Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags plädiert in
einem Augsburger Forschungsseminar über den Umgang mit dem Soldatentod
für eine klare Benennung der Realitäten.
Augsburg/UR/KPP - Trotz des Kundus-Untersuchungsausschusses und trotz der
Münchner Sicherheitskonferenz nahm sich Reinhold Robbe, seit 2005
Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags, Ende voriger Woche drei Stunden Zeit,
um mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Augsburger Forschungsseminars
"Der Umgang mit dem Soldatentod" zu diskutieren und dabei für eine klare
Benennung der Realitäten zu plädieren.
Als Wehrbeauftragter hat Robbe den im Grundgesetz verankerten Auftrag, den
Schutz der Grundrechte innerhalb der Bundeswehr zu gewährleisten und den
Bundestag bei dessen parlamentarischer Kontrolle der Armee zu unterstützen.
"Dementsprechend hoch waren unsere Erwartungen an das, was der 'Anwalt der
Soldaten' zu unserem Thema beisteuern würde", so Dr. Ulrich Roos. Gemeinsam
mit Ursula Jasper (St. Gallen) und Dr. Ulrich Franke (Bielefeld) entwickelt er
derzeit ein Drittmittelprojekt "Vom Tabu zur Routine? Die Haltung der Exekutive
zum Soldatentod", das den Umgang mit dem Soldatentod und die Wirkungen des
Soldatentods auf die politische Kultur von Demokratien in international
vergleichender Perspektive analysieren will. In diesem Kontext steht auch Roos'
aktuelles Augsburger Forschungsseminar.
Benennung der Realitäten statt wertneutraler Wortwahl
Der Umgang mit dem Soldatentod sei ein ebenso brisantes wie schwieriges Thema
und eine große Herausforderung an die Gesellschaft. Ihm liege dieses Thema
besonders am Herzen, zumal es in der Öffentlichkeit noch kaum angekommen
sei, sagte Robbe. Bis vor kurzem noch hätten Vertreter der Bundeswehr -
unter ihnen auch Ex-Verteidigungsminister Jung, von "verletzten" bzw.
"getöteten" Soldaten gesprochen. Als Wehrbeauftragter habe er sich auch
persönlich für eine Entwicklung eingesetzt, in der diese
gewissermaßen wertneutrale Wortwahl von einer klaren Benennung der
Realitäten abgelöst wird und dementsprechend von "Verwundeten" oder
"Gefallenen" die Rede ist.
Freundliches Desinteresse an einem unausweichlichen Thema
Von ganz zentraler Bedeutung, so Robbe, sei, dass die Diskussion über die
Funktion, die Ziele und die Mandate der Bundeswehr öffentlich ausgetragen
werde. Und diese öffentliche Diskussion komme dann logischerweise auch an
der Frage des Umgangs mit dem Soldatentod nicht mehr vorbei. Nach dem
Dafürhalten des Wehrbeauftragten hätte das im September 2009 auf dem
Gelände des Bundesministeriums der Verteidigung eingeweihte Ehrenmal in
unmittelbarer Nähe des Reichstags einen angemesseneren Standort gehabt.
Dies hätte der gesellschaftlichen Einbettung der Bundeswehr stärker
entsprochen und wäre ein wichtiger Beitrag gewesen, um das schwierige Thema
"Soldatentod" in die Öffentlichkeit zu tragen. Denn ein ehrlicher und
offener Umgang mit den Risiken und Gefahren der Bundeswehreinsätze sei
unverzichtbar. Das - wie Bundespräsident Köhler es genannt hat -
"freundliche Desinteresse" der Deutschen an den Auslandseinsätzen ihrer
Bundeswehr sei jedenfalls alles andere als eine angemessene und befriedigende
Haltung.
Angesichts solcher Verdrängungstendenzen komme gerade auch einer
wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem "ungeliebten" Thema umso
größere Bedeutung zu. Entsprechende Projekte wie das der Augsburger
Politikwissenschaftler seien seines Wissens aber die große Ausnahme. Er
werde deshalb auch über seine Teilnahme am Forschungsseminar hinaus gerne
Ansprechpartner bleiben und Unterstützung leisten, sicherte Robbe zu.
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Ansprechpartner:
Dr. Ulrich Roos
Lehrstuhl für Politikwissenschaft/Friedens- und Konfliktforschung
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon +49(0)821-598-5590
ulrich.roos@phil.uni-augsburg.de
http://www.philso.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/politik/politik1/mitarbeiter/roos