Untersuchung zur Situation stellvertretender Schulleiter/innen
weist Wege zur Aktivierung ungenutzter Potentiale für eine Verbesserung der
Schulqualität
Qualität von Schule wird nachweislich von der Leitung einer Schule stark
beeinflusst. Erkenntnisse zur Verbesserung von Schulqualität erhalten zu
wollen, heißt deshalb nicht zuletzt, sich mit den Leitungspersonen und
deren Wirken zu befassen. Dabei kann es im Sinne eines zeitgemäßen
Leitungsteam-Gedankens ("kooperative Führung") nicht nur um die
Schulleiterinnen und Schulleiter selbst gehen, vielmehr müssen auch deren
Stellvertreterinnen und Stellvertreter verstärkt Berücksichtigung
finden müssen. Vor diesem Hintergrund ist in den Jahren 2002/03 am Institut
für pädagogische Fortbildung und Führung (IPFF) im Bayerischen
Schulleitungsverband eine "Konrektorenstudie" erarbeitet worden, der Ergebnisse
mittlerweile als Sonderausgabe 1/2003 in der Reihe "Argumente und Materialen zum
Zeitgeschehen" der Hanns-Seidel-Stiftung erschienen sind.
Geleitet wurde das vom Bayerischen Schulleitungsverband (BSV) und von der
Hanns-Seidel-Stiftung finanzierte Projekt von Dr. Peter O. Chott, selbst
Schulleiter und zugleich Privatdozent am Augsburger Lehrstuhl für
Schulpädagogik (Prof. Dr. Dr. Werner Wiater). "Mit unserer Studie über
Konrektorinnen und Konrektoren bzw. über Stellvertreterinnen und
Stellvertreter von Schulleiterinnen und Schulleitern", erläutert Chott,
"wollten wir detaillierte Auskunft insbesondere über deren
Arbeitsbedingungen, Aufgaben und Funktionen sowie schulische und
persönliche Ziele gewinnen. Denn nur auf der Grundlage entsprechender
Einsichten und Erkenntnisse lassen sich konstruktive Schlüsse ziehen - etwa
mit Blick auf einen effektiveren Einsatz der Stellvertreterinnen und
Stellvertreter oder mit Blick auf eine gezielte und erfolgreiche
Nachwuchsförderung oder auch hinsichtlich des Leitungsteam-Gedankens."
Das Datenmaterial wurde mit einem an alle 3227 bayerischen Grund- Haupt- und
Förderschulen verschickten Fragebogens erhoben. Die Rücklaufquote lag
bei 28 Prozent. In Kürze lassen sich die Schlüsse, die die Studie aus
den Ergebnissen dieser Befragung zieht, in neun Punkten zusammenfassen:
Konrektorinnen und Konrektoren (KR), v. a. aber die Stellvertreterinnen und
Stellvertreter (StV) an kleineren Schulen, stehen im schulischen Alltag als
Berufsgruppe eher im Schatten. Es gilt deshalb, künftig ihre Leistungen
stärker anzuerkennen und entsprechend (z. B. durch Anrechnungsstunden) zu
honorieren.
KR/StV sind
an ihren Schulen mit vielfältigen Aufgaben, inbesondere mit Verwaltungs-
und Organisationsaufgaben betraut. Um im Sinne einer "kooperativen Führung"
die künftig noch umfangreicher werdenden personalbezogenen
Schulleitungsaufgaben mit tragen und mit bewältigen zu können,
müssen die KR/StV vor allem Fachberater-, Beratungslehrer- und sonstige
leitungsferne Tätigkeiten aufgeben oder zumindest einschränken.
Die
Führungsrolle des KR/StV erscheint wenig deutlich abgegrenzt vom "normalen"
Lehrerkollegen. Sie muss deshalb exakter beschrieben, als Führungsaufgabe
bewusst gemacht und in der Schule - wo nötig - implementiert werden.
"Kooperatives Führen" bedeutet für die KR/StV auch, die
"Vermittlungsfunktion" zwischen Kollegium und Schulleiter aufzugeben und ein
Klima des Miteinanders und der Offenheit an der Schule (weiter) zu
fördern.
Für die
Zusammenarbeit zwischen KR/StV und Rektoren/Schulleitern ist eine sinnvolle
Definition der jeweiligen Arbeitsbereiche geboten; diese sollte in einem
individuellen schuleigenen individuellen Geschäftsverteilungsplan fixiert
werden.
KR/StV
fühlen sich im Allgemeinen bei ihrer Arbeit und an ihrer Schule wohl. Es
gilt, dieses Befinden zu erhalten, gleichzeitig aber die KR/StV gezielter in die
Führung der Schule einzubinden, um es ihnen zu ermöglichen, den
künftigen Schulleitungsaufgaben professioneller gerecht zu werden.
Die
Kooperation zwischen dem Schulleiter und den KR/StV muss dort verbessert und
Transparenz muss dort geschaffen werden, wo die KR/StV bislang kaum oder nicht
an Entscheidungen beteiligt werden.
KR/StV
werden von Schulamtsvertretern in vielen Dingen unterstützt. Sie sollten
als Ansprechpartner aber nicht nur in Konfliktfällen ernst genommen werden,
und auch dort, wo es um eine zielgenauere Rekrutierung neuer KR/StV geht, sollte
die Kommunikation ausgebaut und verbessert werden.
Die Aus- und
Weiterbildung der KR, insbesondere aber der Stellvertreter wird von diesen
selbst größtenteils als unzureichend empfunden. Zur
Professionalisierung der Berufsgruppe der KR/StV gehört deshalb die
Ausweitung der "Erprobungskurse" sowie die Verbesserung und Verstärkung der
Vorbereitungskurse für zukünftige KR/StV.
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Peter O. Chott/Gisela Schmirber (Hgg.): Konrektorenstudie - Ergebnisse der
Befragung von Konrektor(inn)en und Stellvertreter(inne)n an Grund-, Haupt- und
Förderschulen in Bayern im Jahr 2002 (= Argumente und Materialen zum
Zeitgeschehen - Sonderausgabe 1/2003), München, Hanns-Seidel-Stiftung,
2003
Die Publikation kann bei der Hanns-Seidel-Stiftung kostenlos bestellt werden
(http://www.hss.de/4703.shtml), steht auf der Seite
http://www.schulpaed.de/auswertung.htm aber auch als pdf zur Verfügung.
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Kontakt und weitere Informationen:
Priv. Doz. Dr. Peter O. Chott
c/o Lehrstuhl für Schulpädagogik
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5571
pchott@t-online.de
http://www.schulpaed.de