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UPD 134/18 - 15.11.2018                                 Meldung als pdf

Heute abend an der Universität Augsburg:

Die dunkle Seite der Aufklärung: Kosmopolitismus und Bürgerkrieg

Der Historiker David Armitage, Harvard University und Wissenschaftskolleg Berlin, im ersten Vortrag der JFZ-Reihe "Kosmopolitismus, Krisen, Fremdheit und neue Weltordnungen"


Augsburg/AR/KPP – Professor David Armitage, Lloyd C. Blankfein Professor für Geschichte an der Universität Havard und 2018/19 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, spricht am 15. November 2018 um 18.30 Uhr in Raum D 2107 an der Universität Augsburg zum Thema „The Dark Side of the Enlightenment: Cosmopolitanism and Civil War“. Der Vortrag ist Teil der Reihe „Kosmopolitismus, Krisen, Fremdheit und neue Weltordnungen" des Jakob-Fugger-Zentrums. Der Eintritt ist frei.

Gegenwärtige Theorien des Kosmopolitismus verbinden das Konzept mit grundsätzlicher Zustimmung zu Dialog, Toleranz und zur weitgehenden Öffnung von Gemeinschaft und Kommunikation. Es wird in Gegensatz gestellt zu anderen stärker konflikthaften Werten und Ideologien wie Partikularismus und Nationalismus, und nährt teleologische Geschichten von „Zivilisation“ und Befriedung. Der Vortrag hinterfragt solche vereinfachenden Annahmen über Kosmopolitismus, indem er seiner Beziehung zu Konzeptionen gesellschaftlichen Konflikts nachspürt, insbesondere mit Blick auf das Zeitalter der Aufklärung als einer Zeit augenfälligen Kosmopolitismus und sich ausbreitender Bürgerkriege.

Kosmopolitismus und Bürgerkrieg waren durch die Idee der civitas verbunden, der organisierten menschlichen Gemeinschaft, die Frieden sicherte, die aber auch eine Arena wiederkehrender und destruktiver Konflikte zwischen Mitbürgern oder cives war, wie römische Autoren von Cicero bis Augustinus spätere Generationen erinnerten. Diese römische Tradition implizierte, dass
das Leben in der civitas auch eine Tendenz zum Bürgerkrieg beinhaltete; tatsächlich konnten nur die Zivilisierten einen Bürgerkrieg erleiden. Kosmopolitismus mag als Rettung betrachtet worden sein, zumindest aber als Lösung, für solche Konflikte innerhalb der civitates, aber sein Universalismus hatte paradoxe nicht intendierte Konsequenzen. Indem er die Grenzen der civitas ausdehnte, erweiterte der Kosmopolitismus die Arena gesellschaftlicher Konflikte auf die ganze Menschheit: wie Marius Pontmercy in Victor Hugo’s Les Misérables (1862) fragte: „Civil war…What did the words mean? Was there any such thing as ‘foreign‘ war? Was not all warfare between men warfare between brothers?“. Und indem der Kosmopolitismus implizierte, dass alle Menschen Bürger einer einzigen Gemeinschaft seien, machte er auch die Idee eines „globalen Bürgerkriegs“ denkbar, wie sie Carl Schmitt und seine Anhänger ausarbeiteten und wie sie in letzter Zeit von Analysten des transnationalen Terrorismus wiederbelebt wird. Diesen Spannungsverhältnissen
geht David Armitage in seinem Vortrag auf den Grund.


Professor David Armitage


... ist Lloyd C. Blankfein Professor für Geschichte an der Universität Harvard, wo Ideengeschichte und Globalgeschichte lehrt. 2018/19 ist er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. David Armitage wurde in Großbritannien geboren und studierte in Cambridge und Princeton. Bevor er 2004 nach Harvard ging, lehrte er elf Jahre an der Universität von Columbia. Er ist Honorary Fellow
am St. Catharine`s College, Cambridge und Honorary Professor an der Universität Sydney sowie der Queen’s Universität Belfast. Gastaufenthalte führten ihn unter anderem nach Paris, Oxford, Berlin und Seoul. Er ist Mitglied der Real Academia de la Historia, Madrid, der Royal Society of Edinburgh, der Royal Historical Society und der Australian Academy of the Humanities.
David Armitage ist Autor zahlreich ausgezeichneter Bücher. 2018 erschien „Bürgerkrieg. Vom Wesen innerstaatlicher Konflikte“ auf Deutsch.

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Termin und Ort:

Donnerstag, 15. November 2018, 18.30 Uhr
Phil.-Fakultäten, Universitätsstraße 10, Gebäude D, HS 2107

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Das Jakob-Fugger-Zentrum

... ist das zentrale Forschungskolleg für die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg. Als internationale und interdisziplinäre Forschungseinrichtung widmet es sich Kernfragen der Geschichte, Gegenwart und Zukunft einer global vernetzten Gesellschaft. Es
stößt innovative Forschungen an, fördert den fächerübergreifenden und internationalen Austausch und macht innerhalb der Universität weitreichende Synergieeffekte nutzbar. Als Plattform für transnationale Studien der Universität Augsburg reflektiert das Jakob-Fugger-Zentrum das Konzept der kooperativen „Netzwerkuniversität“.
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Weitere Vorträge in der Reihe "Kosmopolitismus, Krisen, Fremdheit und neue Weltordnungen":

• 21.11.2018, 18.15 Uhr, D 2128, Universität Augsburg
Rentenkrise und "demographische Zeitbombe“. Debatten und Wahrnehmungsmuster in Deutschland und Großbritannien an der Wende zum 21. Jahrhundert
Prof. Dr. Cornelius Torp, Projektbezogener Gastprofessor für transnationale Forschung am Jakob-Fugger-Zentrum

• 27.11.2018, 18.30 Uhr, D 2107, Universität Augsburg
Fremde im eigenen Haus
Prof. em. Dr. Dr. h. c. Bernhard Waldenfels, Ruhr-Universität Bochum

• 11.12.2018, 18.30 Uhr, D 2110, Universität Augsburg
China's Global Connectivity Politics: A new meta-geography for international politics?
Dr. Nadine Godehardt, Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Politik und Sicherheit, Berlin
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Ansprechpartnerin:
Dr. Andrea Rehling
Jakob-Fugger-Zentrum
Universität Augsburg
Telefon +49(0)821/598-5924
Andrea.Rehling@praesidium.uni-augsburg.de
http://www.jfz.uni-augsburg.de/