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95/03 - 22. September 2003
Forscher aus Augsburg und Stanford berichten in PNAS:
Neue Technik macht das bislang "verborgene" Atom sichtbar
Wissenschaftler der Universität Augsburg und der Stanford
Universität in Kalifornien haben das bislang "verborgene" Atom in der
Oberfläche von Graphit abgebildet. Stefan Hembacher und Kollegen berichten
in Artikel 03-4173 der "Proceedings of the National Academy of Sciences of the
United States of America" (PNAS), dass sie mit ihrer neuen Technik erstmals alle
Kohlenstoffatome innerhalb des Molekülbausteins, der sich milliardenfach
fortgesetzt zu einem Graphitkristall verbindet, abbilden konnten.
Demgegenüber "sahen" frühere Abbildungstechniken nur jedes zweite
Oberflächenatom des Graphits. Graphit ist in vielen Alltagsprodukten
enthalten, wie Bleistiften, Schmiermitteln und Autoreifen. Für die
Nanowissenschaften ist Graphit aus vielen Gründen wichtig - der erste
Kontakt zur Welt einzelner Atome geht für die meisten Nanoforscher
über die Abbildung von Graphit mit einem Rastertunnelmikroskop. Das
Rastertunnelmikroskop zeigt aber nur die Hälfte der Atome.
Kombiniertes Rastertunnel- und Rasterkraftmikroskop
Bei den neuen Experimenten wurden das kombinierte Rastertunnel- und
Rasterkraftmikroskop und die Graphitprobe auf etwa 5 Grad über dem
absoluten Nullpunkt mit flüssigem Helium gekühlt, um das thermische
und elektronische Rauschen zu minimieren. Dieses Mikroskop wurde am EKM des
Instituts für Physik der Universität Augsburg entwickelt; es ist nicht
zuletzt aufgrund der tiefen Arbeitstemperaturen (-268°C) weltweit
einzigartig. Der ebenfalls in Augsburg entwickelte Kraftsensor besteht aus einem
Schwingquarz, wie er in gewöhnlichen Armbanduhren verwendet wird. Ein Arm
der Schwingquarzgabel trägt eine scharfe Spitze aus Wolfram, wird in
Schwingungen versetzt und über die Graphitoberfläche geführt. Das
Messsignal des Rastertunnelmikroskops, der Tunnelstrom, kann aufgrund der
elektronischen Struktur des Graphits nur durch jedes zweite Graphitatom
fließen. Die Schwingungsfrequenz der Spitze dagegen ändert sich durch
die auftretenden Abstoßungskräfte über jedem Atom der
Oberfläche.
Wie Mark C. Hersam und Yip-Wah Chung von der Northwestern University in Chicago
in einem begleitenden Kommentar betonen, könnte die neue Technik auch
für die Abbildung anderer weicher organischer und biologischer
Moleküle, welche sich mit gewöhnlichen Rastertunnelmikroskopen nur
schwierig abbilden lassen hilfreich sein.
"Revealing the hidden atom in graphite by low-temperature atomic force
microscopy" von Stefan Hembacher, Franz J. Giessibl, Jochen Mannhart and Calvin
F. Quate, Proceedings of the National Academy of Sciences (USA), article
03-4173, volume 100 (2003)
Vorabveröffentlichung: http://www.pnas.org/
Fotos zu dieser Pressemitteilung in der idw-Ausgabe:
http://idw-online.de/public/zeige_pm.html?pmid=69327
Kontakt und weitere Informationen:
Priv. Doz. Dr. Franz Giessibl
English Summary: Seeking out Hidden Graphite Atoms
A new imaging technique reveals "hidden" graphite atoms, allowing the complete
atomic structure of this common form of carbon to be visualized. The
visualization of individual atoms became possible in 1982 with the invention of
scanning tunneling microscopy (STM). However, STM detects only half of the atoms
in a graphite molecule, missing every second atom in the repeating, hexagonal
structure. To solve this hidden atom problem, Stefan Hembacher and colleagues
developed a new technique described in article #4173.
In the researcher's setup, the entire microscope and graphite sample are cooled
with liquid helium to about 5 degrees above absolute zero to diminish thermal
and electrical noise. A tungsten tip travels across the graphite surface and
senses the forces between it and the graphite. The microscope measures both the
repulsive force and the electric current that flows between the tip and the
surface. The author's measurements showed that forces are acting on all atoms on
the graphite surface, but current only flows from every other atom. This
explains why STM, which only senses current, is unable to detect half the
atoms.
As Mark C. Hersam and Yip-Wah Chung note in an accompanying commentary, this new
technique may be useful for studying other "soft" organic and biological
molecules that are difficult to analyze with traditional scanning tunneling
microscopy.
PD 95/03, Seite 2 von 3
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