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Pressemitteilung 164/2007

164/07 - 22. November 2007 (korr.22.11.)

Forschergruppe des Augsburger Biophysikers Dr. Matthias Schneider:

Mit BMBF-Innovationspreis ausgezeichnet und demnächst in "Nano"

Im Beitrag "Wenn Blut gerinnt" zeigt das 3Sat Wissensmagazin Nano, wie Physiker und Mediziner aus Augsburg, München und Münster ein großes Rätsel der Blutgerinnung gelöst haben.

Im Mai dieses Jahres berichteten Augsburger und Münchner Physiker der Nanosystems Initiative Munich (NIM) und Münsteraner Mediziner in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) über einen von ihnen gemeinsam erzielten entscheidenden Fortschritt beim Verständnis der physikalischen Vorgänge der initialen Blutgerinnung (http://idw-online.de/pages/de/news206846). Die einschlägige Arbeit der federführenden Augsburger Arbeitsgruppe von Dr. Matthias F. Schneider (Lehrstuhl für Experimentaphysik I) und ihrer Partner wurde von einer internationalen hochkarätigen Jury als ein Meilenstein (Landmark) in der biologischen/medizinischen Physik bezeichnet, ein auf ihren Grundlagenforschungen aufbauendes Transfer-Projekt hat jüngst einen hochdotierten BMBF-Innovationspreis für Medizintechnik erhalten. Mit den Forschungsarbeiten und -ergebnissen befasst sich auch der Beitrag "Wenn Blut gerinnt: Ein 100 Mikrometer langer Faden lässt das Blut gerinnen", der jüngst am Augsburger Physik-Institut gedreht worden ist und in nächster Zeit mehrfach auf 3Sat sowie in den Dritten Programmen der ARD im Wissensmagazin "Nano" gezeigt werden wird. Die Sendetermine werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Unter Nutzung der an der Universität Augsburg entwickelten Methode des "Chip-Labors", bei der auf einer Chipoberfläche von nur einigen Millimetern durch akustischen Oberflächenwellen eine Strömung in einem nur wenige Mikrometer breiten Kanal erzeugt wird, haben Schneider und seine Kollegen zeigen können, wie der von-Willebrand-Faktors (VWF) - ein hoch spezialisiertes Makromolekül, das im gesunden Organismus für die Einleitung der Blutgerinnung nach einer Verletzung eines Blutgefässes sorgt - durch höhere Fließgeschwindigkeiten des Blutes aktiviert wird.

Die Versuche im Chip-Labor ergaben, dass bei sehr hohen Fließgeschwindigkeiten der VWF plötzlich von einer ca. 2 Mikrometer großen Kugel zu einem 100 Mikrometer langen Faden wird und dadurch Bindungsstellen zur Verfügung gestellt werden, die vorher im Inneren der Kugel lagen. Mit ihnen kann der VWF nun sehr effektiv an verschiedene Eiweiße der verletzten Gefäßwand anbinden. Zudem kommt es unter dauerhaft starker Strömung zur Quervernetzung mehrerer VWF-Fäden. An dieses Faser-Netzwerk können Blutplättchen leicht und verlässlich anbinden, was zur effektiven Bildung eines kleinen Blutpfropfens und damit zum Wundverschluss führt.

BMBF-Innovationspreis für das Chip-Labor

Eine Weiterentwicklung auf der Grundlage dieser Ergebnisse, die zur Verbesserung der Diagnostik von Gerinnungsstörungen genutzt werden soll, ist am 18. Oktober 2007 in Berlin mit einem Innovationspreis für Medizintechnik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bedacht worden. Störungen der Blutgerinnung, so hieß es, könnten mit dem neuartigen Chip, auf dem Schallwellen die Blutprobe des Patienten durch eine Miniatur-Nachbildung der Blutgefäße pumpen, zuverlässiger, schneller und kostengünstiger erkannt werden. Mit dem neuen Verfahren ließen sich die zahlreichen Bestandteile der Blutgerinnung besser beurteilen als mit herkömmlichen statischen Messmethoden.

Neben Matthias Schneiders Augsburger Arbeitsgruppe, der von Dr. Zeno Guttenberg vertretenen Firma Advalytix (Olmypus Life and Material Science) und den Münsteraner Medizinern unter Leitung von Prof. Dr. Stefan W. Schneider sind an dem preisgekrönten Transfer-Projekt auch Dr. Ute Klinkhardt und Prof. Dr. S. Harder (Frankfurt) sowie die Firma ibidi (München) beteiligt.

Unter 92 Wettbewerbseinreichungen war Schneiders Chip-Labor eines von insgesamt nur vier Projekten, die in der Kategorie "Projekte aus der marktnahen Forschung" bzw. zum Zuge gekommen sind. Mit dem Preis verbunden ist eine Förderung des Transfervorhabens im Umfang von ca. einer Million Euro.

Interdisziplinäre Kooperation von Physik und Medizin auf gleicher Augenhöhe

"Die Erkenntnis ist das sicherste Mittel, einen bestimmten Zweck zu erreichen" zitiert M. F. Schneider den berühmten Physiker Max Planck. Dies gelte auch hier und sollte bei aller Liebe zur Anwendung gerade bei der Vergabe von Forschungsgeldern nicht vergessen werden: "Unsere aus der Grundlagenforschung gewonnen Einsichten sind der Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung der Technologie. Entscheidend für diese Einsichten sowie neu und einzigartig war unser fächerübergreifender Ansatz, also die wirklich interdisziplinäre Konstellation mit Physik und Medizin auf gleicher Augenhöhe", meint der Augsburger Biophysiker, der gemeinsam mit seinem Bruder Prof. S. W. Schneider (Medizinischen Fakultät der Universität Münster, Dermatologisches Institut) den gewissermaßen "interdisziplinäre Kopf" des Projekts bildet und den Erfolg der fachübergreifenden Kooperation nicht zuletzt auf diese familiären Beziehung zurückführt.
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Kontakt und weitere Informationen:

Dr. Matthias F. Schneider
Institut für Physik, Universität Augsburg
Universitätsstraße 1, D-86159 Augsburg
Telefon: +49 (0)821/598-3311, Fax: +49 (0)821/598-3225
matthias.schneider@physik.uni-augsburg.de
http://www.physik.uni-augsburg.de/exp1/schneider/schneider.html
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Siehe auch http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/1787.php



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