Suche

UPD 125/18 - 06.11.2018                                 Meldung als pdf

Universität Augsburg will Einsatz freier Bildungsmaterialien vorantreiben

Deutschlandweites Verbundprojekt zu „Open Educational Resources“ (OER) abgeschlossen


Augsburg/FL – Die Universität Augsburg möchte dazu beitragen, die Herstellung und den Einsatz freier Bildungsressourcen in Deutschland deutlich voran zu treiben. Bei diesen handelt es sich um Lehr-Lern-Materialien – angefangenen von Grafiken bis hin zu kompletten Online-Kursen –, die kostenfrei genutzt, verändert und weitergegeben werden dürfen. In den vergangenen 18 Monaten hat die Universität zusammen mit fünf weiteren deutschen Hochschulen eine Strategie entwickelt, um die Verbreitung derartiger „Open Educational Resources“ (OER) zu fördern. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp einer halben Million Euro gefördert.

Die Professorin Anne Müller hat ein Problem: Sie konzipiert gerade ein Seminar zur Sinnesphysiologie von Tieren. Dabei ist sie bei YouTube auf ein hübsches Filmchen zur Ultraschall-Orientierung bei Fledermäusen gestoßen. Darf sie das Video auf die Download-Plattform ihrer Universität einstellen, über die sie ihren Studierenden die Seminarunterlagen in digitaler Form zur Verfügung stellt?

Anne Müller gibt es nicht. Ihr Problem hingegen dürfte vielen Dozentinnen und Dozenten bekannt vorkommen. Im Internet finden sich jede Menge Grafiken, Filme, Animationen und Artikel. Doch wer sie herunterlädt und womöglich noch weiter gibt, verstößt oft gegen das Gesetz – selbst dann, wenn das zu Bildungszwecken und ohne kommerzielles Interesse geschieht.

Andererseits gibt es inzwischen immer mehr Materialien, die jeder verwenden, verändern und verbreiten darf: die so genannten „Open Educational Resources“, abgekürzt OER. In Deutschland sind diese aber noch vergleichsweise wenig bekannt – ein Umstand, den das Projekt „OERinForm“ ändern soll. In den vergangenen 18 Monaten kooperierten darin die Medienzentren von sechs Hochschulen, darunter auch der Universität Augsburg. Ihr Ziel: den Einsatz und die Entwicklung „offener“ (also frei verfügbarer) Lehr-Lern-Materialien in der deutschen Hochschullandschaft voranzutreiben.

„Zu diesem Zweck haben wir unter anderem Informationen, Erklär-Videos und rechtliche Handreichungen zu OER entwickelt und auf einer zentralen Webseite bereit gestellt“, erklärt Dr. Ulrich Fahrner, Leiter des Medienlabors an der Universität Augsburg. „Mit diesem Material wollen wir Medien- und E-Learningzentren in ganz Deutschland dazu in die Lage versetzen, Lehrende umfassend zum Thema OER zu beraten.“

Die Webseite (https://oer.amh-ev.de) beantwortet dazu einerseits wichtige Fragen zum Einsatz von OER: Auf welchen Plattformen im Internet lassen sich offene Bildungsmaterialien finden? Wie kann man sie nutzen? Welche Urheberrechtsnachweise muss man beispielsweise angeben? Welche Lizenz-Modelle sind üblich und worin unterscheiden sie sich? So gibt es allein von der bekannten „Creative Commons“-Lizenz zahlreiche verschiedene Varianten, die unterschiedliche Arten der Nutzung erlauben.

Andererseits solle OERinForm aber auch dazu animieren, eigene Lehrmaterialien für die öffentliche und unentgeltliche Nutzung zu lizenzieren, betont Fahrner: „Drittmittelgeber wie das BMBF oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft fordern inzwischen oft ganz explizit, dass die Ergebnisse eines geförderten Projekts der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.“ Die politische Idee dahinter: Universitäten werden aus Steuermitteln finanziert; da ist es nur recht und billig, wenn ihre Erkenntnisse wieder an die Gesellschaft zurückfließen – und das ohne finanzielle oder rechtliche Hürden.

Wenn beispielsweise in einem Forschungsprojekt neue Methoden entwickelt werden, um die Schreibkompetenz von Grundschülern zu fördern, dann hat das natürlich hohe Relevanz für Lehrerinnen und Lehrer. Im Idealfall sollen diese die Ergebnisse daher ohne rechtliche Einschränkungen nutzen dürfen. „Wir beraten in solchen Fällen die Wissenschaftler, mit welchen Lizenzen sie die von ihnen konzipierten Materialien versehen sollten und wohin sie diese hochladen können“, erklärt Fahrner.

Gerade der erste Punkt ist oft nicht gerade trivial, da auch die Materialien Bilder, Videos oder andere Medien aus unterschiedlichen Quellen enthalten können, die ihrerseits urheberrechtlich geschützt sind. Im Projekt wurde daher unter anderem eine Art elektronischer Assistent entwickelt, der Dozenten bei der Erstellung von OE-Ressourcen begleitet. Dieser fragt etwa mit Hilfe von Checklisten die wichtigsten rechtlichen Voraussetzungen ab, unterstützt bei der Auswahl des Lizenzmodells und hilft dabei, die Lehrmaterialien auf einem geeigneten Server zu veröffentlichen und recherchierbar zu machen.

Die Webseite von OERinForm, deren Erstellung von der Universität Augsburg koordiniert wurde, wird nach Auslaufen des Projekts inzwischen von der Arbeitsgemeinschaft der Medienzentren an Hochschulen gepflegt. Die auf der Seite eingestellten Inhalte sind natürlich selbst ebenfalls offene Bildungsressourcen: Sie unterliegen in aller Regel einer Creative Commons-Lizenz, die ihre Modifikation und ihre Weitergabe an Dritte ausdrücklich erlaubt.

Homepage mit Material: https://oer.amh-ev.de

Pressekontakt:

Dr. Ulrich Fahrner
Leiter des Medienlabors der Universität Augsburg
Telefon: 0821/598-5863
E-Mail: ulrich.fahrner@phil.uni-augsburg.de