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UPD 128/10 - 21.06.2010

Verleihung beim WiWi-Fakultätstag am 2. Juli:

Viermetz-Wissenschaftspreis 2010 für den Mobile Business-Experten Priv. Doz. Dr. Key Pousttchi

Durch die internationale Beachtung, die seine ausgeprägt praxisbezogene Forschung genießt, und durch sein hochwertiges Lehrangebot trägt der Wirtschaftsinformatiker im Urteil der Jury in außergewöhnlich hohem Maße zur Stärkung des Profils der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg bei.


Augsburg/KPP - Seine Forschung finde in hohem Umfang internationale Beachtung, sie zeichne sich weiterhin durch einen ausgeprägten Praxisbezug au, und sein hochwertiges Lehrangebot stehe der Qualität seiner Forschung in nichts nach: Aufgrund dieser Argumente hat sich die Jury des Wissenschaftspreises der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung für den Wirtschaftsinformatiker PD Dr. Key Pousttchi als diesjährigen Preisträger entschieden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird Pousttchi am 2. Juli 2010 im Rahmen des Fakultätstags der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät überreicht. Der wissenschaftliche Teil des Fakultätstags steht ganz im Zeichen eines Kolloquiums zu einem Thema aus dem Spezialgebiet des Preisträgers: "Die Zukunft ist 'Mobile'- Telekommunikationsmärkte im Umbruch".

Key Pousttchi trat nach dem Abitur 1989 als Offizieranwärter in die Bundeswehr ein und studierte von 1992 bis 1996 Wirtschafts- und Organisationswissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik an der Universität der Bundeswehr München. Nach erfolgreichem Abschluss setzte er zunächst seine Karriere als Offizier fort, u.a. als Abteilungsleiter der Deutsch-Französischen Brigade beim Auslandseinsatz im ehemaligen Jugoslawien und als Dezernent für integrierte Informationsverarbeitung in einer F&E-Gruppe sowie zuletzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Bundeswehr München, Fakultät für Informatik. 2001 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am neu eingerichteten Augsburger Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering (Prof. Dr. Klaus Turowski), wo er die Mobile-Business-Forschung und die Forschungsgruppe wi-mobile aufbaute und als Leiter dieser Gruppe nach der Promotion 2004 Wissenschaftlicher Assistent (C1) wurde. Nach der Habilitation 2009 und einer Vertretungsprofessur an der Universität Magdeburg wurde er 2010 in Augsburg zum Akademischen Oberrat ernannt.

Mobile Business als zentrales Forschungsthema

Pousttchi gehörte seit dem Jahr 2000 mit zur "Gründergeneration" der Mobile-Business-Forscher in Deutschland, die sich Gedanken darüber machten, was UMTS denn nun wirklich für die Entwicklung der Dienste und Märkte bedeutet und wo Chancen und Hindernisse liegen. Eines der ersten Themen auf diesem Weg war das M-Payment, das "Bezahlen mit dem Handy", das sich früh als fehlender Enabler für mobile Dienste einerseits und selbst als attraktiver mobiler Dienst zum Bezahlen in der realen Welt andererseits entpuppte. 2004 entwickelte Pousttchi das Mobile-Payment-Referenzmodell und legte damit nicht nur eine Systematisierung, sondern vor allem auch einen Konstruktionsvorschlag für ein großflächiges Kooperationsmodell und dessen technische Umsetzung vor. Auf dieser Basis leitete er 2004 - 2005 das "National Roundtable M-Payment" der deutschen Banken und Mobilfunkanbieter. "In Wirklichkeit haben damals nur wenige die Notwendigkeit einer Kooperation erkannt", so Pousttchi im Rückblick. Dementsprechend zäh waren die Verhandlungen: Die Marktteilnehmer einigten sich nicht und Deutschlands Chance, mit wissenschaftlicher Unterstützung international einer der Vorreiter im M-Payment zu werden, blieb ungenutzt. In neuerer Zeit entwickelte er mit seinem Team Methoden zur ingenieurmäßigen Konstruktion von Mobile-Payment-Geschäftsmodellen. Sie erlauben es einzelnen Marktteilnehmern, die ungewöhnlich hohe Zahl an Einflussfaktoren und Interdependenzen systematisch zu bewältigen und sind nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher Publikation, sondern auch Grundlage für Strategieberatungsprojekte der Forschungsgruppe wi-mobile geworden. Dabei steht Pousttchi auch international in der ersten Reihe: Vortragseinladungen von Mobile-Payment-Praktikern nach Asien und Nordamerika folgten, in Kanada trug man ihm die Leitung des "Canadian Think Tank on Mobile Payment & Banking" an und die "New York Times" befragte ihn zu den Aussichten für das Bezahlen mit dem Handy in den USA.

Parallel zu den Mobile Financial Services baute er seit 2003 sukzessive weitere Forschungsthemen auf, zunächst den Einsatz mobiler Technologien in Organisationen, insbesondere anhand mobil-integrierter Geschäftsprozesse und der Verbindung von Techniken des Business Process Reengineering mit dem Einsatz von mobilen Endgeräten und RFID-Technologie. 2006 - 2007 war er Mitglied des Expertengremiums "Mobile Enterprise" für das Bundeswirtschaftsministerium. Für einen Artikel aus diesem Bereich hatte er zuvor 2003 in New York das erste Mal die Auszeichnung für die beste Forschungsleistung von der International Conference on Mobile Business erhalten. Für einen Artikel aus dem Bereich des Nutzerverhaltens im Mobile Marketing erhielt er 2008 in Barcelona als erster Forscher überhaupt diese Auszeichnung zum zweiten Mal. Derzeit steht für Pousttchi und seine Gruppe vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie Telekommunikationsmärkte in Zukunft aussehen werden. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit", so Pousttchi, "bis die meisten Mobilfunkanbieter sich kein eigenes Netz mehr leisten können und mit traditionellen Sprach- und Datendiensten auch nicht mehr ausreichend Geld verdienen - aber wo sind ihre zukünftigen Geschäftsmodelle?" Außerdem befasst er sich mit den Auswirkung von mobilen Diensten und Mobile-Payment-Systemen in Entwicklungsländern, wo sie eine völlig andere Rolle haben als in Europa und für viele Menschen erstmals eine Teilnahme an wirtschaftlichen und politischen Prozessen ermöglichen werden. Die erstmalige Möglichkeit zu einer modernen Wirtschaft mit bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten ("Banking the unbanked") ist hier nur der Anfang.

International wahrgenommene Forschung

Die Jury des Viermetz-Wissenschaftspreises betont ebenfalls besonders die Publikationsleistung des Augsburger Wissenschaftlers: "Die wissenschaftlichen Publikationen von Herrn Pousttchi in Fachzeitschriften und Kongressbeiträgen sind von der Zahl (mehr als 60) und der Qualität sehr beachtlich", so die Jury. Dieses Urteil wird u. a. durch die beiden Auszeichnungen der International Conference on Mobile Business, der bedeutendsten Tagung seines Fachgebietes, gestützt. Auch seine beiden Monographien stießen auf große Resonanz in der Fachwelt, und 2009 erschien ein Beitrag von ihm im Journal of Information Technology, das zu den acht weltweit besten IS-Journalen gezählt wird. Vortragseinladungen in Europa, Nordamerika und Asien sowie die Beachtung seiner Forschung in der Öffentlichkeit, etwa durch mehrere Berichte des Deutschlandfunks und weiterer Wissenschaftssendungen im Hörfunk sowie Berichte im Fernsehen bestätigen in den Augen der Jury, dass Pousttchi das Preiskriterium einer international besonders starken Wahrnehmung in höchstem Maß erfülle.

Ausgeprägter Praxisbezug

Hervorgehoben wird ferner der ausgeprägte Praxisbezug von Pousttchis wissenschaftlicher Forschung. Dabei handele es sich zunächst nicht um Auftrags-, sondern um aus wissenschaftlichem Interesse mit eigenen Mitteln betriebene Forschung. Aus deren Ergebnissen resultierten dann freilich häufig Beratungsprojekte für renommierte Industrieunternehmen mit wiederum neuen Impulsen für weitergehende Forschung.

Vater der - inzwischen Berliner - MCTA

Mit der Gründung der Konferenz "Mobile Communications - Technologien und Anwendungen (MCTA)" im Jahr 2001 - anfangs noch unter dem Namen "Workshop Mobile Commerce" - gelang es ihm, in Augsburg die einzige bedeutende Industriekonferenz im Telekommunikationssektor, die von einer Universität veranstaltet wird, aufzubauen. "Die Teilnehmer schätzen an der Konferenz besonders, dass sie anders ist - offenere Diskussionen und eine spannende Mischung aus Wissenschaft und Praxis machen ihren besonderen Reiz aus", so Pousttchi. Die MCTA feierte 2010 ihr 10-jähriges Jubiläum, seit 2009 findet sie in Berlin statt. "Mit lokaler Unterstützung zwar", betont Pousttchi, "aber noch immer reist unsere gesamte Forschungsgruppe jedes Jahr aus Augsburg an und 'übernimmt' für zwei Tage das komplette Tagungszentrum - den Hauptstädtern gefällt's."

Mitbegründer der GI-MMS

Aktiv war Pousttchi schließlich auch bei der Verankerung der Forschungsthemen in der Gesellschaft für Informatik e. V., als einer der Gründungsväter der Fachgruppe "Mobilität und mobile Informationssysteme (GI-MMS)". Hierdurch wurde die Mobile-Business-Forschung in Deutschland nicht nur institutionell auf sicheren Grund gestellt, sondern vor allem auch auf interdisziplinäre Kooperation zwischen der Wirtschaftsinformatik und verschiedenen Teilbereichen der Informatik ausgerichtet.

Profiliertes und hochwertiges Lehrangebot

Seinen Studentinnen und Studenten biete Pousttchi ein profiliertes und durch die Synergieeffekte seiner Forschung und Praxistätigkeit besonders hochwertiges Lehrangebot, das von einführenden Vorlesungen über Projektseminare bis hin zur Abschlussarbeit reiche und über die normale Ausbildung hinaus bereits zahlreiche Studierende zur Publikationsreife geführt habe, so die Jury über den Preisträger. Seine Qualität als akademischer Lehrer würde ferner durch Lehraufträge an den Universitäten Zürich und Frankfurt sowie durch eine Vertretungsprofessur in Magdeburg unterstrichen, die er in jüngerer Zeit wahrgenommen hat. Durch Kooperationen etwa mit dem Tokyo Institute for Technology und dem Center für Telecommunication Management der University of Southern California in Los Angeles gelinge es ihm, auf hohem internationalem Niveau zu arbeiten und damit auch die Kernkompetenz der Fakultät im Bereich Global Business Management zu stärken. Die Zielsetzung des Viermetz-Wissenschaftspreises, nämlich die Stärkung des Profils der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg, werde von Pousttchi damit in außergewöhnlich hohem Maße erfüllt, resümiert die Jury.

Preisverleihung mit Kolloquium am Fakultätstag

Die Verleihung des Wissenschaftspreises der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung findet am 2. Juli 2010 beim diesjährigen Fakultätstag der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät statt, eingebettet in ein Kolloquium zum Thema "Die Zukunft ist 'Mobile' - Telekommunikationsmärkte im Umbruch". Neben Pousttchi selbst, der einen Vortrag mit dem Titel "Wie der Mobilfunkmarkt sich und uns verändert: Bestandsaufnahme und Perspektiven" hält, spricht als Gastreferent Martin Gutberlet, CEO der Gartner Deutschland GmbH, zum Thema "Apple, Google & Co. - wohin geht die Reise im Mobilfunk?". An das zweistündige Kolloquium wird sich ab 20.00 Uhr ein Sommerfest im Innenhof zwischen der Wirtschaftswissenschaftlichen und der Juristischen Fakultät anschließen.
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Anhang I: Die Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung

Am 16. Dezember 2003 errichtete das Ehepaar Viermetz die nach ihm benannte Stiftung in Augsburg. Stiftungszweck ist die Förderung von Wissenschaft, Kunst und Kultur in Augsburg und Bayerisch-Schwaben sowie die Förderung der deutsch-amerikanischen Völkerbeziehung und Verständigung. Seither konnte aus den Erlösen des Stiftungsvermögens eine Vielzahl von Projekten und Initiativen unterstützt werden. Die Geschäftsführung ist unbürokratisch, die Entscheidungen trifft ein vierköpfiges Kuratorium. Ihm gehören - nach dem Tod der verdienstvollen und engagierten Stifterin Felicitas Viermetz - an: Kurt F. Viermetz (Stiftungsvorstand), sein Sohn Maximilian Viermetz, Alt-Oberbürgermeister Dr. Peter Menacher und Bundesfinanzminister a. D. Dr. Theo Waigel. Die Stiftung will mit ihren Fördermaßnahmen nicht die Öffentlichen Hände ersetzen, sondern diese ergänzen und nach dem Prinzip des "matching gift" weitere Förderer ermutigen. Wirtschaftsprüfer und Stiftungsaufsicht bestätigen stets die vorbildliche Arbeit der Stiftung.

Anhang II: Der Wissenschaftspreis der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung

Im Jahre 2006 beschloss das Kuratorium einen Wissenschaftspreis der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung zur Stärkung des Profils der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg zu stiften. Er wurde mit 10.000 Euro hoch dotiert. Da sich die Wissenschaftslandschaft durch Wettbewerbe wie das Elitenetzwerk Bayern, die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder und die gezielte Forschungsförderung in Deutschland und in der EU ausdifferenziert, bedürfen herausragende Leistungen der verstärkten Anerkennung. Zu den Kriterien zählen neben Publikationen in national und international besonders stark wahrgenommenen wissenschaftlichen Zeitschriften die Wahrnehmung der Lehr- und Forschungsprofile der Fakultät, Teilnahme an Förderprogrammen für die Forschung und die Gestaltung entsprechend profilierter Lehrangebote. Damit kann im Rahmen der neuen Cluster-Struktur der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowohl die Forschungskompetenz wie eine vertiefte Lehre gestärkt werden.

Die Vorschläge für den Preis kommen aus der Fakultät. Es werden jeweils vier renommierte Lehrstuhlinhaber deutscher Universitäten (Tübingen, Erlangen-Nürnberg, Eichstätt, WHU Vallendar) um ein Gutachten zu den Vorschlägen gebeten. Der Jury gehörten an: Vizepräsident Prof. Dr. Dr. Werner Wiater als Vertreter der Gesamtuniversität; Prodekan Prof. Dr. Alfred Maußner i. V. von Dekan Prof. Dr. Klaus Turowski; Dr. Maximilian Viermetz i. V. des Stiftungsvorstands; Alt-Oberbürgermeister Dr. Peter Menacher als Kurator der Stiftung und Jury-Vorsitzender.
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Mehr (und Kontakt) zum Preisträger:

http://www.wi2.info/de/mitarbeiter/dr.-key-pousttchi.html

Zu Pousttchis Forschungsgruppe wi-mobile:

http://www.wi-mobile.de
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Fotos zu dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news375550