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85/04 - 10. Juni 2004
Science über Mikroskopiefortschritte an der Universität
Augsburg:
Zweihundertmillionenfache Vergrößerung und bislang
unerreichtes Auflösungsvermögen
Wie das US amerikanische Wissenschaftsmagazin Science (Science express
online-Ausgabe vom 10. Juni 2004) berichtet, hat ein Forscher-Team der
Universität Augsburg das räumliche Auflösungsvermögen der
Mikroskopie weiter verbessert (S. Hembacher, F.J. Giessibl, J. Mannhart, "Force
microscopy with light atom probes", Science express online-Ausgabe vom 10. Juni
2004). Die Wissenschaftler bildeten ein einzelnes Wolframatom mit einem
Rasterkraftmikroskop ab und fanden innerhalb des Atoms vier Bereiche
erhöhter Elektronendichte die in den Bildern als Elektronenwolken
erscheinen (Abbildung 1). Bei einer Breite des Bildes von 5 cm entspricht die
Vergrößerung dem zweihundertmillionenfachen. Das
Auflösungsvermögen des Bildes beträgt 77 pm, ein bislang
unerreichter Wert. Die abgebildete Elektronenstruktur hat ihren Ursprung in den
quantenmechanischen Eigenheiten des kristallinen Wolframs. Die Kristallstruktur
von Wolfram ist kubisch raumzentriert, jedes Wolframatom ist also von acht
nächsten Nachbarn umgeben und bildet zu diesen Bindungen mit lokal
erhöhten Elektronendichten aus. Von diesen acht Elektronenwolken
können vier Wolken an der Kristalloberfläche beobachtet werden.
In der Rasterkraftmikroskopie werden die zu untersuchenden Proben mit einer sehr
feinen Spitze mechanisch abgetastet. Aus der räumlichen Variation der
Kräfte zwischen Probe und Spitze wird das Mikroskopiebild gewonnen. Um die
bestmögliche Auflösung zu erhalten, war es für die Forscher
wichtig, als atomare Sonde ein sehr kleines, leichtes Atom zu verwenden.
Kohlenstoffatome in Graphitkristallen sind hierfür hervorragende
Kandidataten. Da Graphitkristalle eben sind, drehten die Wissenschaftler die
Rolle von Sonde und Probe einfach um: das aus einer scharfen Wolframspitze
herausragende letzte Atom wird von einem leichten Kohlenstoffatom des Graphits
abgebildet. Dieser Fortschritt wurde durch mehrere Innovationen
ermöglicht:
Auswertung der Oberschwingungen
Die zwischen der Spitze und der Probe wirkende Kraft wurde bislang entweder
durch die statische Durchbiegung eines die Spitze tragenden Federbalkens oder
durch die Frequenzänderung eines schwingenden Federbalkens (in Abbildung 2
oben links) gemessen. Eigentlich interessiert man sich aber nicht für die
gesamte zwischen Spitze und Probe wirkende Kraft, sondern nur für den
Anteil zwischen dem Atom, das aus der Spitze am weitesten hervorsteht
(Frontatom) und dem ihm nächsten Probenatom. Ein zentrales Problem der
Kraftmikroskopie ist das Herauslösen des Frontatom-Beitrags. Anstatt einer
statischen Durchbiegung oder einer Frequenzänderung werden in diesem
Experiment Oberschwingungen des Federbalkens ausgewertet, die durch die
Wechselwirkung zwischen Spitze und Probe entstehen. Diese Oberschwingungen
reagieren auf die kurzreichweitigen inneratomaren Kräfte wesentlich
empfindlicher als die statische Durchbiegung des Balkens oder seine
Frequenzänderung.
5 Grad über dem absoluten Temperaturnullpunkt im Ultrahochvakuum
Das Experiment wurde in einem neuartigen Mikroskop (Abbildung 3)
durchgeführt, das auf eine Temperatur von nur 5 Grad über dem
absoluten Temperaturnullpunkt abgekühlt ist. Außerdem arbeitet das
Instrument im Ultrahochvakuum mit einem Druck von etwa 1x10^-13 einer
Atmosphäre. Das Mikroskop ist auf ein 30 t schweres Fundament gebaut und
von externen Störungen wie etwa Schall und elektromagnetischen
Störfeldern durch eine metallische Schallschutzkammer isoliert. Der Aufbau
dieses Mikroskops am Institut für Physik der Universität Augsburg
wurde durch ein langfristiges gemeinsames Forschungsprojekt (EKM) des Freistaats
Bayern und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit einer
Projektbetreuung durch das VDI gefördert.
Auflösung gegenüber dem Jahr 2000 verdreifacht
Bereits im Jahr 2000 fand die Forschergruppe Strukturen innerhalb einzelner
Atome - siehe Giessibl, Hembacher, Bielefeldt, Mannhart, Subatomic Features on
the Silicon (111)-(7x7) Surface Observed by Atomic Force Microscopy", Science
289, 422, 2000. Die damaligen Ergebnisse wurden auf Silizium erzielt, einem
Material das ausgeprägte kovalente Bindungen zeigt, mit einem großen
Abstand der beiden Ladungskeulen von etwa 230 pm. Im neuen Experiment ist die
räumliche Auflösung verdreifacht, zudem wurde der kovalente
Bindungscharakter erstmals in einem Metall abgebildet.
Verbesserungen der Mikroskopie waren in vielen Fällen die Grundlage
für wesentliche Fortschritte in den Naturwissenschaften. Es wird erwartet,
dass auch diese Weiterentwicklung der Rasterkraftmikroskopie von großem
Nutzen für die Nanotechnologie sein wird.
Kontakt und weitere Informationen:
Lehrstuhl für Experimentalphysik VI/EKM
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