Augsburger Physiker untersuchen im Auftrag des BMU die Wirkungen
nicht-ionisierender elektromagnetischer Strahlung auf zellulärer und
subzellulärer Ebene
Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ein
Forschungsprojekt über die Wirkung nicht-ionisierender elektromagnetischer
Strahlung auf molekularer Ebene an das Institut für Physik der
Universität Augsburg vergeben. Nicht-ionisierende Strahlung wird gemeinhin
als "Elektrosmog" bezeichnet. Über ihre Wirkung auf zellulärer und
subzellulärer Ebene - insbesondere im Mobilfunk-Frequenzbereich - ist nur
sehr wenig bekannt. Bislang wurden Grenzwerte unter Zugrundelegung rein
thermischer Belastungen abgeschätzt und empfohlen. Nun soll im Rahmen des
Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms (DMF) die direkte Wirkung der
"Handy-Strahlung" auf den Mikroorganismus detailliert untersucht werden.
Von biologisch-medizinischer Seite ist seit langem bekannt, dass im Organismus
im Bereich der Zellen elektrische Felder allgegenwärtig sind. Intern
generierte elektrische Signale von Zellen zeigen den Status des Mikroorganismus,
äußere elektrische Felder stimulieren die Protein-Biosynthese und
Zellteilung. Zellen und subzelluläre Einheiten interagieren mit ihrer
Umgebung über den Austausch von Ionen und über die Änderung des
elektrochemischen Potentials. Elektrische Felder und Potentialdifferenzen
über die Plasma-Membranen spielen für die Funktionalität der
Zellen eine wesentliche Rolle. Insgesamt sind Membran-Proteine hochempfindliche
elektronisch-biologische Apparate, die auf Änderungen elektrischer Felder
instantan reagieren.
Die Untersuchung, mit der die Forscher am Augsburger Physik-Institut jetzt
beauftragt wurden, ist darauf ausgerichtet, etwaige Störungen der
Funktionalität oder sonstige Schädigungen von Zellen zu entdecken, die
auf externe elektromagnetische Strahlung zurückzuführen sind. Dabei
sollen insbesondere Mobilfunk-Frequenzen im Bereich von 500 MHz bis 5 GHz mit
einer Intensität, die unserer täglichen Belastung entspricht, für
die Untersuchungen benutzt werden.
Durch seine für diesen Themenkomplex ideal geeignete Expertise konnte das
Institut für Physik der Universität Augsburg die Ausschreibung des BfS
im Wettbewerb für sich entscheiden. Am Projekt beteiligt sind drei
Arbeitsgruppen: Die Federführung liegt beim Lehrstuhl für
Experimentalphysik V/EKM. Prof. Dr. Alois Loidl und Dipl.-Phys. Rudolf Gulich
führen hier dielektrische Spektroskopie an Zellen, Proteinen und Membranen
durch und besorgen mikroskopische Netzwerkanalysen. Am Lehrstuhl für
Experimentalphysik I sind Prof. Dr. Achim Wixforth und Dr. Matthias Schneider
mit der Lösung biophysikalischer Fragestellungen und der Untersuchung von
elektrischem Transport an einzelnen Zellen befasst. Am Lehrstuhl für
Theoretische Physik I besorgen Prof. Dr. Peter Hänggi und Dr. Gerhard
Schmid die theoretische Begleitung des Projekts, wobei hier der Ladungstransport
in biologischen Materialien sowie die Bedeutung von
Nicht-Gleichgewichtsprozessen bei biophysikalischen Prozessen im Mittelpunkt des
Interesses stehen.
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Pressekontakt:
Prof. Dr. Alois Loidl
Lehrstuhl für Experimentalphysik V/EKM
Telefon 0821/598-3600
alois.loidl@physik.uni-augsburg.de