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UPD 190/09 - 13.10.2009

Jeweils montags im Augsburger Zeughaus:

Der Philosoph Bertolt Brecht

13-teilige Vortragsreihe nähert sich Brecht als einem "Weisen der Lebenskunst" / Eröffnungsvortrag am 26. Oktober


Augsburg - Am 26. Oktober steht im Augsburger Zeughaus erstmals "Der Philosoph Bertolt Brecht" zur Debatte - bei der Auftaktveranstaltung einer gleichnamigen 13-teiligen Vortragsreihe, die der Augsburger Germanist Prof. Dr. Mathias Mayer (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft) konzipiert und organisiert hat. Jeweils montags werden sich über das gesamte Wintersemester 2009/10 hinweg Brecht-Fachleute aus Brechts Geburtsstadt Augsburg und aus dem Rest der Repubik in exemplarischen Analysen dem Philosophen in Brecht zu nähern versuchen. Mayer verspricht 13 Vortragsabende, "die fundiert darstellen, ohne abzuheben", sich also an eine breite Öffentlichkeit wenden und auch für Oberstufenschülerinnen und -schüler attraktiv sein können. Der Eintritt ist frei.

"Bei der Auseinandersetzung mit dem Philosophen Bertolt Brecht geht es nicht darum, Brecht zu bestätigen oder mit ihm abzurechnen oder ihn heiligzusprechen, sondern darum, ihn einfach sehr ernst zu nehmen", sagt Mayer. Der philosophische Zugang verspreche, Neues bei Brecht entdecken zu können. "Ich glaube, dass man damit ein Herzstück bei Brecht sichtbar machen kann." Quer zu allen Gattungen und durch alle seine Werkphasen zeige sich, dass Brecht nicht nur ein großer Praktiker und Theoretiker des Theaters war, sondern auch ein Philosoph, "ein Weiser der Lebenskunst", sagt Mayer, "und ein freilich ironischer Lehrer".

"Meine Liebe zur Klarheit kommt von meiner so unklaren Denkart", schreibt Brecht 1942. Deshalb, erläutert Mayer, sei es gar nicht nur der Leser, Kenner oder Verwerter großer Philosophen - von Empedokles über Sokrates bis zu Bacon, von Hegel, Marx und Nietzsche bis Walter Benjamin -, um den es hier gehe, Gegenstand sei vielmehr der philosophische Schriftsteller Bertolt Brecht, den es in vielen Texten freizulegen gelte: in seinen Erzählungen, in seiner Lyrik, aber auch im "Galilei" z. B. oder im "Buch der Wendungen". In Brecht den Philosophen zu betrachten, bedeute nicht, ihm einen systematischen Anspruch zu unterstellen, es gelte vielmehr, seine literarischen Texte ebenso wie seine theoretischen auf ihren dialektischen, erkenntnis- und gesellschaftskritischen Gehalt hin zu befragen.

Der Verfremdungseffekt, den Brecht als "etwas ganz Alltägliches, Tausendfaches" bezeichnet hat, bricht das vermeintlich Selbstverständliche aus seiner Gewohnheit heraus und lässt es so erst erkennbar werden. "Den Philosophen Brecht zu bemühen, heißt demnach nichts anderes, als den Spuren seiner Neugierde zu folgen und jene gekonnte Einfachheit, die seine Texte so unverwechselbar und im mehrfachen Sinn bewegend macht, als Reflex von Weisheit und List zu beschreiben. Es geht letztlich darum, herauszubekommen, inwiefern Brecht nicht nur einer ist, der viel gelesen hat, sondern auch jemand, der eine philosophische Schreibstruktur besaß."

Die Vorlesungsreihe "Der Philosoph Bertolt Brecht" wird unterstützt von der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg e. V., vom Elitestudiengang-Studiengang "Ethik der Textkulturen" (Augsburg/Erlangen) und von der Stadt Augsburg.

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Themen und Termine:

26. 10. 2009: Der Philosoph Bertolt Brecht oder Die List und die Lust der Verfremdung (Prof. Dr. Mathias Mayer, Augsburg)
2. 11. 2009 Brechts Empedokles (Prof. Dr. Oliver Primavesi, München)
9. 11. 2009 Epikur, Lukrez und Lukullus bei Brecht (Prof. Dr. Markus Janka, München)
16. 11. 2009 Experimente der Neuzeit: Francis Bacon und Giordano Bruno bei Brecht (Prof. Dr. Hans Peter Neureuter, Regensburg)
23. 11. 2009 "Leben des Galilei" als philosophisches Theater (PD Dr. Bernadette Malinowski, Augsburg)
30. 11. 2009 Hegel und Brecht. Wege der Dialektik (Prof. Dr. Frank D. Wagner, Oldenburg)
7. 12. 2009 Der Dichter Bertolt Brecht und die taoistische Philosophie (Prof. Dr. Dr. Heinrich Detering, Göttingen)
14. 12. 2009 Originalität vs. Tuismus: Brechts Verhältnis zu Walter Benjamin und zur Kritischen Theorie (Dr. Erdmut Wizisla, Berlin)
11. 1. 2010 "... es kömmt darauf an, sie zu verändern". Marx' Theorie der Praxis bei Brecht (Prof. Dr. Jan Knopf, Karlsruhe)
18. 1. 2010 Zwischen "kalten Himmeln" und "schnellen Toden" Brechts- Nietzsche-Rezeption (Dr. Jürgen Hillesheim, Augsburg)
25. 1. 2010 Was wäre, wenn die Haifische Menschen wären? Der weise Herr Keuner blickt hinter die Kulissen (Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Koopmann, Augsburg)
1. 2. 2010 Die Dialektik der "Flüchtlingsgespräche" (Dr. Friedmann Harzer, Augsburg)
8. 2. 2010 Brecht und die politische Philosophie (Prof. Dr. Marcus Llanque, Augsburg)
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Veranstaltungsort:

Reichle-Saal des Augsburger Zeughauses
Zeugplatz 4
86150 Augsburg
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Ansprechpartner:

Prof. Dr. Mathias Mayer
Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon +49(0)821-598-2781
gisela.barth@phil.uni-augsburg.de