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UPD 27/14 - 23.02.2014

Botschaft ans Volk oder mediengerechte Zuspitzung?

Das 40. augsburger konjunkturgespräch hinterfragte die Chancen der Politikberatung in Deutschland


Aakogesprugsburg/KPP - Woran liegt's denn, wenn die Ergebnisse ökonomischer Forschung nur begrenzten Einfluss auf die wirtschaftspolitische Praxis zu haben scheinen? Die "Chancen der Politikberatung in Deutschland" waren das Thema des diesjährigen augsburger konjunkturgesprächs in der IHK Schwaben, für dessen wissenschaftliche Konzeption - wie stets - das Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Augsburg verantwortlich zeichnete. Und wie immer ging der prominent besetzten Diskussionsrunde zum Jahresthema auch bei der 40. Veranstaltung dieser Gesprächsreihe ein Statement des Leiters des Münchner ifo-Instituts, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hans Werner Sinn, zur aktuellen konjunkturellen und wirtschafspolitischen Lage voraus.

Apostrophierten die bis in die Gründungsjahre der Universität Augsburg zurückreichende ununterbrochene Tradition des augsburger konjunkturgesprächs als Zeichen des fruchtbaren Miteinanders von Wissenschaft und Wirtschaft in Augsburg und Schwaben: Universitätspräsidentin Prof. Dr. Doering-Manteuffel, IHK-Präsident Dr. Kopton und Prof. Dr. Welzel, seit 15 Jahren wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltungsreihe. Foto: Fred Schöllhorn

Trotz eines für Deutschland prognostizierten Wirtschaftswachstums von 1,9 Prozent und keiner aktuellen Rezensionsgefahr in der Euro-Zone betonte Sinn einmal mehr insbesondere Risiken - Risiken, die aktuell in der nach wie vor mangelnden Wettbewerbsfähigkeit v. a. Griechenlands und Spaniens, aber auch Italiens und Frankreichs lägen. Diese werde mit den Rettungsaktionen der EZB lediglich übertüncht. Seine Arbeitslosenquote und sein Export ließen Deutschland innerhalb der Euro-Zone zwar hervorragend dastehen, aber auch hier dräut Sinn zufolge Gefahr angesichts der beschlossenen Einführung des Mindestlohns, der das mit der Agenda 2010 durch den Niedriglohnsektor möglich gewordene Jobwunder gefährde.

Kontroverses Reizthema Mindestlohn

Sinn, der eine damit verbundene Zunahme von Ungleichheit nicht zu erkennen vermag, erntete hier entschiedenen Widerspruch v. a. von Prof. Dr. Gustav A. Horn, dem Wissenschaftliche Direktor des Düsseldorfer Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, der sich dezidiert für eine Lohnuntergrenze aussprach.

Auch die Diskussion über die "Chancen der Politikberatung in Deutschland", die - moderiert von BR-Chefredakteur Prof. Sigmund Gottlieb - Horn und Sinn gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Franz, dem Präsidenten des ZEW Mannheim und ehemaligen Vorsitzenden des Sachverständigenrats, im zweiten Teil des 40. augsburger konjunkturgesprächs führten, verlief durchaus kontrovers.

Ökonomen klagen vielfach darüber, von der Politik nicht gehört oder nicht ernst genommen zu werden. Sie melden sich individuell und über Gruppenappelle zu Wort, arbeiten in wissenschaftlichen Beiräten und mit Forschungsinstituten für die Politikberatung und finden sich dennoch in der praktischen Wirtschaftspolitik häufig nicht wieder. Liegt es daran, dass Wirtschaftswissenschaftler zu sehr in idealisierten Welten denken, die den Politikern nicht realitätsnah genug erscheinen? Liegt es an der Meinungsvielfalt der Ökonomen, die Politiker mehr verwirrt als unterstützt? Liegt es am Widerstreit von Partikularinteressen oder daran, dass Politiker andere Ziele verfolgen, als Ökonomen in der Analyse unterstellen?

Botschaft ans oder Märchen für's Volk?

Für den als Medien-Mann etablierten ifo-Chef liegt eine relativ einfache Lösung all der mit diesen Fragen angesprochenen Probleme nahe: Er mache, so Sinn, Politikberatung über die Öffentlichkeit, als Volkswirt richte er seine Botschaft ans Volk. Komplexer und eher medienkritisch hingegen sieht Horn den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Expertise und der Herausforderung, ihr Gehör in Politik und Öffentlichkeit zu verschaffen: Man müsse Märchen erzählen, Märchen mit zwar einem wahren Kern, aber eben auch mit Sex und Crime. Denn nur Zuspitzung bringe Zuhörer.

Konstante im Miteinander von  Universität und regionaler Wirtschaft

Seit den frühen 1970er Jahren bietet das augsburger konjunkturgespräch allen Interessierten alljährlich eine Plattform für den Austausch von Ideen und Positionen an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft regionaler Wirtschaft. In ihren Grußworten und Einführungen zum 40. augsburger konjunkturgespräch hoben die Präsidentin der Universität Augsburg, Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, der Präsident der IHK Schwaben, Dr. Andreas Kopton, sowie Prof. Dr. Peter Welzel vom VWL-Institut der Universität Augsburg, der die wissenschaftliche Leitung des augsburger konjunkturgesprächs seit 15 Jahren innehat, die keineswegs selbstverständliche Kontinuität dieser Veranstaltungsreihe ebenso hervor wie ihre gemeinsame Entschlossenheit, an dieser über nun bereits seit vier Jahrzehnten bewährten Tradition auch künftig im Interesse eines fruchtbaren Miteinanders von Wissenschaft und Wirtschaft in der Region Augsburg-Schwaben festzuhalten.

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Ansprechpartner:

Prof. Dr. Peter Welzel

Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät

Institut für Volkswirtschaftslehre

Universität Augsburg

86135 Augsburg

Telefon 0821/598-4185