Nicht nur drei angemeldete Patente dokumentieren die
Erfolgsbilanz des drei Jahre von der BFS geförderten Forschungsverbunds
"Multiskalendesign oxidischer Funktionsmaterialien".
Augsburg/KPP - "Was wir in gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsarbeit
erreicht haben, ist eine deutlich verbesserte Beherrschung der oxidischen
Funktionsmaterialien. Durch die Optimierung oder die Neuentwicklung von
Produkten haben wir die Basis für eine erfolgreiche Vermarktung dieser
Materialien geschaffen." So bilanziert der Augsburger FOROXID-Sprecher Prof. Dr.
Bernd Stritzker (Lehrstuhl für Experimentalphysik IV/Anwenderzentrum
Material- und Umweltforschung) das Ergebnis dieses über drei Jahre hinweg
von der Bayerischen Forschungsstiftung mit 1,35 Mio. Euro und von der Industrie
mit weiteren 1,4 Mio. Euro geförderten Forschungsverbunds, der dem Thema
"Multiskalendesign oxidischer Funktionsmaterialien" gewidmet war. Auf der
gemeinsamen FOROXID-Plattform kooperierten Materialforscher der
Universitäten Augsburg, Bayreuth, Würzburg und des
Fraunhofer-Instituts für Silikatforschung ISC Würzburg mit Anwendern
aus unterschiedlichsten Sparten.
Oxidische Funktionsmaterialien sind heute bereits in zahlreichen, ganz
unterschiedlichen Einsatzgebieten weit verbreitet. Mit Blick auf ihre
vielfältigen industriellen Anwendungen - z. B. in der Elektronik, Optik,
Energietechnik und Sensorik sowie in den Bereichen Magnetismus oder Katalyse -
sind oxidische Funktionsmaterialien neben den Metallen, Polymeren und
klassischen Halbleitern die wichtigste Stoffklasse, ohne dass ihr Potential aber
bereits voll erschlossen wäre.
Überzeugende Lösungen für übergreifende
Anwendungsprobleme
Anspruch und Ziel von FOROXID war es, das Wechselspiel zwischen
Funktionseigenschaften und realer Materialstruktur sowie die elektronischen
Eigenschaften dieser Oxide besser zu verstehen und - darauf aufbauend -
entsprechende Funktionsmaterialien mit Blick auf die Anforderungen
unterschiedlichster Anwendungen weiter- oder auch neu zu entwickeln. Als eine
übergreifende Herausforderung, mit der sich die Industriepartner des
Verbundes trotz sehr unterschiedlicher Einsatzgebiete gemeinsam konfrontiert
sahen, kristallisierten sich dabei z. B. Alterungseffekte heraus, die bei vielen
industriellen Anwendungen oxidischer Materialien aus thermischen Belastungen
oder aus der Einwirkung aggressiver Atmosphären resultieren. "Für
dieses Problem und für zahlreiche andere Probleme, die sich über die
Grenzen spezifischer Anwendungen hinweg sehr ähnlich gestalten, konnten wir
im Verbund überzeugende und weiterführende Lösungsansätze
finden", so Dr. Wolfgang Biegel, der Geschäftsführer des Augsburger
Anwenderzentrums Material- und Umweltforschung (AMU).
Synergien und Interdisziplinarität als Erfolgsfaktoren
Sein Kollege Dr. Timo Körner ergänzt, dass für solche
Lösungsfindungen jene Synergieeffekte von ausschlaggebender Bedeutung
gewesen seien, die sich zum einen aus gemeinsamen Untersuchungen mit
unterschiedlichsten Zielsetzungen ergeben hätten, zum anderen aber auch aus
der kontinuierlichen gemeinsamen Diskussion und Evaluation der Probleme und der
erzielten Ergebnisse. Als weiteren wesentlichen FOROXID-Erfolgsfaktor hebt
Körner die Interdisziplinarität des Verbundes hervor: "Durch die
Zusammenarbeit von Physiker, Biologen, Chemikern und Ingenieuren ist auch neues
Grundlagenwissen entstanden, das über die Optimierung bzw. Neuentwicklung
konkreter industrieller Produkte hinaus Fortschritte in vielen Bereichen des
Alltags bewirken kann." Diese Fortschritte können z. B. in leichteren
Kunststofflinsen für Brillen oder in quecksilberreduzierten
Leuchtstofflampen, in neuartigen Autoabgas-Sensoren oder in Bandsupraleitern
für effizienteren Stromtransport unmittelbar greifbar werden. Sie
können sich aber auch - indirekt bzw. für den Laien nicht unmittelbar
erkenntlich - durch Optimierungen in den Bereichen programmierbarer Biochips,
magnetooptischer Sensorschichten oder besonders zäher ZTA-Keramiken
niederschlagen.
Außerordentlich tragfähiges Konzept
In ihrem FOROXID-Abschlussbericht haben die Gutachter hervorgehoben, dass sich
das in diesem Verbund realisierte Konzept einer engen Zusammenarbeit zwischen
wissenschaftlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen in konkreten
grundlagen-orientierten Vorhaben mit erkennbarem Anwendungspotenzial als
außerordentlich tragfähig erwiesen habe. Die Fördermittel der
Bayerischen Forschungsstiftung seien in FOROXID gut angelegt gewesen, dieses
Netzwerk habe hervorragend funktioniert, insbesondere wenn man die
Heterogenität der bearbeiteten Themen in Betracht ziehe.
Erfolgversprechende Nachfolgeprojekte
"Wir konnten die grundlegenden Fragestellungen, denen FOROXID gewidmet war, so
weit klären, dass jetzt den industriellen Umsetzungen der Weg geebnet ist.
In drei Teilprojekten konnten wir die entwickelten Verfahren zusammen mit den
jeweiligen Industriepartnern sogar bereits zum Patent anmelden", sagt Stritzker
und betont, dass in mehreren Teilprojekten die Kooperation mit den
Industriepartnern über das Auslaufen des Forschungsverbunds hinaus
fortgesetzt werde. Stritzker ist überzeugt: "Die im FOROXID-Verbund
entstandenen Synergien werden dazu führen, dass in Nachfolgeprojekten
weitere interessante Forschungsthemen auf dem Gebiet oxidischer
Funktionsmaterialien erfolgreich bearbeitet werden."
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Ansprechpartner:
Dr. Wolfgang Biegel und Dr. Timo Körner
Anwenderzentrum Material- und Umweltforschung
Universität Augsburg
Telefon 0821/598-3590
biegel@amu-augsburg.de
koerner@amu-augsburg.de
http://www.amu-augsburg.de
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Mehr zu FOROXID:
http://www.bayfor.org/foroxid
http://idw-online.de/pages/de/news145626
http://idw-online.de/pages/de/news260607