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UPD 55/18 - 17.05.2018                                 Meldung als pdf

Von Geniza-Fragmenten über Hochzeitssteine bis zu Videospielen

Als Gastprofessor für Jüdische Kulturgeschichte an der Philologisch-Historischen Fakultät wendet sich der Potsdamer Judaist Prof. Dr. Nathanael Riemer in drei Vorträgen am 6., 13. und 25. Juni 2018 an die interessierte Öffentlichkeit.


Riemer Nathanael © Uni PotsdamAugsburg/KPP – Nach deren erstmaliger Besetzung im Sommer 2017 mit Prof. Dr. Miriam Zadoff – inzwischen Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München – ist in diesem Semester Prof. Dr. Nathanael Riemer vom Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft der Universität Potsdam Inhaber der Gastprofessur für Jüdische Kulturgeschichte an der Philologisch-Historischen Fakultät der Universität Augsburg. In zwei Vorträgen an der Universität und in einem weiteren im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben richtet sich Riemer über den Kreis der Studentinnen und Studenten hinaus an die interessierte Öffentlichkeit.

Bild: Prof. Dr. Nathanael Riemer vom Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft der Universität Potsdam ist in diesem Semester zweiter Inhaber der 2017 errichteten Augsburger Gastprofessur für Jüdische Kulturgeschichte. Foto: www.uni-potsdam.de

Nathanael Riemer lehrt am Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft der Universität Potsdam Jüdische Studien mit dem Schwerpunkt Interreligiöse Begegnungen. Nach dem 2003 abgeschlossenen Studium für Judaistik/Jüdischen Studien, Germanistik, Geschichte und Philosophie in Tübingen, Köln, Jerusalem und Potsdam verzeichnet sein Werdegang neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit an der Universität Potsdam zahlreiche internationale Gastdozenturen und Fellowships u. a. in China, Israel, Russland, der Schweiz und in den USA.

In der Forschung widmet sich Riemer insbesondere den Themen "Religions- und Kulturgeschichte des Judentums und Christentums", "Interreligiöser Dialog", Religiöse Gegenwartskulturen", "Populäre Kulturen" und "Materielle Kulturen". Demenentsprechend befassen sich auch die Seminare und Workshops, die er den Studentinnen und Studenten der Augsburger Geisteswissenschaften in diesem Sommersemester anbietet z. B. mit dem Komplex "Judentum und Kunst" oder mit "Materiellen Kulturen des Judentums im (süd)deutschen Raum".

Mit dem ersten seiner drei öffentlichen Vorträge (Details siehe unten) wird Riemer zugleich den vom 6. bis zum 8. Juni stattfindenden Workshop "Emanzipation und Religion" eröffnen. Es handelt sich dabei um den Auftaktworkshop der von Prof. Dr. Bettina Bannasch (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft) initiierten und geleiteten Augsburger Arbeitsgruppe „Emanzipation nach der Emanzipation. Jüdische Literatur, Philosophie und Geschichte von 1900 bis heute“.

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Die drei öffentlichen Vorträge (Eintritt jeweils frei):

Mittwoch, 6. Juni 2018, 18.30 Uhr
Universität Augsburg, Phil.-Hist. Fakultät, Universitätsstraße 10 (Gebäude D), Raum 2122

Säkularisierungs- und Wiederentdeckungsprozesse in der jüdischen Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts am Beispiel süddeutscher Genizot

Die europäisch-jüdische Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts wird von unterschiedlichen Diskursen, Brüchen und Impulsen bestimmt. Einerseits ist eine zunehmende Säkularisierung zu beobachten, andererseits sind immer wieder Phasen der Rezeption und Überformung jüdischer Traditionsbestände festzustellen, die durch die Umgebungskultur mitbeeinflusst werden. Riemer setzt sich in diesem Vortrag mit den Säkularisierungs- und Wiederentdeckungsprozessen innerhalb der jüdischen Kultur des 19. Jahrhunderts auseinander und richtet dabei besonderes Augenmerk auf Repositorien für „heilige“ Dinge, die auf den Dachböden zahlreicher Synagogen des deutschsprachigen Raumes entstanden.

 

Mittwoch, 13. Juni 2018, 19.30 Uhr
Jüdisches Kulturmuseum Augsburg-Schwaben, Halderstraße 6-8, 86150 Augsburg 

"Scherben bringen Glück" – Wofür man im süddeutschen Judentum einen Hochzeitsstein benötigt(e)

Hochzeiten sind freudige Ereignisse, die mit vielen Hoffnungen auf das ungestörte Glück des jungen Paares verbunden werden. Daher verwundert es wenig, dass die Menschen vergangener Epochen einige Anstrengungen unternahmen, um Braut und Bräutigam vor Ungemach zu bewahren. Im süddeutschen Judentum entwickelte sich aus dem Wunsch, das Brautpaar vor bösen Mächten zu schützen, der Brauch ein Glas gegen Hochzeitsteine zu werfen, die in Mauern und Türbögen von Synagogen eingelassen waren. Riemer stellt sowohl die Entwicklung des Brauches als auch die ästhetische Ausgestaltung erhaltener und abgegangener Huppasteine einem größeren Publikum vor.

Montag, 25. Juni 2018, 18.00 Uhr
Universität Augsburg, Institut für Informatik (Gebäude N), Universitätsstraße 6a, Raum 2045 

Mit den Göttern zocken. Religionen in Videospielen

Religionen und Videospiele? Bei dieser Konjunktion von Phänomenen schütteln viele Menschen entrüstet den Kopf und heben abwehrend die Hände. Riemer verlässt die ausgetretenen Pfade der reziproken Vorbehalte und rückt die intensive Rezeption von religiösen Motiven durch Gameentwickler in den Mittelpunkt. Er skizziert darüber hinaus die wesentlichen Rahmenbedingungen der Spieleindustrie und widmet sich der Überlegung, ob Videogames als Kulturgut in die Didaktik einbezogen werden können.

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Mehr zu Prof. Dr. Nathanael Riemer:
http://www.uni-potsdam.de/de/js-rw/institut/jprof/riemer.html

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Mehr zur Gastprofessur für Jüdische Kulturgeschichte an der Philologisch-Historischen Fakultät der Universität Augsburg:
http://www.philhist.uni-augsburg.de/juedische_kulturgeschichte/

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Kontakte an der Universität Augsburg

Dekan Prof. Dr. Martin Kaufhold
Telefon 0821/598-5516
martin.kaufhold@philhist.uni-augsburg.de 

Prof. Dr. Bettina Bannasch
Telefon 0821/598-2778
bettina.bannsch@philhist.uni-augsburg.de

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Pressebild zum Download:

Riemer Nathanael © Uni PotsdamProf. Dr. Nathanael Riemer vom Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft der Universität Potsdam ist in diesem Semester zweiter Inhaber der 2017 errichteten Augsburger Gastprofessur für Jüdische Kulturgeschichte. Foto: www.uni-potsdam.de