In ihrer traditionellen Jahresretrospektive thematisieren die
Dozentinnen und Dozenten des Augsburger Lehrstuhls für Kunstpädagogik
diesmal ihren bevorstehenden Umzug auf den Campus. / Nahe des alten Standorts
Schillstraße "konkurrieren" ihre Studentinnen im AWO-Sozialzentrum
Hammerschmiede mit einer Ausstellung zur künstlerischen Raumgestaltung im
Pflegebereich.
Augsburg/KPP - "Unter unserem Himmel" ist diesmal die traditionelle
Jahresretrospektive der Dozentinnen und Dozenten des Augsburger Lehrstuhls
für Kunstpädagogik (Prof. Dr. Constanze Kirchner) überschrieben.
Mit einer Einführung von Prof. Dr. Johannes Kirschmann (Akademie der
Bildenden Künste München) wird die Ausstellung am 25. Januar 2012 um
18.00 Uhr in der Ausstellungshalle der Zentralbibliothek der UB Augsburg
(Gebäude E, Universitätsstraße 22, 86159 Augsburg)
eröffnet. Bei freiem Eintritt besichtigt werden kann sie dort dann bis zum
10. April 2012 - montags bis freitags jeweils von 8.30 bis 24.00 Uhr und
samstags von 9.30 bis 24.00 Uhr.
Zu den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern und zu den
Exponaten, die sie "Unter unserem Himmel" zeigen, vermerkt der
Ausstellungskatalog:
Die
grafischen Skizzen von CONSTANZE KIRCHNER zeigen Ausschnitte von
Ausführungsplänen des Neubaus für Kunst und Musik - gepaart mit
Bleistift-Zeichnungen des bayerischen Wolkenhimmels, der sich als Baldachin
über den Campus spannt. "Unter unserem Himmel" heißt eine
Dokumentarreihe des Bayerischen Rundfunks, die bereits seit 1969 Geschichten aus
der bayerischen Heimat erzählt. Hieran knüpft der Ausstellungstitel
"Unter unserem Himmel" an, der sich nicht nur auf den brillanten
blau-weißen bayerischen Wolkenhimmel bezieht, sondern auch auf den
bayerischen Himmel, der als Verwaltungsdach über den bayerischen
Universitäten schwebt. In engerem Sinn richtet sich der Ausstellungsfokus
auf die bevorstehende Präsenz der Kunstpädagogik auf dem Campus. Sich
unter dem "Campus-Himmel" einzurichten, bedeutet, eine neue Situation zu
bewältigen: Die Einrichtung des Neubaus verlangt intensives planerisches
Vorgehen. Kein Einrichtungsdetail darf vergessen werden, um mit hoher
Qualität forschen und lehren zu können. Zugleich werden sich
Kommunikationsstrukturen verändern: administrative Wege verkürzen
sich, Dialoge mit Kolleginnen und Kollegen können direkter geführt
werden, Studierende müssen einen neuen Studienrhythmus entwickeln, der das
Pendeln in die Schillstraße seltener werden lässt. So spiegelt die
diesjährige Ausstellung in vielen Varianten die künstlerische
Beschäftigung mit der nahenden Anwesenheit auf dem Campus und dem Aspekt,
ein anderes Dach über dem Kopf zu erhalten.
CHRISTINE
BEYER SCHMID vermittelt mit ihrer Installation erste "Campuseindrücke":
Rostiges Baugitter (immerhin hat sich die Fertigstellung des Neubaus Kunst/Musik
immer wieder verzögert) mit Keramikkacheln, auf denen in noch feuchtem
Zustand "Eindrücke" des neuen Arbeitsplatzes gesammelt wurden. Es gibt
Abdrücke des Fußabstreifers, des Transponders, des Schuhs eines
Arbeiters (stellvertretend für alle am Bau tätig gewesenen Arbeiter),
der Brennstäbe im neuen Keramikofen, des Bodens im Lastenaufzug, eines
Kabelgewirrs, das noch auf dem Boden lag, und andere - alle als Annäherung
an diesen neuen Ort.
Im Kontrast
dazu vermitteln die Aquarelle von NICOLE BERNER Eindrücke vom Strand von El
Campello (Costa Blanca/Spanien). Durch die locker platzierten Linien und
Flächen entsteht eine heitere, bewegte Stimmung.
ELISABETH
HASLAUER verleiht in ihrem Exponat der Freude Ausdruck, dass der Neubau für
Kunst- und Musik am Campus-Teich liegt. Sie macht die Spiegelungen dieses Teichs
zum Bildthema, und steigert Farbigkeit sowie Licht-Schatten-Wirkung.
PETIA KNEBEL
zeigt eine fotografische Dokumentation ihrer Installation "Blau im Fluss" im
Flussbett der Mud in Amorbach (2003). Ein Ausgangspunkt ihrer konzeptionellen
Überlegungen war der grundlegende Gedanke, dass der Mensch versucht,
für alles eine Ordnung zu schaffen. Er bezeichnet, benennt, betitelt und
beziffert, erst dann existieren die Dinge für ihn und er kann sie benutzen
- doch ganz so einfach ist es nicht. Im Falle des Kunstwerks als Ding wird sehr
schnell deutlich, dass es über das Dinghafte des Werks hinausweist. Dies
mag das Künstlerische ausmachen und führt, so Martin Heidegger, das
Kunstwerk als Ding hin zum Symbol. Im Zusammenhang mit der Zeichentheorie zeigt
Ferdinand de Saussure auf, dass das "Bezeichnende" und das "Bezeichnete"
untrennbar miteinander verbunden sind. Demnach ruft das Sprachzeichen als
Lautbild, z. B. "Karibikblau", unmittelbar das mit ihm verbundene Konzept auf.
Der Blick des Betrachters auf die Installation führt durch das Wasser
hindurch in die Tiefe und bleibt am Blau der Stahlplatten haften. Gleichsam
fällt sein Blick auf die Wasseroberfläche und er erkennt in ihr die
Reflexion des Himmels. Eine weitere Perspektive ist eröffnet.
MONIKA
MILLER präsentiert Fotografie. Die uns gängigen räumlichen
Relationen scheinen einem geordneten Wahrnehmungssystem zu folgen, solange wir
nicht eine neue Perspektive einnehmen und das Oben, Unten, Rechts und Links
scheinbar vollkommen durcheinander geraten und nach neuen, differenzierteren
Ordnungssystemen und Deutungsweisen verlangen, bis sich erneut ein Gleichgewicht
einstellt. Himmel und Erde, Oben und Unten, Rechts und Links, alles kann (in
Ihren fotografierten Welten) möglich sein.
ULRICH WEBER
thematisiert hölzerne "Kreaturen" fotografisch und bildhauerisch. Er nutzt
das Holz mit seinen vorgefundenen Eigenheiten von Material, Wachstum und
Platzierung und bearbeitet es intuitiv. Das Ergebnis ist nicht Wiedergabe,
sondern eigenständige Schöpfung. Diese Schöpfung ist aber nicht
absichtsvoll und zielgerichtet, sondern spontan und eher zufällig, so es
denn Zufall wirklich gibt.
CORNELIA
SCHNATTERER experimentiert im Tiefdruckverfahren mit mehreren Platten und
kreiert daraus kleine Werkserien. Verschiedene Druckplatten werden miteinander
kombiniert und ergeben eine immer neue Variation von Formen und Farbnuancen,
wodurch eine eigene Bildwelt entsteht. Eine Welt voller amorpher Formen, welche
sich hin und wieder an florale Elemente anlehnen, sich dann wieder frei davon
machen und eher an mikrobiologische Kulturen erinnern.
Anlässlich der Umsiedlung des Lehrstuhls für Kunstpädagogik auf
den Universitätscampus präsentieren STEFANIE AUFMUTH, URS FREUND,
ELISABETH HASLAUER, MATHHIAS LIDL, MONIKA MILLER, GREGOR NAGLER, MIRIAM SANDOR
und ULRICH WEBER gemalte und gezeichnete Porträts ausgewählter
Persönlichkeiten in leitenden Positionen der Universität Augsburg. In
einem übertragenen Sinn wird mit diesen Werken Bezug auf den
Ausstellungstitel genommen.
WOLFGANG
NEIDLINGER hat ebenfalls Porträts gezeichnet - von Studierenden allerdings
als Vertreterinnen und Vertretern der "wichtigsten Personen an einer
Universität". Seine Vorgehensweise dabei war experimentell: Die
Zeichenblätter wurden frei beweglich aufgehängt und die Porträts
möglichst schnell in einer Linie gezeichnet.
CHRISTIANE
SCHMIDT-MAIWALD greift die Idee des Porträts in ihrer Serie "Meine
Hausgötter - Spielarten der Gattung Porträt" auf andere Weise auf. Aus
philosophischer Sicht meint das Ding-an-sich das eigentlich Nicht-Erkennbare in
Opposition zum Ding, dem in der Literatur oder bildenden Kunst Symbol- oder
Verweischarakter zukommt. Was passiert, wenn man nun die Gattung des
Porträts, die auf dem Erkennen einer "Persona" oder eines Individuums
fußt, als Ding, sprich als bloße Form auf ihre Qualitäten als
Symbol bzw. auf ihren Verweischarakter hin untersucht? Ausgehend von dieser
Frage beschäftigt sich die Serie "Meine Hausgötter - Spielarten der
Gattung Porträt" aus einer gewissen ironischen Distanz heraus mit der
Gattung des Porträts an sich, aber auch mit der Attitüde der Kunst der
Moderne, einen Meta-Diskurs über Darstellungsverfahren und
Wahrnehmungskonditionen bildimmanent mitzuführen. Insofern werden auch
einige der Hausgötter der Kunst der Moderne, speziell der Konzeptkunst
beschworen.
Am 26. Januar um 15.00 Uhr: Eröffnung der studentische
"Konkurrenzausstellung" im AWO-Sozialzentrum Hammerschmiede
Parallel zur Ausstellung ihrer Dozentinnen und Dozenten in der Zentralbibliothek
auf dem Campus zeigen acht Studentinnen des Lehrstuhls für
Kunstpädagogik im AWO-Sozialzentrum Hammerschmiede (Marienbader
Straße 29 a, 86169 Augsburg) Studienarbeiten zum Thema "Wie lassen sich
Räume im Pflegebereich künstlerisch gestalten?" Mit Aquarellen,
Bleistiftzeichnungen und Collagen machen Julia Geiger, Elena Holland, Annika
Jakubaßa, Julia Kiefer, Barbara Lang, Saskia Mayer, Johanna Ritter und
Sarah Ritzel Gestaltungsvorschläge für die Patientenzimmer, die
Besuchs- und Gemeinschaftsräume, aber auch für die Außenbereiche
des Sozialzentrums. Diese Vorschläge basieren auf künstlerischen und
pädagogischen Überlegungen, die in ebenfalls ausgestellten
handschriftlich gestalteten Schriftstücken erläutert werden. Zur
Vernissage dieser Ausstellung am 26. Januar 2012 um 15.00 Uhr sind alle
Interessierten ebenfalls eingeladen.
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Ansprechpartner zu "Unter unserem Himmel"
Gregor Nagler
Telefon 0821/598-2943
gregor.nagler@phil.uni-augsburg.de
Ansprechpartnerin zur AWO-Ausstellung:
Dr. Christiane Schmidt-Maiwald
Telefon 0821/598-2960
christiane.schmidt-maiwald@phil.uni-augsburg.de