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UPD 113/13 (korr. 24.06.13) - 21.06.2013                                 Meldung als pdf

Zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Koopmann

Am 24. Juni 2013 gratuliert der Augsburger Lehrstuhl für Neuere Deutsche Litera-turwissenschaft seinem ehemaligen Inhaber mit einem Festvortrag und mit einer Festgabe.


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Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Koopmann als Festredner zum Thema "Die Geisteswissenschaften heute" bei der Zentralen Promotionsfeier der Universität Augsburg im November 2011. Foto: Klaus Satzinger-Viel

 

Augsburg/MM/KPP - Am 15. Juni 2013 feierte Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Koopmann seinen 80. Geburtstag, am 24. Juni feiert sein ehemaliger Lehrstuhl den Jubilar - mit einem Festvortrag des Freiburger Literaturwissenschaftlers Prof. Dr. Werner Frick und mit der Überreichung des jüngst erschienen Bandes "Nachgefragt", der auf 320 Seiten ausgewählte Schriften Koopmanns zur deutschen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts" versammelt.

Vier Jahre nach der Gründung der Universität Augsburg wurde Helmut Koopmann als dessen erster Inhaber auf den damals mit den Philosophischen Fachbereichen neu eingerichteten Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft berufen. Der gebürtige Bochumer, der in Ostfriesland aufgewachsen war, in Bonn und Münster Germanistik, Anglistik und Philosophie studiert, bei Benno von Wiese mit einer Dissertation über die Romane Thomas Manns promoviert und mit einer Studie zum Jungen Deutschland habilitiert hatte und der 1974 von einer Bonner Professur für Neuere deutsche Philologie aus an die Universität Augsburg wechselte, wirkte hier bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 - unbeeindruckt von Rufen an die Harvard University und an die FU Berlin, mehrfach unterbrochen freilich von zahlreichen Gastdozenturen u. a. in den USA, in Indien, in Italien und an der Randse Afrikaanse Universiteit im südafrikanischen Johannesburg, die ihm 1998 die Ehrendoktorwürde verlieh.

"Seit mehr als fünfzig Jahren", schreibt Prof. Dr. Mathias Mayer über seinen Vorgänger auf dem Augsburger Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, "seitdem der gerade 28-Jährige seinen ersten Aufsatz über die 'Kategorie des Hermetischen' im 'Zauberberg' geschrieben hatte, gehören die Arbeiten Helmut Koopmanns zu den gewichtigsten Beiträgen der neueren deutschen Literaturwissenschaft. Es bedarf dazu nicht der Berufung auf die längst nicht mehr überschaubare Zahl dieser Beiträge, auf die imposante Breite ihrer Themenfelder oder auf die Weitläufigkeit ihrer Erscheinungsorte rund um den Globus - die Erlesenheit ihres sprachlichen Wohllauts und die unbestechliche Genauigkeit des aufklärerischen Blicks sichern ihnen einen Ehrenplatz in der Überlieferung. Ist gerade die Thomas Mann-Forschung ohne die Arbeiten Helmut Koopmanns nicht denkbar - immer wieder wird seine Stimme als Autorität gehört und zitiert -, so sind andererseits die Horizonte seiner Arbeit so wenig absehbar wie die Reichhaltigkeit der Perspektiven, die von der Philosophie und der Rhetorik über die Geschichte bis in die Naturwissenschaft und Medizin reichen. Es gibt kaum ein Feld der Literatur nach der Aufklärung, in dem er nicht seine bahnenden Spuren gezogen hätte. Gelehrsamkeit ohne jede Schwerfälligkeit, eine Leichtigkeit, die souverän große Bögen zu spannen vermag, und eine Eleganz der Sprache, der man sich nicht entziehen kann - zahllose Leser und Hörer haben die Texte von Helmut Koopmann schätzen gelernt."

Deswegen - und nach zwei ehrenvollen Festgaben aus fremder Feder, die Koopmann zu seinem 65. und seinem 75. Geburtstag erhalten hat - sei es diesmal, so Mayer, der Wunsch des Augsburger Lehrstuhls gewesen, "den Jubilar selbst um die dauerhaften Gaben aus dem eigenen Bestand zu bitten, um in einem würdigen Band die besten seiner Aufsätze dem wiederholten Lesen zur Verfügung zu stellen."

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Termin:

Die feierliche Übergabe des Bandes "Nachgefragt" an Helmut Koopmann erfolgt am kommenden Montag, dem 24. Juni 2013, um 18.15 Uhr im Hörsaal IV des Großen Hörsaalzentrums der Universität Augsburg (Gebäude C, Universitätsstraße 10, 86159 Augsburg). "Huldigungen. Thomas Mann als Gratulant und Jubilar" lautet der Titel des Festvortrags, den Prof. Dr. Werner Frick (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) beisteuern wird.

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Publikation:

Helmut Koopmann: Nachgefragt. Zur deutschen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2013, 320 Seiten, 79,- Euro, ISBN-13: 9783465037705

 

Zum Inhalt:

"Von Nachfragen lebt die Literaturwissenschaft. War Goethe wirklich ein Aufklärer, wie man gemeint hat? Welche Landschaft schwebte ihm vor, als er seinen Faust visionär die Trockenlegung eines großen Sumpfgebietes wahrnehmen ließ? War Schiller als Kritiker wirklich nur ein besserwisserischer Kunstrichter, und stimmt es, dass er als Philosoph ein trockener Geist war, dessen Bilder niemals originell gewesen seien? Hat er nicht am Ende seines Lebens gewaltige Gemälde einer zerstörerischen, chaotischen Natur entworfen? Wo beginnt die Moderne? Bei Kleist scheint das Phänomen der Beschleunigung, um 1800 überall wahrgenommen, sogar seinen Sprachstil mitbestimmt zu haben – aber ist er nicht auch ein Aufklärer, wenn er private Glückseligkeit auf Kosten anderer verurteilt? Eichendorff gilt als Erzromantiker – aber nehmen seine Gedichte, diese zeichenhaften Weltkonstruktionen, nicht doch schon den Symbolismus vorweg? Heine hingegen, den in seinem utopischen Denken viel mit Eichendorff verband, schrieb seine Gedanken und Einfälle in der Tradition der europäischen Aphoristik - wie konnte es sein, dass sie so oft in ihrer Eigenständigkeit verkannt wurden? Das 19. Jahrhundert, Epoche der Einzelgänger, scheint gegen die Jahrzehnte um 1800 abzuflachen. Aber Hebbel und Reuter lassen erkennen, wie modern gerade diese großen Unzeitgemäßen waren."
(Quelle: http://www.klostermann.de/Koopmann-Helmut-Nachgefragt )

 

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Pressebild zum Download:

Koopmann_Satzinger_pr   Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Koopmann
als Festredner zum Thema "Die Geisteswissenschaften heute" bei der Zentralen Promotionsfeier der Universität Augsburg im November 2011. Foto: Klaus Satzinger-Viel