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UniPress

erschienen 19. April 1999 in: Augsburg UniPress

Verlag: Selbstverlag


Am 1. September 1998 ist Prof. em. Dr. Franz Scholz - von 1972 bis 1976 Ordinarius für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg - verstorben.

Der Verstorbene wurde am 10. Dezember 1909 in Breslau geboren und nahm sich bereits seit seiner Priesterweihe 1934 der dortigen polnischen Kolonie an. Als Kuratus der Pfarrei St. Bonifatius in Görlitz-Ost und als Standortpfarrer war er unermüdlicher Seelsorger der kriegsgefangenen Franzosen und Polen sowie der zwangsverschleppten polnischen Zivilgefangenen. Sein Einsatz als Flüchtlingsseelsorger und Caritasdirektor während der Zeit der Besetzung und Vertreibung wurde durch die Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Görlitz gewürdigt. Seit 1949 Dozent, ab 1956 Professor für Moraltheologie, hatte er von 1972 bis 1976 den Lehrstuhl für Moraltheologie an der Universität Augsburg inne. Anschließend war er bis 1985 Pfarrverwalter in Klein-Zimmern (Diözese Mainz).

Mit seiner Trilogie "Görlitzer Tagebuch", "Zwischen Staatsräson und Evangelium. Kardinal Hlond und die Tragödie der ostdeutschen Diözesen" und "Kollektivschuld und Vertreibung" war Franz Scholz ein unbestechlicher Anwalt der Vertriebenen im Dienst der historischen Wahrheit. Diesem Ziel diente auch sein "Hlondheft", das sich gegen die Geschichtsklitterung wendet, die eine echte Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen verhindert. Als Seelsorger und Wissenschaftler hat Franz Scholz Maßstäbe gesetzt, die ihm ein ehrendes Andenken in der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg, in der Kirche und bei den Heimatvertriebenen sichern.

Hanspeter Heinz

Zum Tod von Prof. Dr. Irmela Florin

Von 1973 bis 1976 war die Psychologin erste Leiterin des Augsburger ZSK

Im Alter von 60 Jahren ist am 19. Dezember 1998 Frau Prof. Dr. Irmela Florin verstorben. Noch zahlreichen Mitgliedern der Universität Augsburg ist die Verstorbene als die erste, ebenso engagierte wie kompetente Leiterin des Augsburger Zentrums für Studien- und Konflikberatung (ZSK) bekannt.

Irmela Florin, die in Tübingen, Paris und München Psychologie studiert hatte, übernahm die Aufgabe, das ZSK der Universität Augsburg aufzubauen, im Juli 1973 - ein halbes Jahr, nachdem sie an der Universität Konstanz zum Dr. rer. soc. promoviert hatte.

Neben ihrer Tätigkeit als ZSK-Leiterin nahm Frau Florin psychologische Lehraufträge an der WiSo-Fakultät sowie beim Kontaktstudium wahr. Wissenschaftlich, didaktisch und praktisch-therapeutisch gleichermaßen ausgewiesen, erhielt die Psychologin 1976 einen Ruf auf eine Professur am Fachbereich Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität Tübingen, dem sie nach drei- einhalb Augsburger Jahren folgte. Von Tübingen aus wurde sie 1978 an den Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg berufen, dem sie trotz dreier weiterer ehrenvoller Rufe treu blieb. Innerhalb der Klinischen Psycholo- gie widmete sich Prof. Dr. Irmela Florin insbesondere empirischer Grundlagenforschung mit hoher Relevanz für die psychologische Psychotherapie. Der Bundespräsident hat ihr Lebenswerk durch die Verleihung des Bundesverdienstkreu- zes 1. Klasse gewürdigt.

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