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UPD 198/13 - 04.11.2013                                 Meldung als pdf

Erstmals drei Fellowships am Jakob-Fugger-Zentrum

Im Wintersemester 2013/14 vergibt das neu gegründete Jakob-Fugger-Zentrum der Universität Augsburg erstmals drei Fellowships, die ihren Inhabern den nötigen Freiraum bieten, um innovative Forschungsvorhaben bis zur Drittmittelantragstellung voranzutreiben.


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Bild: Prof. Dr. Hanno Ehrlicher, Prof. Dr. Helena Bilandzic und Prof. Dr. Lothar Schilling, die ersten drei Fellows des Jakob-Fugger-Zentrum- Forschungskollegs für Transnationale Studien der Universität Augsburg

Augsburg/AM – Wie trägt die Medienberichterstattung zur Meinungsbildung beim Thema Klimawandel bei? Welche Rolle spielen – insbesondere spanischsprachige – Kulturzeitschriften bei der kulturellen Selbstbestimmung einer Gesellschaft? Und wie eigentlich zirkulierte das Wissen um Staats- und Regierungshandeln im 18. und 19. Jahrhundert? Drei ganz unterschiedliche Fragestellungen – drei wichtige interdisziplinäre geisteswissenschaftliche Forschungsverbundvorhaben an der Universität Augsburg. Prof. Dr. Helena Bilandzic, Prof. Dr. Hanno Ehrlicher und Prof. Dr. Lothar Schilling werden als die ersten drei Fellows des Jakob-Fugger-Zentrums der Universität Augsburg im Wintersemester 2013/14 ihre Projekte zur Antragsstellung bringen und damit nicht zuletzt zur Steigerung des Drittmittelaufkommens in den Geisteswissenschaften beitragen.

Das im Herbst 2012 gegründete „Jakob-Fugger-Zentrum – Forschungskolleg für Transnationale Studien“ will die fachlichen Stärken und Schwerpunkte der Universität insbesondere im Bereich der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften gezielt bündeln und vorantreiben. Im Fokus stehen Forschungsprojekte mit transnationalem Bezug und internationalen Partnern.

Eines der zentralen Instrumente des Zentrums sind die in diesem Semester erstmals vergebenen Fellowships. Sie sind jeweils verbunden mit einem Forschungs- oder Projektsemester, in dem das Lehrdeputat der Inhaber stark reduziert wird, so dass die betreffenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die nötige Kapazität gewinnen, konzentriert an ihren innovativen Forschungsvorhaben zu arbeiten und letztlich einen Drittmittelantrag dazu vorzubereiten. Mit den Mitteln des Fellowships können die Fellows die notwendige Vertretung für ihre Lehrstühle oder Professuren finanzieren.

Die Fellowships fördern international vernetzte Forschungsverbundvorhaben mit interdisziplinärer Ausrichtung bzw. solche mit ausreichend Potenzial zur interdisziplinären Vernetzung dass damit mittel- und langfristig ganze Forschungsfelder erschlossen werden können. Die Planungs- und Konzeptionsphase der Projekte muss jeweils bereits so weit fortgeschritten sein, dass am Ende des Fellowships eine konkrete Antragseinreichung erfolgen kann.

 

Im Frühjahr 2013 erstmals ausgeschrieben, können nun im Wintersemester 2013/14 die ersten drei Fellows ihr Forschungssemester antreten.

 

  • Prof. Dr. Helena Bilandzic, Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft

Forschungsprojekt

Citizens’ views on climate change and the role of a diverse media environment: Dynamic processes of media effects

Der Klimawandel zählt zu den drängendsten Problemen der Menschheit. Unzählige Quellen liefern Berichte und Informationen zu diesem Thema. Sie bilden die Grundlage für die öffentliche Wahrnehmung und Meinungsbildung. Dabei sind die einzelnen Berichte in unterschiedlichem Maße real oder fiktional, emotional oder nüchtern, wissenschaftlich fundiert oder nicht und mitunter sogar widersprüchlich. Diese Situation erfordert eine kritische wissenschaftliche Neubetrachtung von Medienwirkungen. Das Forschungs­projekt fragt daher nach dem Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Informationen bei der Meinungs- und Einstellungsbildung über den Klimawandel: Wie gehen Informationen, die unterschiedliche Positionen und Werte repräsentieren, in die Haltung des Publikums ein? Welche Prozesse sind dabei über den zeitlichen Verlauf hinweg zu beobachten?

Mehr unter http://www.jfz.uni-augsburg.de/de/Forschung/Gesellschaftliche_Transformationsprozesse/Bilandzic

  •  Prof. Dr. Hanno Ehrlicher, Professur für Romanische Literaturwissenschaft/Spanisch

Forschungsprojekt
“Spanischsprachige Kulturzeitschriften der Moderne: Prozesse des Kulturtransfers und intellektuelle Netzwerkbildung im Zeichen der Globalisierung”

Kulturzeitschriften der Moderne wurden – im Gegensatz zu Zeitungen und Massenperiodika – als Gegenstand der Forschung lange Zeit kaum beachtet. Seit einiger Zeit jedoch wächst v. a. in der Medien- und in der Kulturgeschichte entsprechendes Forschungsinteresse. Was macht Kulturzeitschriften aus wissenschaftlicher Perspektive interessant? Prof. Ehrlicher betrachtet literarisch-kulturelle Magazine der Moderne als kulturell bedeutungsvolle 'Warenlager', in denen sich die Geschichte der mit ihnen verbreiteten 'Güter' ebenso abgelagert hat wie die Geschichte des Handels, der mit ihnen getrieben wurde. Wie helfen Kulturzeitschriften einer Gesellschaft bei ihrer kulturellen Selbstbestimmung? Ist der Diskurs in Kulturzeitschriften national geprägt und welche transnationalen Unterschiede sind zu beobachten? Welche Merkmale besitzen Kulturzeitschriften speziell im spanischsprachigen Raum? Welche Rolle haben sie hier für Modernitätsdebatten gespielt? Nachdem die Moderneforschung lange Zeit stark zentraleuropäisch ausgerichtet gewesen ist und Spanien und auch Lateinamerika eher nur als Peripherien wahrgenommen wurden, greift das Forschungsprojekt die in jüngerer Zeit sichtbar werdende Entwicklung auf, gerade diese Peripherien in ihrer Bedeutung stärker zu beleuchten. Prof. Ehrlicher war im Juni 2013 bereits Gastgeber einer DFG-geförderten internationalen Tagung zum Thema. Siehe http://www.presse.uni-augsburg.de/unipressedienst/2013/april-juni/2013_118

  • Prof. Dr. Lothar Schilling, Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit

Forschungsprojekt

“Euroscientia - Räume und Zirkulation herrschafts- bzw. staatsrelevanten Wissens in Europa, 1750-1850“

Das Projekt knüpft an ein seit 2011 von DFG und ANR gefördertes internationales Forschungsvorhaben an, an dem Prof. Schilling als Mitglied der Forschergruppe Euroscientia beteiligt ist. Es zielt darauf ab, Ordnung, Zirkulation und Institutionalisierung verschiedener Formen herrschafts- bzw. staatsrelevanten Wissens zwischen 1750 und 1850 zu untersuchen. Dieses Wissen war sehr vielfältig und reichte von Ansätzen der Bevölkerungsstatistik über Pläne und Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaftskraft eines Landes bis zu Kenntnissen über die Handhabung der öffentlichen Finanzen. Dieses Wissen, das für die Herausbildung moderner Staaten von entscheidender Bedeutung war, fügt sich nicht in heutige Wissensordnungen ein und unterlag zwischen 1750 und 1850 tiefgreifenden Veränderungen. Es wird im Rahmen des Euroscientia-Verbundes als "savoir(s) d'État" erstmals gesamthaft in den Blick genommen. Die am Euroscientia-Projekt beteiligten Wissenschaftler untersuchen, wie man dieses Wissen ordnete und welches staatsrelevante Wissen zu welchem Zeitpunkt für wen verfügbar war, wie es verbreitet und wie es erworben wurde. Denn auch die Formen der Zirkulation solchen Wissens  waren vielfältig; sie reichten von Veröffentlichungen in Zeitschriften über den Austausch unter Fachleuten bis hin zu Praktiken, die heute als Spionage bezeichnet würden.

Eine entscheidende Rolle soll einer gemeinsamen Datenbank zukommen, die derzeit eingerichtet wird. Die Datenbank soll neben personenbezogenen Daten auch verschiedenste Texte, Themen und Institutionen erfassen. Das Vorhaben soll u.a. erlauben, die wissensgeschichtlichen Voraussetzungen, die Akteure und die Praktiken des Staatsbildungsprozesses auf breiter empirischer Grundlage zu untersuchen. Mehr unter http://www.jfz.uni-augsburg.de/de/Forschung/Kultur-_und_Wissenstransfer/Schilling

 

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Kontakt:


Jakob-Fugger-Zentrum –
Forschungskolleg für Transnationale Studien der Universität Augsburg
Dr. Tilman Schröder

Universitätsstraße 2
86159 Augsburg

Telefon: 0821 / 598 - 5924
E-Mail: tilman.schroeder@praesidium.uni-augsburg.de


http://www.jfz.uni-augsburg.de

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Pressebildmaterial

 

bilandzic_sw_pr   Prof. Dr. Helena Bilandzic, Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft

 

Ehrlicher_Hanno_pr   Prof. Dr. Hanno Ehrlicher, Professur für Romanische Literaturwissenschaft/Spanisch

 

Schilling_pr   Prof. Dr. Lothar Schilling, Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit