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UPD 031/11 - 30.01.2011

Am 4. Februar 2011:

"Nichts. Tun." - Ein Wintergespräch zur aktuellen Bildungsdiskussion

Fachdidaktiker, Schul- und Medienpädagogen hinterfragen ein vorherrschendes Denken, das (Unterrichts-)Zeit als eine immer knapper werdende Ressource voraussetzt, die möglichst ökonomisch für einen vordergründig präszise umrissenen Kompetenzerwerb genutzt werden muss.


Augsburg/HZ/KPP - Können bewusst geschaffene Freiräume einen sinnvollen Gegenpol zu den Anforderungen einer globalisierten Bildungslandschaft setzen? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich das interdisziplinäre Kolloquium "Nichts. Tun." am Augsburger Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur am Freitag, dem 4. Februar 2011. Alle Interessierten sind zur Teilnahme eingeladen. Beginn des vierstündigen Kolloquiums ist um 13.30 Uhr im Raum 4056 der Phil.-Fakultäten (Gebäude D, Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg).

Die Veröffentlichung der jüngsten PISA-Ergebnisse hat erneut gezeigt, wie sehr sich die bildungspolitische Diskussion immer noch an den Vorgaben nur scheinbar konkreter, verlässlich abprüfbarer Inhalte orientiert. Sie bilden das Fundament einer Testkultur, die die Stellung der Schüler in einem globalen Wettbewerb ermittelt. (Unterrichts-)Zeit soll demnach als immer knapper werdende Ressource möglichst ökonomisch eingesetzt werden, um vordergründig präzise umrissene Kompetenzen zu fördern. Der Schüler übernimmt nahezu die Rolle eines selbständigen Unternehmers, der sämtliche seiner Tätigkeiten in Hinblick auf eine ökonomische Nützlichkeit hinterfragt.

Die Bedeutung des Nichts(tuns)

Das Kolloquium "Nichts. Tun." geht der Frage nach, inwiefern bewusste Pausen und Leerstellen - Nichts. Tun. - hierzu einen sinnvollen Gegenpol bilden können. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Teildisziplinen untersuchen die Bedeutung des Nichts bzw. des Nichtstuns für ihr Fach. Themen der Tagungsbeiträge sind:

o Nichts. Tun. - Ritalin für die Bildungspolitik (Monika Jäckle, Schulpädagogik)
* Die Gestalt des "Nichts" in der Mathematik (Pamela Reyes-Santander und Matthias Brandl, Mathematikdidaktik)
* Nichts ist Literatur (Annemarie Niklas, Deutschdidaktik)
* Identitätsbildung durch Nichtstun. Eine historische Perspektive (Melanie Rossi, Geschichtsdidaktik)
* Die mediale Inszenierung des Nichts (Thorsten Lorenz, Medienpädagogik)
* Produktive Leerstellen in Michael Hanekes Kinofilmen (Carlo Avventi, Medienpädagogik)

Mehrwert durch weniger Information und bewusst gesetzte Freiräume

Im Zentrum der Gespräche steht die Beschäftigung mit dem Nichts im Unterricht als einem wichtigen Beitrag für die sinnvolle Gestaltung von Lernprozessen. In der Datenfülle der Multimedia-Gesellschaft kann "Mehrwert" eben auch heißen: weniger Informationen und das bewusste Setzen von Freiräumen. Diese unbestimmten Räume - das Nichts - entsprechen keineswegs einem sinnlosen Nichtstun. Vielmehr regt die Auseinandersetzung mit dem Nichts zu einem anderen Handeln an. Sie führt zu einer bewussten Reflexion aktueller Normsetzungen und Wertfragen und beugt einer allzu unkritischen Übernahme einer wachsenden Informationsflut vor.
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Programmflyer:

http://www.philhist.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/germanistik/didaktik/downloads_intern/Kolloquium_Nichts_Tun.pdf
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Veranstalter/Kontakt:

Dr. Annemarie Niklas und Dr. Holger Zimmermann
Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821-598 -5786 oder - 5787
annemarie.niklas@phil.uni-augsburg.de
holger.zimmermann@phil.uni-augsburg.de