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Ehrendoktorwürde für Prof. Dr. Dr. h. c. Klaus Dransfeld

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät ehrt einen der Gründungsväter der Augsburger Physik

In Anerkennung seiner hervorragenden Beiträge zur experimentellen Physik, insbesondere im Hinblick auf die Erzeugung und Anwendung hochfrequenter Phononen und die Rastersondenmikroskopie, hat die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg am 11. November 1996 den emeritierten Konstanzer Physiker Prof. Dr. Dr. h. c. Klaus Dransfeld mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Über den außergewöhnlichen und außergewöhnlich erfolgreichen Physiker hinaus hat die Augsburger Fakultät in der Person Dransfelds gleichzeitig einem langjährigen Verbündeten die Ehre erwiesen, der seit Mitte der 80er Jahre entscheidend zur erfolgreichen Etablierung des Faches Physik an der Universität Augsburg beigetragen hat.

Der Werdegang

Klaus Drandfeld wurde am 12. August 1926 in Berlin geboren und wuchs in Köln auf. 1945 als 18jähriger aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen, begann er in Köln das Studium der Fächer Physik, Chemie und Mathematik. Mit einer Arbeit zur "Bestimmung der photoelektrischen Konstanten in optischen Gläsern mittels eines dynamischen Verfahrens" - es geht hier um die Lichtstreuung an Schallwellen - promovierte er 1952 bei Professor Clemens Schäfer. Zwei weitere Jahre blieb Dr. Dransfeld als Hochschulassistent an der Universität Köln, dann ermöglichte ihm ein DAAD-Stipendium in den Jahren 1955 und 1956 einen Aufenthalt am berühmten Clarendon Laboratorium der Universität Oxford.

Es folgte von 1957 bis 1960 eine äußerst erfolgreiche, auf das Gebiet der Ultraschallerzeugung gerichtete Tätigkeit als Scientific Staff Member bei den Bell Telephone Laboratories in Murray Hill, N. J., USA. Während eines halbjährigen Abstechers nach Rio de Janeiro hat Dransfeld 1959 an der dortigen katholischen Universität einen physikalischen Studiengang aufgebaut ("Dies ist für uns Augsburger ja kein total unbekanntes Unterfangen", meinte Prof. Dr. Peter Hänggi, der als der im Jahr 1986 als erster an die Universität Augsburg berufene Physiker die Laudatio auf seinen Konstanzer Kollegen hielt). 1960 ging Klaus Dransfeld als Associate Professor an die Universität von Kalifornien in Berkeley, wo ihn 1965 ein Ruf auf eine Professur an der Technischen Universität München erreichte. Acht Jahre später wurde er Direktor am damals von der Max-Planck-Gesellschaft und dem CNRS gemeinsam gegründeten Hochfeldmagnetlabor in Grenoble.

Nach vier Jahren des erfolgreichen Aufbaus in Grenoble kehrte Dransfeld 1977 wieder nach Deutschland zurück, zunächst als Direktor an das Max-Planck-Institut für Festkörperphysik in Stuttgart. Von dort aus wechselte er 1982 dann auf einen Physiklehrstuhl an die Universität Konstanz, den er bis zu seiner Emeritierung innehatte.

Das wissenschaftliche Werk

Das wissenschaftliche Werk Dransfelds stellte Laudator Hänggi als ungewöhnlich facettenreich dar: Eine zentrale Rolle spielen die Begriffe "Ultraschallerzeugung", "Streuung von Phononen und Photonen" sowie "Mikroskopie". Seine vielfältigen Forschungen haben sich in über 200 Publikationen niederschlagen. Große internationale Anerkennung fanden die Arbeiten zur Ultraschallerzeugung; aus ihnen heraus wurde die Hyperschall-Mikroskopie geboren, die zur Abbildung nicht Lichtwellen verwendet, sondern kurzwelligen Ultraschall im Giga-Hertz-Bereich. Auf dem Gebiet tiefer Temperaturen gelang es Dransfeld, mit starken Magnetfeldern Polymere, Membranen, die DNS und Viren räumlich auszurichten. Als Konsequenz konnten diese Substanzen so für eine kristallographische Analyse zugänglich gemacht werden. Richtungweisend waren nicht zuletzt Dransfelds Magnetfelduntersuchungen an Halbleitern. Diese Untersuchungen bereiteten den fruchtbaren Boden, auf dem Klaus von Klitzing den Quantenhalleffekt entdeckte, um dafür mit dem Nobelpreis ausgezeichnet zu werden.

"Für seine grundlegenden Arbeiten zur Erzeugung von Hyperschallwellen und deren Anwendung zur Untersuchung von Festkörpern und Quantenflüssigkeiten" ist Professor Dransfeld 1989 anläßlich der Jahrestagung der Societé Française de Physique mit dem deutsch-französischen Gentner-Kastler-Preis ausgezeichnet worden, 1993 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Université Joseph Fourier, Grenoble, verliehen.

Das wissenschafts-politische Wirken

Für das wissenschaftliche Ansehen, das Professor Dransfeld weltweit genießt, aber auch für das Engement, mit dem er sich seit jeher für forschungs- und hochschulpolitische Aufgaben eingesetzt hat, spricht nicht zuletzt die lange, nicht weniger als 25 Punkte umfassende Liste, die seine ehrenamtlichen Tätigkeiten und Mitgliedschaften verzeichnet. Beispielhaft seien hier nur seine Tätigkeit als Vorsitzender des Fachausschusses Physik der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1976-79), seine Funktion als Sprecher des SFB 306 "Mikroskopische und strukturbedingte Prozesse der atomaren und molekularen Bewegung" (1984-90), seine Mitgliedschaft im Auwahlausschuß für das Preisträgerprogramm der Alexander-von-Humboldt-Stiftung sowie seine Tätigkeit in der Arbeitsgruppe "Naturwissenschaften an den Universitäten der neuen Bundesländer" des Wissenschaftsrats erwähnt.

Das Engagement für die Augsburger Physik

Für die Universität Augsburg und insbesondere für deren Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät von besonderer Bedeutung war Professor Dransfelds Mitgliedschaft in dem im Sommer 1987 ministeriell bestellten Berufungsausschuß für die Augsburger Physik: Zusammen mit seinen Kollegen Lüscher, Rohrer und Steglich hat Dransfeld in diesem Ausschuß während der Jahre 1988 bis 1993 sein ganzes Gewicht zugunsten der erfolgreichen Etablierung des Faches Physik an der Universität Augsburg in die Waagschale geworfen und, so Hänggi, "entscheidend an der erfolgreichen Einrichtung des Faches Physik an unserer Universität mitgeschmiedet. ... Nachdem ich mich", so berichtete Hänggi aus seinen persönlichen Erinnerungen, "auf der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Münster 1986 als erster Physiker hier in Augsburg nach potentiellen Kandidaten für unseren Berufungsausschuß orientierte, gab mir mein Mentor, Professor Harry Thomas aus Basel, einen entscheidenden Tip: 'Fragen sie doch den Kollegen Dransfeld ... , der hat viele Verbindungen und ist bekannt als Fuchs mit gutem, ausgewogenem Verhandlungsgeschick ...'. Von Münster zurückgekommen, habe ich Herrn Dransfeld natürlich sofort persönlich angerufen. In der Tat war er, ohne Vorbehalte, bereit, für die 'Physik in Augsburg' - die er für den Raum Schwaben und das Allgäu als Bereicherung und nicht als Konkurrenz zu Konstanz einstufte - als Mitstreiter an diesem Prozeß mitzuwirken. Dafür hat er auch vorbildlich mehrere freie Samstage für unsere - bekannten wie berüchtigten - Berufungsverfahren geopfert! Er war voll überzeugt, daß Physik in Augsburg not tut. Seine ausgiebige Erfahrung und sein taktisches Verhandlungsgeschick waren in der Tat auch notwendig für uns."

Er erinnere sich, so Hänggi weiter, "noch gut an die entscheidende Sitzung im Mai 1988 mit der Kommission des Wissenschaftsrats in einer ehrwürdigen Villa in Köln. Nachdem die Augsburger Delegation in einem Vorraum die Zeit für die internen Vorgespräche abwarten mußte, durften wir - ich habe heute noch das Knistern des ehrwürdigen Schiffsbodenparketts in meinen Ohren - eintreten, um an den Verhandlungen teilzunehmen. Nach einer diffizilen Frageperiode, konstruktiven Antwortversuchen unsererseits und zum Teil verdeckten gegenseitigen Scharmützeln schien das Boot mit der Augsburger Physik schon fast zu kentern. Dann kam der beeindruckende Auftritt des zu Ehrenden: Abwartend, ruhig hatte er zugehört, geschickt die Argumente gesammelt, um mit einem fulminanten Plädoyer für Augsburg - ich werde die Szene nie vergessen - die Stimmung im Wissenschaftsrat doch noch völlig zu unseren Gunsten umzudrehen. Das Resultat ist mittlerweile wohlbekannt: Die Physik in Augsburg ist seitdem fest verankert."

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