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UPD 55A/08 - 22.04.2008

Ausstellungseröffnung am 24. April 2008

Landschaft & Fabrik

Bis Ende Mai zeigen Studentinnen und Studenten der Augsburger Kunstpädagogik im Präsidiumsgebäude der Universität Augsburg Malerei vom MAN-Werksgelände und aus Umbrien.


Schon seit mehreren Jahren ermöglicht die Firma MAN den Studentinnen und Studenten des Augsburger Lehrstuhls für Kunstpädagogik an der Universität Augsburg, einmal pro Woche ihr Werksgelände zu besuchen, um dort auf Motivsuche zu gehen. Das traditionelle Naturstudium wird hier durch die ungewöhnlichen Strukturen und Perspektiven von Maschinen, Kränen und Werkhallen immens bereichert - es wird zum künstlerischen Arbeiten in einem Ambiente voll intensiver Sinnesreize, die zu unkonventionellen malerischen Erfindungen herausfordern.

Nicht weniger herausfordernd, wenn auch eher der üblichen Vorstellung einer künstlerischen Ausbildung entsprechend, hat vergangenes Jahr ein Blockseminar des Lehrstuhls zu Landschaftsmalerei in Umbrien eingeladen. Vor Ort sollten die Seminarteilnehmer das klassisch gewordene Licht italienischer Renaissance-Gemälde erforschen und Wege der malerischen Umsetzung finden. Herausfordernd war dies, weil hier in alle bildnerischen Vorhaben zum einen die übergroßen Vorbilder der Vergangenheit hineinwirkten, zum anderen aber auch mehr oder weniger bewusste Klischeevorstellungen, die seit den avantgardistischen Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts jede Form von Plein-Air-Malerei unter Kitsch-Verdacht stellen.

Was die Studentinnen und Studenten vom MAN-Werksgelände einerseits und aus Umbrien andererseits mitgebracht haben, zeigt jetzt eine Ausstellung im Präsidiumsgebäude der Universität Augsburg (Universitätsstraße 2). Sie wird am 24. April 2008 um 17.00 Uhr mit einer Begrüßung durch den Präsidenten Prof. Dr. Wilfried Bottke und mit einführenden Worten von Prof. Dr. Constanze Kirchner eröffnet. Die Öffentlichkeit und die Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind zur Teilnahme herzlich eingeladen. Die Ausstellung selbst dauert bis zum 29. Mai 2008. Sie ist montags bis donnerstags von 9.00 bis 16.00 und freitags von 9.00 bis 14.00 Uhr bei freiem Eintritt zugänglich.
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Bildmaterial zu dieser Pressemitteilung:http://idw-online.de/pages/de/news256682
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Ansprechpartner:

Urs Freund
Lehrstuhl für Kunstpädagogik der Universität Augsburg
Telefon 0821/598-2979
urs.freund@phil.uni-augsburg.de
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Anhang:

Urs Freund, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kunstpädagogik der Universität Augsburg, zur Ausstellung "Landschaft & Fabrik"

Sowohl Landschafts- als auch Fabrikbilder dieser Ausstellung sind ja unmittelbar vor dem Motiv entstanden, sind im besten Sinn des Wortes Plein-Air- oder Freilichtmalerei. Freilichtmaler scheinen aber in der Regel jene Künstlertypen zu sein, die sich vor blutroten Sonnenuntergängen aufhalten oder den vermeintlich einmaligen, erhabenen Panoramaausblick in bunter Aquarellfarbe zerlaufen lassen. Man darf auch an zusammenklappbare Staffeleien denken, an breite Strohhüte und Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 36 - oder man denkt an all die schal gewordenen Ideen bildungsbürgerlicher Freizeitgestaltung zur Aufbesserung der menschlichen Seele. Deswegen lohnt die Erinnerung, dass im Unternehmen des Plein-Air einst ein geradezu revolutionärer Akt bestanden hatte:

Raus aus dem akademisch-historistischen Mief des Ateliers in das frische, durchaus herbe Licht des Alltags; Abschied von den Idealen klassizistischer Harmonieregeln zugunsten des Unausgewogenen, Vibrierenden; Entdeckung der Bildwürdigkeit des modernen Lebens in seiner ganzen unromantischen und unidealen Diskrepanz zwischen sonnigem Daseinsglück und industrialisierter Verwahrlosung - ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war Malerei endlich Feldversuch, Freiluftexperiment oder unabschließbares Forschungsgebiet.

Weil die althergebrachten Schemata für die neuen Bedingungen nicht mehr taugten, musste der Künstler einerseits radikal subjektiv vorgehen; andererseits brauchte er die Identifizierbarkeit des Gegenstands zur Verortung seines malerischen Zwecks. Auf diese Weise blieb sein Bild im Schnittpunkt zweier Geraden platziert, die mit der Zeit aus immer gegensätzlicheren Richtungen aufeinander zuliefen: hier die individuelle künstlerische Handschrift mit der daraus resultierenden Eigenwertigkeit von Farben, Formen und Volumina, die per se ein höchst irrationales Moment in sich tragen - dort die Koordinaten des Gegebenen in kühler, unberührter Objektivität. Rationalität und Irrationalität fallen damit auf ein und dieselbe Stelle, finden sich in den Parametern der Bildtafel als nicht benennbare, wortferne Koinzidenz, die den Betrachter dennoch eindringlich anspricht.

Inzwischen haben sich die Künstler längst wieder in ihre Ateliers zurückgezogen, die Ateliers sind zu multimedialen Studios geworden, in denen traditionelle Techniken mit digitalen Methoden der Bildgestaltung verschmelzen. Nach Jahren des Experimentierens in verschiedenen Richtungen interessiert sich die aktuelle Malerei dementsprechend erneut für den Gegenstand; in fast surreal scharf gezeichneter Form hält sie ihn präsent, thematisiert damit seine technisch-mediale, meist photographische Vermittlung. Das unmittelbare Arbeiten vor dem Motiv wird somit um mehrere Ebenen verschoben und der Gegenstand kann auf der Bildtafel als das erscheinen, was er zu Beginn des 21. Jahrhunderts tatsächlich ist: eine Möglichkeit unter vielen, die erst im technischen Medium Wirklichkeit erlangt, sich außerhalb davon aber sofort im Unbestimmten, Uninteressanten verliert und damit im Nichts verschwindet.

Wirklichkeit ist technische Medialität - was ist jenseits davon? Wenn wir zeitweise wieder hinausgehen und direkt vor dem Motiv arbeiten, finden wir erneut die Auseinandersetzung zwischen Subjektivität und Objektivität in der Vermittlung durch das gemalte Bild. Zwischen dem, was wir vor uns sehen, und den malerischen Zeichen, die sich auf der Bildfläche zu so etwas wie einem Abbild zusammenfügen, steht keine andere Apparatur außer unserem Auge. Technische Medien brauchen Quantität, am besten eine ununterbrochene Serie nervöser Klicks, welche die Wirklichkeit als rasch verlorene Augenblicke begreifbar macht, um wenigstens zu einer Illusion von Subjektivität zu kommen. Plein-Air-Malerei braucht die Dauer als Qualität des Sehens, die den Gegenstand oder das Motiv in seiner originalen Beziehung zum erkennenden Subjekt offenbart. Besonders in dieser Offenbarung sehen wir das Wesen dessen, was Malerei jenseits von Avantgardismen sein kann. Und in dieser Offenbarung ist das Naturstudium nicht mehr nur ein didaktisches Mittel, um über das Auge und die Hand zu einem malerischen Abbild von Wirklichkeit zu gelangen - vielmehr ist es die Entfaltung von Individualität in der Durchdringung des Objektiven und damit ein originales Haben von Welt.