Breite Zustimmung lässt den Augsburger Physiker Ulrich
Eckern optimistisch in die "ECCE Birzeit"-Zukunft blicken.
Der Aufbau eines mathematisch-physikalischen Wissenschaftszentrums an der
Birzeit-Universität in Palästina ist das Ziel einer internationalen
Initiative, die jetzt einen entscheidenden Schritt vorangekommen ist. Am 1.
Dezember 2006 wurde eine Vereinbarung zur Einrichtung eines "UNESCO Chair"
zwischen der UNESCO und der Birzeit-Universität unterzeichnet. Diese
Professur, die voraussichtlich zum 1. September 2007 besetzt werden wird, soll
als Keimzelle für das geplante Exzellenzzentrum ECCE Birzeit dienen.
ECCE Birzeit, in dem Mathematiker und theoretische Physikern eng kooperieren
werden, soll durch die Erforschung mathematischer und theoretisch-physikalischer
Themen auf hohem, international konkurrenzfähigem Niveau die
Universitätsentwicklung und die technologische Entwicklung in der Region
nachhaltig befördern. Das Wissenschaftszentrum wird zudem wesentlich zur
Verbesserung der Lehrerausbildung in den naturwissenschaftlichen Grundlagen
beitragen. Und nicht zuletzt: Mathematik und Physik sind "harte" Wissenschaften,
deren Ergebnisse sich nur der Logik und nachprüfbaren Experimenten zu
stellen haben. Daher hoffen die Initiatoren, dass mit ECCE Birzeit auch die
Kommunikation über Grenzen hinweg erleichtert und somit das Projekt
langfristig einen Beitrag zum Friedensprozess im Nahen Osten leisten wird.
Erste Schritte vor drei Jahren
Die Idee für dieses Wissenschaftszentrum in Birzeit wurde Ende 2003 von
zwei Augsburger Wisse nschaftlern, dem mittlerweile verstorbenen Mathematiker
Bernd Aulbach und dem Physiker Ulrich Eckern, gemeinsam mit ihrem Kollegen Saber
Elaydi (San Antonio, Texas, USA) entwickelt. "ECCE Birzeit" steht für
"European Committee for Establishing a Center of Excellence in Mathematics and
Theoretical Physics at Birzeit University, Palestine". Die Initiatoren hatten
keinerlei Schwierigkeiten, renommierte Mathematiker und Physiker als
Unterstützer zu gewinnen. Auch bei der Leitung der Birzeit-Universität
fand das Projekt von Beginn an uneingeschränkte Zustimmung. Als
entscheidend erwies sich der Kontakt zum UNESCO-Netzwerk "Palestinian European
Academic Cooperation in Education" (PEACE). Im Rahmen der Konferenz "University
Cooperation for the Progress of Civil Society in Palestine", die vom 25. bis zum
27. Februar 2005 in Bethlehem stattfand, konnte Eckern als einer der drei
Initiatoren das Projekt zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellen.
Sowohl in der Division of Higher Education als auch im International Basic
Sciences Programme der UNESCO stieß er mit der vorgetragenen Idee auf
breite Zustimmung.
UNESCO Chair & Network
Einem Vorschlag Georges Haddads, des Direktors der UNESCO-Division of Higher
Education, folgend, wurde im April 2006 ein Antrag zur Errichtung eines UNESCO
Chair & Network formuliert: "To establish a UNESCO Chair will be essential
for the success of ECCE Birzeit: the chair holder will play a vital role for the
further preparations of the project, in particular for the detailed planning of
the scientific programme and the indispensable - scientific and organisational -
contacts." Eingereicht wurde dieser Antrag dann von den Kernpartnern des
Projekts, also von der Birzeit-Universität (N. Kassis, Präsident), von
der Universität Augsburg (U. Eckern), von der Trinity University (S.
Elaydi), von der Universität Paris-Sud 11 (A. Suzor-Weiner,
Vize-Präsidentin) und vom PEACE-Präsidenten Rami Hamdallah (An-Najah
National University, Nablus).
Nachdem die grundsätzliche Zustimmung der zuständigen Stellen Anfang
November 2006 vorlag, konnte die entsprechende Vereinbarung für den UNESCO
Chair am 1. Dezember 2006 in Paris zum Abschluss des "Colloquium on Research and
Higher Education Policy", an dem alle Akteure teilnahmen, unterzeichnet werden.
Entscheidend am Gelingen beteiligt war Marcio Barbosa, Deputy Director-General
der UNESCO. Wichtig war auch, dass das "International Basic Sciences Programme"
eine finanzielle Starthilfe in Aussicht gestellt hat. Die UNESCO-Professur in
Birzeit könnte damit das erste Beispiel einer fruchtbaren Zusammenarbeit
zwischen den beiden UNESCO-Abteilungen "Division of Higher Education" und
"International Basic Sciences Programme" werden.
Zwanzig Professuren mit Ausstattung als Ziel
Weitergehende Anstrengungen zur Realisierung von ECCE Birzeit, das ein Zentrum
mit höchster wissenschaftlicher Reputation werden soll, sind nötig.
Der Plan sieht insgesamt etwa 20 Professuren vor, je zur Hälfte in der
Mathematik und in der theoretischen Physik, weiterhin 20 promovierte
wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie etwa 35 Angestellte in
der Infrastruktur. Auf dieser Basis wurde ein detaillierter Kostenplan erstellt.
Das notwendige Gelände, rund 35.000 Quadratmeter, wird von der
Birzeit-Universität gestiftet werden. Unabhängig davon ist freilich
klar, dass das Projekt nur in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen
und Institutionen realisiert werden kann, wobei insbesondere die
Europäische Union als gewichtiger Partner gewonnen werden soll. Wesentliche
Beiträge werden aber auch von privaten Sponsoren erwartet. Bei
optimistischer Betrachtung könnte das Wissenschaftszentrum Ende 2009 oder
Anfang 2010 seinen Betrieb aufnehmen.
Zahlreiche Partner und Partnerschaftsperspektiven
Zusätzlich zu den 25 Mathematikern und Physikern, die ihre
Unterstützung für das Projekt zugesagt haben, wird ECCE Birzeit von
der Kooperation mit verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen profitieren.
Zu den Partnern gehören u. a. das Abdus Salam International Centre for
Theoretical Physics (ICTP), Trieste, Italy; das Center for Advanced Mathematical
Sciences, American University of Beirut, Lebanon; das Center for Applied
Mathematics and Theoretical Physics (CAMTP), Maribor, Slovenia; die
Interdivisional Group Physics for Development der European Physical Society; die
International Society of Difference Equations; oder z. B. auch die International
Union of Pure and Applied Physics (IUPAP), C13: Physics for Development. Weitere
Kooperationsmöglichkeiten könnten sich mit SESAME, der
Synchrotron-Quelle in Jordanien, und dem UNESCO Chair für Mathematik und
Entwicklung in Tunis ergeben.
Hoher wissenschaftlicher Standard
ECCE Birzeit wird in enger Kooperation mit der Birzeit-Universität und mit
den anderen Universitäten im Palestine Council of Higher Education
errichtet werden. Zugleich soll das Zentrum aber eine gewisse
Unabhängigkeit bewahren. Ein Steering Committee, besetzt sowohl mit
Wissenschaftlern aus der internationalen Community als auch Vertretern der
palästinensischen Universitäten und Vertretern internationaler
Organisationen, soll baldmöglichst eingerichtet werden. Dieses Komitee wird
für den hohen, international konkurrenzfähigen wissenschaftlichen
Standard des Zentrums und die thematische Ausrichtung zuständig sein.
Mut machende Zustimmung
"ECCE Birzeit ist fraglos ein sehr ehrgeiziges Projekt, und sicher sind noch
zahlreiche Schwierigkeiten und Probleme zu überwinden", meint Ulrich
Eckern, einer der Initiatoren aus Augsburg, "aber zugleich macht uns die
einhellige Zustimmung Mut, die das Projekt in den letzten zwei Jahren von
zahlreichen Wissenschaftlern weltweit und auch von den palästinensischen
Universitäten erfahren hat."
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Fotos zu dieser Pressemitteilung:
http://idw.tu-clausthal.de/pages/de/news189868
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Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich Eckern
Institut für Physik, Universität Augsburg, 86135 Augsburg
Telefon +49(0)821-598-3236
ulrich.eckern@physik.uni-augsburg.de
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Weitere Informationen im Internet:
http://www.physik.uni-augsburg.de/ifk/ecce/
http://www.unesco.de/803.html
http://www.birzeit.edu/news/news-d?news_id=190488
http://idw-online.de/pages/de/news111930
http://www.birzeit.edu/
http://www.unesco.org/general/eng/programmes/peace-palestine/