt, nicht, gleich in den ersten Tagen einige nette Leute kennenzulernen und mit ihnen die Stadt zu entdecken. Dabei sei er überrascht gewesen, wie relativ preiswert das studentische Leben hier sei ("obwohl ich oft ausging"). Er habe sich rasch und problemlos überall zurechtgefunden, denn alles sei "überschaubar und menschenfreundlich". Der Campus erleichtere einem nicht nur den studentischen Alltag, sondern sorge auch dafür, dass die Studierenden nicht regelrecht aus der Universität fliehen, sobald die Lehrveranstaltungen vorüber sind. Sein Wunsch, eine Zeitlang "unter Studentinnen und Studenten zu leben, die mit anderen Interessen und Lebensauffassungen aus aller Welt zusammenkommen und sich dennoch miteinander verstehen", sei, so Gyurin, "in Augsburg voll in Erfüllung gegangen". Die Tutoren des Auslandsamtes und der Studierendenvertretung und deren Veranstaltungsangebote hätten dabei "enorm geholfen". Er hätte, so bedauert der Budapester Mediävist rückblickend, "viel, viel mehr Bekanntschaften machen können, wenn ich die ganzen Angebote stärker genutzt hätte. Aber einsam zu sein, das wäre selbst dann nicht möglich gewesen, wenn es meine Absicht gewesen wäre." Und ganz entscheidend sei schließlich auch die persönliche Betreuung durch die Dozenten gewesen und die Art, wie sie es verstanden hätten, ihn zu motivieren: Ohne sie "hätte ich wesentlich weniger von diesem Semester gehabt".
Wenn ausländische Studentinnen und Studenten eingeladen
werden, an deutschen Hochschulen zu studieren, dann nicht zuletzt auch mit dem
Ziel, im Ausland - wie es der DAAD formuliert - "künftige
Führungspersönlichkeiten in Wissenschaft und Kultur, Wirtschaft und
Politik als Partner und Freunde für Deutschland zu gewinnen". "Wenn wir
hier an der Universität Augsburg relativ gute Voraussetzungen haben und
wenn wir auch alles dafür tun, um ausländische Studierende, die als
Gäste zu uns kommen, als Freunde wieder verabschieden zu können",
meint Dr. Sabine Tamm, die Leiterin des Akademischen Auslandsamtes, "dann
sollten wir uns auch anstrengen, diese Freundschaften langfristig zu pflegen.
Mit 'Alumni Augsburg international' wollen wir zum einen den direkten Kontakt
zwischen uns und unseren ausländischen Ehemaligen erhalten: wir wollen sie
informieren, was in Augsburg los ist. Gleichzeitig hoffen wir, dass sie
ihrerseits auch uns über ihren weiteren Werdegang auf dem Laufenden halten
und dass sie uns mit ihren Erfahrungen und Beziehungen vielleicht auch bei
unserer Arbeit unterstützen. Zum anderen soll das Netzwerk den Ehemaligen
aus den unterschiedlichsten Ländern aber auch die Möglichkeit bieten,
untereinander die hier entstandenen Bekanntschaften und Freundschaften über
die Augsburger Zeit
hinaus fortzusetzen."
Dass man mit 'Alumni Augsburg international' auf dem richtigen Weg ist, zeigt die ermutigende Resonanz, meint Kinga Petö: Die Ungarin, die als DAAD-finanzierte studentische Hilfskraft das Alumni-Projekt im Akademischen Auslandsamt betreut, verweist darauf, dass sich schon rund 250 Augsburger Studentinnen und Studenten, die mittlerweile wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt sind, in die Datenbank haben aufnehmen lassen, seit das Projekt mit finanzieller Hilfe des Deutschen Akademischen Austauschdienstes im Sommer 2000 auf den Weg gebracht werden konnte. "Aber auch einige Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler haben uns ihre Koordinaten hinterlassen und ihr Interesse bekundet, es nicht bei einigen schönen, im Laufe der Zeit aber womöglich verblassenden Erinnerungen an die Universität Augsburg bewenden zu lassen, sondern am neuen Netzwerk mitzuweben."
Neben der Datenbank, dem sorgsam zu pflegenden A und O einer
jeden Alumni-Vereinigung, ist vorerst die Zeitschrift der zweite tragende Faden
im Netz, das sich ausweiten und verdichten soll. Zwei Ausgaben - die erste im
März, die zweite im Dezember 2001 - sind mittlerweile erschienen. Und bei
mindestens zwei Ausgaben pro Jahr soll es auch bleiben. "Mit diesem Magazin", so
Tamm, "wollen wir zum einen vermitteln, was sich an der Universität
Augsburg 'auf internationaler Ebene' alles tut: Projekte mit ausländischen
Studierenden, besondere Leistungen ausländischer Studierender oder
Initiativen, die Augsburg als internationalen Studienstandort weiter
voranbringen sollen. Daneben werden auch allgemeinere Fragen und Probleme einer
Internationalisierung des Studiums diskutiert - und vor allem zur Diskussion
gestellt. Denn im Sinne des Netzwerkgedankens soll das Magazin natürlich
keine kommunikative Einbahnstraße von uns zu unseren ausländischen
Ehemaligen sein. Wir wollen mit diesem Ma-gazin ein offenes Forum bieten, auf
dem uns - in erster Linie, aber keineswegs ausschließlich - unsere
Auslandsalumni sagen, was wir gut und was wir nicht so gut machen und was wir
aus ihrer Sicht besser machen könnten oder sollten. Wir freuen uns
über ihr Lob - keine Frage; aber wir sind gleichermaßen
empfänglich für ihre Kritik und offen für ihre Vorschläge.
Denn was das Thema 'ausländische Studierende an der Universität
Augsburg' betrifft, sind unsere ausländischen Ehemaligen aufgrund ihrer
eigenen Erfahrungen die Experten schlechthin. Wenn uns die 'alten' Freunde in
ihren Heimatländern in diesem Dialog erhalten bleiben, wird uns dies
helfen, neue ausländische Freunde für die Universität Augsburg zu
gewinnen."
PS: Bekanntlich sind es - z. B. im Umgang mit Ausländerbehörden -
nicht immer ausschließlich gute Erfahrungen, die das Expertentum
ausländischer Gäste in Sachen "Studieren in Deutschland" prägen.
Damit - mit den schlechten Erfahrungen - wird in Augsburg künftig Schluss
sein: In die Tage, in denen dieses Heft erscheint, fällt der offizielle
Start von "Willkommen an Augsburger Hochschulen": Auf Initiative der
Universität und des Studentenwerks und mit Unterstützung durch den
DAAD, das bayerische Wissenschaftsministerium und private Sponsoren haben sich
die drei Augsburger Hochschulen, das Studentenwerk und die Stadt Augsburg
erfolgreich auf die Einrichtung einer Hochschul-Betreuungsstelle der
Ausländerbehörde unmittelbar an der Universität verständigt.
Die Freude ist un-übersehbar. Und UniPress wird in der Juni-Ausgabe
ausführlich über das in dieser Form bundesweit einmalige Modellprojekt
berichten.
UniPress
Zuletzt geändert von presse@www.uni-augsburg.de
am Freitag, den 24. Mai 2002