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UPD 62/10 - 24.03.2010

"Officier des Palmes académiques":

Frankreichs Regierung ehrt den Augsburger Historiker und Alt-Präsidenten der Universität Josef Becker


Augsburg/KPP - Auf Vorschlag seines Bildungsministers hat der französische Premierminister den Augsburger Historiker, Prof. Dr. Dr. h. c. Josef Becker, Ende vergangenen Jahres in den "Ordre des Palmes Académiques", den ältesten säkularen Orden Frankreichs für zivile Verdienste, aufgenommen. Die Insignien eines "Officier des Palmes Académiques" wurden dem Geehrten jetzt vom französischen Generalkonsul Stéphane Visconti in dessen Münchener Residenz überreicht.

Der "Ordre des Palmes académiques" wurde 1808 von Napoleon I. ins Leben gerufen, um die Verdienste von Persönlichkeiten zu würdigen, die sich in hervorragender Weise um die weltweite Ausstrahlung der französischen Sprache und Kultur verdient gemacht haben. In seiner Laudatio apostrophierte Visconti den Geehrten als "Beispiel der deutsch-französischen Freundschaft", Becker sei ein "Interpret unserer kulturellen und historischen Lebensräume".

Seine Affinität zu Frankreich spiegle sich bereits in Beckers Studienjahren, als er Geschichte, Germanistik und Französisch in Freiburg, Heidelberg, München und - mit einem Stipendium der französischen Regierung - auch in Paris studierte. In den 1960er Jahren habe er maßgeblich an der wissenschaftlichen Kontroverse über die nationalen Triebkräfte für die Annexion von Elsaß-Lothringen 1870/71 nach dem Reichsgründungskrieg von 1870/71 teilgenommen. Primär für seinen Beitrag zu dieser Historikerdebatte, der in Deutschland in seiner Generation einhellig Zustimmung fand, sei Becker 1981 von der Universität Metz (Lothringen) mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden.

In den 1970er und 1980er Jahren habe Becker in Augsburg seine engen Beziehungen zu französischen Historikern weiter intensiviert. Diese Kooperation mit Kollegen aus Metz, Straßburg und Paris habe zu mehreren internationalen wissenschaftlichen Symposien geführt sowie zur Gründung eines "Deutsch-Französischen Komitees zur Erforschung der französischen und deutschen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert", dessen Ehrenpräsident Becker noch heute ist.

Mit seiner monumentalen, trotz vieler Unterbrechungen in drei Jahrzehnten erarbeiteten Publikation der "Quellen zur Vor- und Nachgeschichte der Hohenzollern-Kandidatur für den Thron in Madrid 1866-1932" hat Becker nach dem Urteil eines amerikanischen Rezensenten die "most exciting collection of Bismarckiana in a generation" ediert. Ihre drei Bände mit einem Gesamtumfang von knapp 2000 Seiten sind unter dem Titel "Bismarcks spanische 'Diversion' 1870 und der preußisch-deutsche Reichsgründungskrieg" 2003 und 2007 erschienen. Die beeindruckende wissenschaftliche Edition habe ein neues Licht auf die Ursachen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 geworfen.

Visconti würdigte Beckers Werk als einen Beitrag zu der so wichtigen Erarbeitung eines einvernehmlichen Verständnisses der gemeinsamen deutsch-französischen Geschichte. Durch seine herausragenden Bismarck-Studien habe Becker auch wesentlich zu einem besseren Verständnis der Epoche Napoleons III. beigetragen.

Becker deutete die Auszeichnung in seinen Dankesworten - über seine Klärung historischer Grundfragen hinaus - als eine Würdigung seiner Zusammenarbeit mit einer Reihe französischer Historiker, insbesondere mit Raymond Poidevin und René Girault. Poidevin war Initiator des "Deutsch-Französischen Komitees zur Erforschung der französischen und deutschen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert", als dessen Co-Präsident Becker amtierte. Mit René Girault, dem Präsidenten der "Commision of History of International Relations", kooperierte Becker eng u. a. als Vizepräsident dieser wissenschaftlichen Vereinigung. "Ich betrachte daher", so Becker, "diese Auszeichnung auch als eine hommage an die schon verstorbenen Straßburger und Pariser Freunde. Sie haben beide maßgeblich seit den 1960er Jahren über den Rhein hinweg als Brückenbauer zwischen den französischen und deutschen Historikern gewirkt."

Ein "Europa der Historiker", wie René Girault es einmal nannte, habe nur Wirklichkeit werden können, weil es für die große Mehrheit der Historiker internationale Grundkonsense über strittige Fragen in den jeweiligen Nationalgeschichten gibt, die früher Gegenstand leidenschaftlicher Kontroversen waren. Er sei dankbar, zu diesem wissenschaftlichen Konsens zwischen Deutschland und Frankreich einen kleinen Beitrag geleistet zu haben, so Becker. Die hohe Würdigung durch diesen Orden sei für ihn ein Grund zur Befriedigung und eine Freude.
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