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UPD 65/19 - 10.05.2019                                 Meldung als pdf

Fakten! oder: Woher wissen Sie das?

Akademische Jahresfeier: In ihrer Festrede betonte die Präsidentin der Universität Augsburg die Rolle der Universitäten bei der Generierung von Wissen in Zeiten von „Fake-News“


Pressebild Dies Uni Augsburg 2019 DSC_0266_Bernd Sibler_ Sabine Doering-ManteuffelAugsburg, 10. Mai 2019 Im Rahmen der Akademischen Jahresfeier reflektierte die Präsidentin der Universität Augsburg in ihrer Festrede Phänomene wie die Fälschung der Hitler-Tagebücher oder die Machenschaften von Claas Relotius und fragte nach dem Verhältnis von Fälschungen, Fakten und Faktizität. Die dynamische Weiterentwicklung der Augsburger Universität mit konstant hohen Studierendenzahlen, einem breiten Fächerspektrum und dem Aufbau der Augsburger Universitätsmedizin lobte der ebenfalls anwesende Bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler in seinem Grußwort. Außerdem wurden Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie engagierte Studierende für ihre Leistungen mit Preisen der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg ausgezeichnet.

Bild: Staatsminister Bernd Sibler und Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg. Foto: Klaus Satzinger-Viel

Fakten und Faktizität anstelle von Fälschungen

 „Alle Welt spricht nicht etwa von Fälschungen, sondern von Fakten und Faktizität. Wir finden den Begriff in den Rechtswissenschaften genauso wie in der Philosophie und neuerdings im Alltagsjargon vor allem der Medien – eben auch gerade jener Medien, die uns vorgeführt haben, dass sie besonders anfällig für Unwahrheiten sein können, wenn es ihnen nur genügend Leseraufmerksamkeit verspricht“, so Präsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel in ihrem Vortrag. Bei ihrer Erklärung dieses Phänomens warf die Ethnologin auch einen Blick zurück auf die Zeit Ende des 17. Jahrhunderts, als sich Geschichten um Jenseitsreisen, Geister und Gespenster häuften und den Menschen als scheinbare Fakten Interpretationsmöglichkeiten ihres Daseins lieferten.

Die Angst des Menschen vor dem Verborgenen, den unsichtbaren Kräften, die die Welt zusammenhalten, rufe auch Angst vor den Errungenschaften und Möglichkeiten der Wissenschaft hervor. „Nach genau diesem Wissen suchen wir hier an unserer Universität. Dabei leben wir in einer Gesellschaft, in der wir die Dinge nicht immer trennscharf zeichnen können, in der große Spannungen zwischen Emotion und Erkenntnis herrschen, falsche Meldungen, bewusste Fälschungen und absurde Kettenbriefe kursieren, Profiteure und Nutzer, Falschspieler und Gelehrte auftreten“, so Doering-Manteuffel weiter. Ihr Rat an das Publikum: „Bleiben Sie wachsam, schauen Sie hinter die Spiegel, die man Ihnen vorhält.“

Wissenschaftsminister Bernd Sibler betonte: „Getreu ihrem Leitspruch ‚scientia et conscientia‘ vereint die Universität Augsburg wissenschaftliche Exzellenz mit der Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. In diesem Sinn hat sie ein starkes Profil entwickelt! Entscheidende Fragen der Zukunft geht sie engagiert an. Die Universität Augsburg steht für hervorragende akademische Bildung, erstklassige Forschung und trägt nachhaltig zur Weiterentwicklung der Region bei.“

Preise für ausgezeichnete Doktorarbeiten und studentisches Engagement

Ein wichtiger Programmpunkt der Jahresfeier war die Verleihung der mit jeweils 2.000 Euro dotierten Universitätspreise der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg, die an hervorragende Dissertationen aus der Philologisch-Historischen Fakultät, der Mathematisch-Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät und der Fakultät für Angewandte Informatik gingen:

Dr. Theresia Dingelmaier wurde für ihre Untersuchung deutschsprachiger jüdischer Volks- und Kindermärchen ausgezeichnet, die einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der deutsch-jüdischen Kultur und Geschichte leistet sowie zur Literatur- und Märchenforschung. Mit Supraleitern, die ein vollständiges Verschwinden des elektrischen Widerstands zeigen, befasste sich Dr. Jannis Maiwald in seiner Doktorarbeit, die durch ein weites Spektrum experimenteller Untersuchungen bis hin zur theoretischen Modellierung ein tiefes Verständnis dieses bemerkenswerten Effekts ermöglicht. Die Forschungsarbeit von Dr. Alexander Schiendorfer stammt aus dem Schnittbereich von Softwaretechnik, Entscheidungstheorie und Optimierung. Er hat mit der Modellierungssprache MiniBrass das weltweit einzige Optimierungssystem von sogenannten Soft-Constraints entwickelt, bei denen es sich um unlösbare Situationen bei selbstorganisierenden Systemen handelt, wie sie bei der Steuerung von intelligenten Energiesystemen oder in der digitalisierten Produktion vorkommen.

Für ihr außergewöhnliches Engagement wurden außerdem die Studierenden Jana Grun und Vanessa Sandmair sowie Sophie Schmid mit dem Preis der Gesellschaft der Freunde für studentisches Engagement ausgezeichnet.

Verleihung des Förderpreises des Bezirks Schwaben

Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl übergab in Vertretung des Bezirkstagspräsidenten den Förderpreis des Bezirks Schwaben an Dr. Johannes Moosdiele-Hitzler, der in seiner exzellenten Regionalstudie den Einbruch der eschatologisch geprägten pietistischen Frömmigkeit in einem

bayerischen Dorf an der Grenze zu Württemberg Ende des 18. Jahrhunderts untersuchte. Seine Studie ermöglicht einen Blick auf den engen Zusammenhang zwischen medizinischer Versorgung, verbesserten wirtschaftlichen Verhältnissen und der Säkularisierung der Welt zu jener Zeit. Der mit 2.500 Euro dotierte Förderpreis des Bezirks Schwaben wird jährlich vergeben für hervorragende Dissertationen mit einem besonderen thematischen Bezug zur Vergangenheit oder Gegenwart des Bezirks Bayerisch-Schwaben, insbesondere auf kulturellem Gebiet.