Suche

UPD 184/09 - 05.10.2009

"Notwendigs Bedenckhen": Augsburger Stadtrechtsreformbemühungen im 16. Jahrhundert

Präsentation einer neuen Edition zentraler Dokumente mit festlichem Rahmenprogramm und der Vorstellung laufender Projekte zum Augsburger Stadtrecht am 13. Oktober in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg


"'Consvetvdines almae Reipublicae Augustanae' von Matthaeus Laimann und Georg Tradel mit 'Notwendigs Bedenckhen' von Georg Tradel", lautet der Titel eines vom Augsburger Rechtshistoriker Prof. Dr. Christoph Becker jüngst beim LIT Verlag herausgegebenen Bandes, der die kritischen Editionen zweier zentraler Handschriften zu den Augsburger Stadtrechtsreformbemühungen im 16. Jahrhundert versammelt. In einem festlichen Rahmen wird diese Neuerscheinung am 13. Oktober 2009 um 19.30 Uhr in der Staats- und Stadtbibliothek vorgestellt. Zu diesem Abend, der vom "Juridischen Ensemble" mit frühneuzeitlicher Musik umrahmt wird, lädt die Juristische Gesellschaft Augsburg als Veranstalterin alle Interessierten ein.

Im 16. Jahrhundert gab es in Augsburg - ähnlich wie in anderen Städten des Alten Reichs - Bestrebungen, das Stadtrecht vom Jahre 1276 zu reformieren. Die bis heute in der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek bewahrten Entwürfe und Denkschriften städtischer Juristen bezeugen die frühneuzeitlichen Versuche, das mittelalterliche Rechtsbuch mit seinen Nachträgen, mit weiteren Satzungen der Reichsstadt, mit Beobachtungen aus anderen Ortsrechten sowie Regeln des gemeinen Rechts zu einem schlüssigen neuen Statutarrecht zu verschmelzen. Ein endgültiger Beschluss zu einer Erneuerung des Stadtrechts gelang dem Augsburger Stadtrat bis zum Ende des Alten Reichs zwar nicht. Doch die hierfür erarbeiteten Konzepte belegen den jeweils erreichten Entwicklungsstand des Stadtrechts.

Zwei dieser Handschriften, die die Zeiten in der Staats- und Stadtbibliothek überdauert haben, wurden nun von Prof. Dr. Christoph Becker, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht und Zivilverfahrensrecht, Römisches Recht und Europäische Privatrechtsgeschichte an der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg, ediert und zusammen mit einigen einleitenden Texten als Band 14 der "Augsburger Schriften zur Rechtsgeschichte" beim LIT Verlag veröffentlicht. Bei den beiden Handschriften handelt es sich zum einen um eine von dem reichsstädtischen Ratsadvokaten Dr. Georg Tradel (1530-1598) und einem seiner Kollegen, dem 1589 verstorbenen Matthaeus Laimann, erarbeitete Zusammenstellung des Augsburger Stadtrechts mit dem Titel "Consvetvdines almae Reipublicae Augustanae"; zum anderen um eine von Tradel alleine verfasste und mit Notwendigs Bedenckhen" überschriebene Denkschrift zur Reformation des Augsburger Rechts.

Bei der Präsentation dieser Edition am 13. Oktober 2009 in der Staats- und Stadtbibliothek wird neben Becker selbst auch Prof. Dr. Rolf Kießling, ehemaliger Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte, einführende Worte zur Geschichte Augsburgs zu Beginn der Frühen Neuzeit sprechen. Überdies werden von Becker betreute Doktorandinnen und Doktoranden, die sich einem stadtrechtshistorischen Thema gewidmet haben, aus ihren Forschungen berichten. Das ausführliche Programm des Abends findet sich im Anhang
_________________________________

"Consvetvdines almae Reipublicae Augustanae" von Matthaeus Laimann und Georg Tradel mit "Notwendigs Bedenckhen" von Georg Tradel. Eine Zusammenstellung Augsburger Stadtrechts mit einer Denkschrift zu seiner Reform vom Ende des sechzehnten Jahrhunderts (Handschrift der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg 2° Cod. Aug. 168). Herausgegeben und bearbeitet von Christoph Becker (= Augsburger Schriften zur Rechtsgeschichte, Band 14), LIT Verlag, Berlin - Münster - Wien - Zürich - London 2008, 136 S., 29.90 EUR, gb., ISBN 978-3-8258-1859-3
_________________________________

Foto zu dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/image101202
_________________________________

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Christoph Becker
Lehrstuhls für Bürgerliches Recht und Zivilverfahrensrecht, Römisches Recht und Europäische Privatrechtsgeschichte
Juristischen Fakultät
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-4585
christoph.becker@jura.uni-augsburg.de

_________________________________

Anhang:

Buchpräsentation zur Augsburger Stadrechtsgeschichte am Dienstag, dem 13. Oktober 2009, um 19.30 Uhr in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Schaezlerstraße 25, 86152 Augsburg

Musikalische Eröffnung: Villotta 1 "Era di Maggio" aus den anonymen 12 oberitalienischen Villotte des frühen 16. Jahrhunderts für drei Stimmen / Villotta 2 "Maggio valente" aus den anonymen 12 oberitalienischen Villotte des frühen 16. Jahrhunderts für drei Stimmen
Eröffnung der Veranstaltung durch den Vorsitzenden der Juristischen Gesellschaft, Prof. Dr. Hans-Ulrich Jerschke
Begrüßung durch Dr. Helmut Gier, Direktor der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg
Vortrag von Prof. Dr. Rolf Kießling
Einführung in die Edition mit Erläuterung des Zusammenhangs zwischen Stadtrecht und europäisch-gemeinem Recht durch Professor Dr. Christoph Becker
Musikalisches Zwischenspiel: "Von Ehr-abschneidischen Zungen" aus "Ohren-vergnügendes und Gemüth-ergötzendes Tafel-Confect" (Augsburger Tafelkonfekt), Augsburg, 1733-1746, Seite 35 (Erste Tracht, Nummer 6) / "Quodlibeticum: Wir haben drey Katzen" aus dem Augsburger Tafelkonfekt, Seiten 168 f. (Vierte Tracht, Nummer 5)
Vorstellung zweier Forschungsvorhaben zur Augsburger Stadtrechtsgeschichte der Frühen Neuzeit durch Rechtsanwalt Stefan Ebner (Stadtrechtsreformation) und Assessorin Nicola Birk (Grundstücksgeschäfte)
Musikalischer Ausklang: "Quodlibeticum: Summirum Summarum" aus dem Augsburger Tafelkonfekt, Seiten 169 f. (Vierte Tracht, Nummer 6) / "Drey Sauff-Brüder" aus dem Augsburger Tafelkonfekt, Seite 29 (Erste Tracht, Nummer 2)
Anschließend Gelegenheit zu Gesprächen mit Imbiß

Es spielt das "Juridische Ensemble" in der Besetzung: Anja Scherg (Gesang), Barbara Seitz (Blockflöte), Julia Eschenbach (Violine), Ilka Kistner (Cembalo, Tambourin) und Michael Preis (Violoncello).