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UPD 190/10 - 10.09.2010

In Sachen Ecocriticism und literarischer Ökologie zu Gast an der Universität Augsburg

Bis Ende dieses Jahres ist die Turiner Philosophie- und Ethikprofessorin Serenella Iovino Humboldt-Gastwissenschaftlerin am Augsburger Lehrstuhl für Amerikanistik.


Augsburg/HZ/KPP - Seit dem 1. September ist für den Rest des laufenden Jahres Prof. Dr. Serenella Iovino von der Università di Torino, Italien, Humboldt-Gastwissenschaftlerin am Augsburger Lehrstuhl für Amerikanistik. Ihren von der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) geförderten Aufenthalt an der Universität Augsburg nutzt sie für Studien zu ihrem aktuellen Forschungsprojekt "Literature of Liberation. Environment, Citizenship and the Democracy of Story-Telling" und zur Intensivierung der Forschungskooperation mit ihrem Gastgeber Prof. Dr. Hubert Zapf auf dem Gebiet des Ecocriticism und der literarischen Ökologie.

Serenella Iovino ist Professorin für Philosophie und Ethik an der Universität Turin. Mit ihrem Augsburger Gastgeber Prof. Dr. Hubert Zapf verbinden sie gemeinsame Forschungsinteressen im Bereich des Ecocriticism und der literarischen Ökologie. Iovino gilt als die derzeit profilierteste und international bekannteste Vertreterin dieser neuen kultur- und literaturwissenschaftlichen Forschungsrichtung in Italien. Auf der Grundlage ihrer Studien zur Literatur und Philosophie der deutschen Klassik und ihrer Beschäftigung mit italienischer und anglo-amerikanischer Literatur praktiziert Iovino in ihren wissenschaftlichen Publikationen und Vorträgen einen transnationalen und transdisziplinären Dialog zwischen Ethik, Philosophie, Literatur und Ökologie, der sich in seiner Orientierung an einer "kulturellen Ökologie" mit den Forschungsschwerpunkten der Augsburger Amerikanistik überschneidet. "Bereits in der Vergangenheit hat dies zu einer fruchtbaren Kooperation geführt, die sich durch die Humboldt-Gastprofessur von Frau Iovino zweifellos weiter intensivieren wird", so Professor Zapf, der selbst Herausgeber eines 2008 im Heidelberger Universitätsverlag Winter erschienenen Sammelbandes "Kulturökologie und Literatur - Beiträge zu einem interdisziplinären Paradigma der Literaturwissenschaft" ist.

Von 2008 bis 2010 war die Turiner Philosophie- und Ethikprofessorin Präsidentin der "European Association for the Study of Literature, Culture and Environment", sie ist Mitglied im Editorial Board der wichtigsten ökokritischen Zeitschrift "Interdisciplinary Studies in Literature and Environment" (ISLE) und - wie Zapf - auch Mitglied im Advisory Board der 2009 gegründeten "World Ecoculture Organization".

Serenella Iovino studierte an der Universität Neapel und war von 1993/94 Erasmus-Studentin in München. Sie promovierte an der Universität Padua über "Il 'Woldemar' di F. H. Jacobi. Saggio introduttivo, traduzione e commentario storico-critico" ("F. H. Jacobis 'Woldemar'. Einführender Essay, Übersetzung, und historisch-kritischer Kommentar"). Nach Forschungsaufenthalten am Istituto Italiano per gli Studi Filosofici in Neapel (1994-1996) und an der Universität München (1996-1999) arbeitete sie mit einem Postdoktorandenstipendium an einem Forschungsprojekt über Naturphilosophie und Literatur im Goethe-Zeitalter an der Universität Urbino (1999-2001). 2001 wurde sie als Ricercatrice universitaria in Filosofia morale zunächst als Professorin auf Zeit, 2004 dann fest an die Universität Turin berufen.

Seitdem war sie mehrfach als Gastprofessorin im Ausland tätig und hat zahlreiche Vorträge und keynote lectures bei Konferenzen im thematischen Umkreis von Ecocriticism, Philosophie und Literaturökologie gehalten. Neben vielen Aufsätzen und einer monographischen Studie über F. H. Jacobis Romane sind ihre wichtigsten Buchpublikationen "Ecologia letteraria. Una strategia di sopravvivenza" ("Literarische Ökologie: Eine Strategie für das Überleben", 2006) und "Filosofie dell'ambiente" ("Philosophien der Umwelt", 2004, mit Neuauflagen 2006, 2007 und 2008).

Das Forschungsprojekt, an dem Serenella Iovino mit Förderung der AvH in Augsburg arbeitet, trägt den Titel "Literature of Liberation. Environment, Citizenship and the Democracy of Story-Telling". Es widmet sich zwei miteinander verbundenen Fragestellungen: zum einen der Frage, ob ein Zusammenhang besteht zwischen Umweltausbeutung, sozialer Ungleichheit und einem Mangel an demokratischer Bildung, ob also die ökologische Krise einhergeht mit einer Krise des staatsbürgerlichen Bewusstseins im Sinn einer selbstbestimmten, gesellschafts- und umweltbewussten Gestaltung des eigenen Lebens; und zum zweiten der Frage, ob und in welchem Sinn Literatur einen wesentlichen kulturellen Beitrag zu einem solchen Bewusstsein leisten kann, inwiefern Literatur also als ein Vermittlungs- und Verstärkungsmedium mentaler Selbstbefreiung, ökologischen Verantwortungsbewusstseins und einer nicht nur politischen, sondern "kulturellen" Demokratie fungieren kann.
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Fotos zu dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news385926
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Kontakt:

Prof. Dr. Hubert Zapf
Lehrstuhl für Amerikanistik
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon: +49 821 598 - 2480
hubert.zapf@phil.uni-augsburg.de