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UPD 141/09 - 24.07.2009

Neu an der Universität Augsburg:

Center for Criminal Compliance

In einer neuen Abteilung der Augsburger "Forschungsstelle Compliance" suchen erfahrene Strafrechtswissenschaftler und Praktiker nach wissenschaftlich fundierten und praxistauglichen Lösungen von Problemen, die in der Wirtschaft im Zusammenhang mit strafrechtlichen Risiken und ihrer Vermeidung auftauchen.


Augsburg - Welche Risiken bestehen für Unternehmer und ihre Organe infolge der Nichteinhaltung strafbewehrter Regelungen durch Unternehmensmitarbeiter im Zusammenhang mit ihrer Geschäftstätigkeit? Und welche Maßnahmen sind notwendig und hinreichend, um diesen Risiken wirksam entgegenzuwirken? Die Antworten auf diese Fragen werden unter dem Begriff "Criminal Compliance" zusammengefasst. Als deutschlandweit erste Einrichtung dieser Art wurde nun an der "Forschungsstelle Compliance" der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg ein "Center for Criminal Compliance" errichtet.

Unklare Rechtsprechung und für Laien schwer verständliche Rechtslage

Um die Fragen der Criminal Compliance trotz einer noch unklaren Rechtsprechung und einer für Laien nur schwer verständlichen Rechtslage in praxisorientierter und rechtlich fundierter Weise beantworten zu können, bedarf es einerseits detaillierter Kenntnisse der Strukturen und der Funktionsweise betroffener Branchen und Unternehmen sowie der typischen Prozesse und Geschäftsabläufe. Andererseits sind hierfür vertiefte Kenntnisse der strafrechtsdogmatischen Grundlagen erforderlich, die zur Bewertung bestimmter Verhaltensweisen als strafrechtlich relevant sowie zur Annahme der Verantwortlichkeit einzelner Konzerngesellschaften, Organe oder Organmitglieder führen.

Vermeidung strafrechtlicher Risiken

"Aus diesem Grund haben wir jetzt in der Forschungsstelle Compliance unserer Fakultät eine spezielle Abteilung für Criminal Compliance eingerichtet", erläutert Prof. Dr. Thomas Rotsch, der seit 2007 Professor für Straf- und Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Völkerstrafrecht an der Universität Augsburg ist. In dem von Rotsch geleiteten "Center for Criminal Compliance" arbeiten erfahrene Strafrechtswissenschaftler und Praktiker zusammen, um wissenschaftlich fundierte und praxistaugliche Lösungen für Fragen und Probleme anzubieten, die in der Wirtschaft im Zusammenhang mit strafrechtlichen Risiken und ihrer Vermeidung auftauchen.

Gutachten, Analysen, Strategien und Aufklärungsarbeit

Zum Service, den das Center anbietet, zählen die Erstellung von Rechtsgutachten sowie Risikoanalysen und Unternehmensuntersuchungen, weiterhin die Erarbeitung von Strukturen strafrechtlicher Haftungsvermeidung und Fortbildungen bzw. Schulungen für Führungspersonal und Mitarbeiter. Um dem noch erheblichen allgemeinen Aufklärungsbedarf in Sachen Compliance gerecht zu werden, sieht Rotsch auch die Veranstaltung einschlägiger Vorträge und Tagungen als wichtige Aufgabe des "Centers for Criminal Compliance".

Compliance: Umdenken infolge der großen Korruptionsskandale

Als Abteilung eingebettet ist das "Center for Criminal Compliance" in die "Forschungsstelle Compliance", die 2008 an der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg errichtet wurde. "Wir haben mit dieser Forschungsstelle auf die Korruptionsskandale der letzten Jahre in großen deutschen Konzernen reagiert bzw. auf das Umdenken bei den Unternehmensverantwortlichen, das diese Skandale bewirkt haben", erläutert Prof. Dr. Thomas M. J. Möllers als Sprecher der Forschungsstelle.

Trotz hoher Investitionen als Thema in Unternehmen noch unterentwickelt

Inzwischen würden die Unternehmen zwar hunderte von Millionen Euro in den Aufbau von Compliance-Systemen stecken, um Verstößen gegen geltendes Recht vorzubeugen. Dennoch, so Möllers, sei das Thema "Compliance" in den Unternehmen noch unterentwickelt. "Unser Ziel ist es, diese Wissens- und Umsetzungsdefizite abzustellen. In unserer Forschungsstelle führen wir die vielschichtigen Fragestellungen einzelner Rechtsgebiete zusammen, um sie mit der Expertise einschlägig ausgewiesener Kollegen aus Wissenschaft und Praxis zu beantworten."

Integration von kapitalmarkt-, gesellschafts-, kartell- und wirtschaftsstrafrechtlicher Expertise

Neben Möllers und Rotsch, die die Bereiche Kapitalmarktrecht bzw. Wirtschaftsstrafrecht abdecken, tragen Prof. Dr. Michael Kort sowie Christian Heinichen als Spezialisten für Gesellschaftsrecht bzw. Kartellrecht die "Forschungsstelle Compliance". Um konkrete Organisationsvorschläge erarbeiten zu können, wird auch betriebswirtschaftliches Know-how in die Arbeit der Forschungsstelle eingebunden.

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Weitere Informationen:

http://www.jura.uni-augsburg.de/forschung/compliance/
http://www.jura.uni-augsburg.de/forschung/compliance/criminal_compliance

Ansprechpartner:

o zur Forschungsstelle Compliance:
Prof. Dr. Thomas M. J. Möllers
Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht, Europarecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung / Jean Monnet-Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Zivil- und Wirtschaftsrecht
Telefon +49(0)821-598-4515
Thomas.moellers@jura.uni-augsburg.de

o zum Center for Criminal Compliance:
Prof. Dr. Thomas Rotsch
Straf- und Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Völkerstrafrecht
Telefon -49(0)821-598-4565
thomas.rotsch@jura.uni-augsburg.de

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