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UPD 111/15 - 24.06.2015                                 Meldung als pdf

Geschichtsvermittlung in Schule und Öffentlichkeit

Eine gemeinsame Sommerschule der Universität Augsburg und der East China Normal University Shanghai vom 29. Juni bis zum 11. Juli 2015 in Augsburg


ShanghaiAugsburg/MW/KPP - Über zwanzig Lehramtsstudierende, Geschichtslehrerinnen und -lehrer sowie Doktorandeninnen und Doktoranden aus der Volksrepublik China erwartet der Augsburger Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte als Gastgeber einer ersten deutsch-chinesischen Sommerschule über Public History. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Shanghai und Augsburg werden sich ab dem 29. Juni 2015 knapp zwei Wochen lang mit Fragen der Geschichtsvermittlung in Schule und Öffentlichkeit befassen.

Prof. Dr. Zhongjie Meng, Vizedekan der Geschichtsfakultät der renommierten East China Normal University (ECNU) Shanghai, ist langjähriger Kooperationspartner des Augsburger Lehrstuhls für Didaktik der Geschichte. Mit ihm zusammen haben die Lehrstuhlinhaberin Prof. Dr. Susanne Popp und ihr Team das zwölftägige Programm der Sommerschule konzipiert. Es ist darauf ausgerichtet, das breite Feld der Geschichtskultur in Forschung und Vermittlung repräsentativ und vielfältig, theoretisch und zugleich praxisnah zu erschließen und zu diskutieren. Die Auseinandersetzung mit Unterschieden, Gemeinsamkeiten und Perspektiven, theoretischen Konzepten und praktischen Modellen der modernen Geschichtsvermittlung zweier unterschiedlicher politischer, gesellschaftlicher und kultureller Systeme steht dabei im Vordergrund. In der VR China sind die Etablierung der akademischen Geschichtsdidaktik als Teil der Geschichtslehrerbildung und der Aufbau von Public History-Studiengängen eine noch recht neue Entwicklung, die besonders von Professor Meng an der ECNU Shanghai vorangebracht wird - in enger Kooperation mit seiner Augsburger Kollegin Popp in deren Eigenschaft als Präsidentin der Internationalen Gesellschaft für Geschichtsdidaktik (ISHD).

Vorträge, Hospitationen und Exkursionen

Das Programm der Sommerschule umfasst Vorträge, Workshops, Exkursionen und Unterrichtsbesuchen an wechselnden Standorten - überwiegend in Augsburg, aber unter anderem auch in der Bundeshauptstadt, in die eine Abschlussexkursion führen wird. und daran anschließend als Schlussexkursion zwei Tage in Berlin. Kernthema sind stets die Ziele, die Methoden, die Medien und die Institutionen der Geschichtsvermittlung in Deutschland und in Europa. Einführende Überblicksvorträge und theoretische Erarbeitungen mit Diskussionen sind jeweils die Grundlage für Hospitationen in Augsburger Schulen bzw. für Exkursionen zu Museen und Gedenkstätten, bei denen innovative Verfahren der Geschichtsvermittlung präsentiert und diskutiert werden.

Geschichtsunterricht im deutsch-chinesischen Vergleich

Ein Schwerpunkt ist der Geschichtsunterricht an allgemeinbildenden Schulen. Grundlagen und Merkmale des Schulfachs Geschichte, Zielsetzung sowie Unterrichtsmethodik und -medien, insbesondere die Schulbuchkultur, stehen dabei im Vordergrund. Die Charakteristika werden im deutsch-chinesischen Vergleich diskutiert und bei Hospitationen an weiterführenden Schulen Augsburgs veranschaulicht werden. Kooperationspartner sind hier die Heinrich-von-Buz Realschule in Augsburg-Oberhausen, die Mittelschule Augsburg Centerville Süd und das Holbein-Gymnasium.

Gedenkstättenkonzeption und -kultur

Als Vermittlungsgegenstand stehen der Nationalsozialismus, der Holocaust und der Zweite Weltkriegs sowie die damit verbundene Auseinandersetzung mit der deutschen historischen Verantwortung im Mittelpunkt. Bei Exkursionen in die KZ-Gedenkstätte Dachau, zum Dokumentationszentrum am ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und zum Nürnberger Justizpalast werden insbesondere Merkmale und Besonderheiten der Gedenkstättenkonzeption und -kultur im deutsch-chinesischen Vergleich Thema sein.

Geschichtsvermittlung im Museum

Auch das vom Augsburger Geschichtsdidaktiklehrstuhl koordinierte internationale EU-Projekt EMEE, das sich um eine zeitgemäße Geschichtsvermittlung im Museum dreht, kommt im Programm der Sommerschule zur Geltung. Konventionelle und moderne Konzepte museologischer Geschichtsvermittlung - hier konkret zum Thema Industrie und Technik - werden bei Exkursionen ins Deutsche Museum nach München sowie in das Augsburger Industrie- und Technikmuseum (TIM) aufgegriffen. Weitere Museums- und Ausstellungskonzepte, die auf übergreifende oder lokale Sammlungsgebiete deutscher Geschichte gerichtet sind, werden bei Besuchen des Augsburger Maximilianmuseums, des Germanischen Nationalmuseums (Nürnberg), des Deutschen Historischen Museums (Berlin), des Jüdischen Museums (Berlin) sowie des Schlosses Sanssouci (Potsdam) erkundet.

Medien der Geschichtsvermittlung

Schließlich wird es auch um die Medien der Geschichtsvermittlung gehen, v. a.  um die Kultur der populärer Geschichtsmagazine im internationalen Vergleich. Dieser weltweit im Aufwärtstrend befindliche Sektor ist in der VR China noch in einem frühen Entwicklungsstadium, um dennoch bereits vielfältige Ausprägungen zu zeigen. Auch in diesem Zusammenhang kann die Augsburger Geschichtsdidaktik mit ihrem 2014 erfolgreichen Forschungsprojekt EHISTO auf ausgewiesene Kompetenz zurückgreifen und zugleich anknüpfen  an ein einschlägiges, ebenfalls jüngst abgeschlossenes Augsburg-Shanghai-Kooperationsprojekt.

Für die Einführung in die Medienthematik konnte als Referent Stefan Bergmann, Chefredakteur von DAMALS, eines der führenden Geschichtsmagazine Deutschlands, gewonnen werden. Neben ihm und zahlreichen Dozenten aus den Universitäten Augsburg und Shanghai werden auch zahlreiche Expertinnen und Experten aus mehreren anderen chinesischen Einrichtungen sowie u. a. aus Bremen, Berlin und Mailand zur Attraktivität des dichten Programms der Sommerschule beitragen.

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Förderer ...

... der Sommerschule sind die Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg e. V., die Deutsch-Chinesische Gesellschaft Augsburg, e. V., Huangshan Publishing House, Shanghai, und die East China Normal University (ECNU) Shanghai.

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Kontakt und Informationen:

Dr. Michael Wobring
Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte
Telefon 0821/598-5499
michael.wobring@phil.uni-augsburg.de